Ausbau Ostbayernring Wegbereiter für Reaktorbau in Temelin – Blick in die Zukunft

Von: Feststellung (r.kuehnel@microbee.de)

Am Donnerstag den 26. November war eine DEMO in Parkstein zum Thema: „Wir-pfeifen-auf-die-Monstertrassen“ dazu gibt es nun ein Video unter nachfolgendem Link anzusehen.
www.otv.de/mediathek/tag/ostbayernring/video/wir-pfeifen-auf-die-monstertrassen/

In dieser schönen Landschaft um Parkstein u. a. auch im sogenannten Sauerbachtal soll nun dieser Trassenausbau zerstörerisch wüten. Selektiert man den Link so weist zuerst Sonja Reichold, die Sprecherin von der BI „newgegendietrasse darauf hin, dass kein Verständnis in der Region für einen Neubau des Ostbayernrings vorhanden ist. Hierauf antwortet Frau Haffke, eine Mitarbeiterin von Tennet und sagt vor laufender Kamera und ohne mit der Wimper zu zucken die Unwahrheit. Bzw. kann es hier 2 Möglichkeiten geben: Entweder benutzt Tennet sie nur als Marionette und sie plappert das Vorgekaute nur nach oder sie lügt ganz bewusst und verkauft die Bürger für dumm. Ihre Pflicht währe die Bürger wahrheitsgemäß aufzuklären und die Zusammenhänge zu erläutern, die Bürger also darüber informieren, was in den Leitungen fließen wird. Wichtig ist dies mit Zahlen zu belegen und zwar genau so wie es den Tatsachen entspricht, damit ein Nachrechnen möglich ist. Was bisher über den Ostbayernring von Tennet im Internet verbreitet wird, das ist keine Information sondern Manipulation darum eine Ungezogenheit, worüber die Bürger sich beim Bundeswirtschaftsamt und Bundesrat beschweren sollten.
Auch wurden die Bewohner entlang des Ostbayernrings nicht so informiert, dass jedem Bürger, an dessen Haus die Leitung vorbei führt, klar ist was auf ihn zukommt, viele wissen nicht einmal von ihrem durch Tennets Hand geplantem Schicksal, da die Info zum Ausbau Ostbayernring nur über Internet einsehbar ist, kann man sagen, es ist Diskriminierung der Bevölkerung die kein Internet besitzt, das betrifft vor allem die ältere Bevölkerung. Es wäre eine Kleinigkeit gewesen die Info über das Vorhaben als Flyer an alle Haushalte entlang des Ostbayernrings zu verschicken.

Die Technik des Ausbaus:
Neben der jetzigen Leitung soll eine neue, auf das 2,5 fache Volumen erweiterte Trasse gebaut werden. Das 2,5 fache Volumen entspricht einer Leistung von 4,5 GW, das ist die Leistung von 4,5 mittleren Atomkraftwerken. Die alte Leitung soll nach dem Neubau abgerissen werden. Das bedeutet man benötigt vorerst einmal die doppelte Breite als Schneise.

Die Erneuerbaren sind nicht wie Frau Haffke behauptet der Grund für den Bedarf dieses Ausbaus. Die Erneuerbaren werden auf der Niederspannungsebene bzw. der Mittelspannungsebene eingespeist. Dafür zuständig sind ganz andere Netzbetreiber. Die Erneuerbaren sind ausschließlich für eine dezentrale Versorgung geeignet. Dezentral, also Versorgung nahe am Verbraucher deshalb, weil diese kleinen Kraftwerke (Windräder, PV-Anlagen, Biogasanlage) gleichmäßig über die Region verteilt sind. Warum soll dieser Strom nun in die oberste Spannungsebene von 380kV? Wenn er schon unten beim Verbraucher, dem Haushaltsstrom(Niederspannungsebene) bzw. dem Industriestrom (Mittelspannungsebene) vorhanden ist. Nun hat dieser fluktuierende Strom also der unregelmäßig eingespeiste Strom das Problem, dass er keine gesicherte Leistung stellt. Er benötigt Regelenergie, das wäre als 2. Standbein z. B. ein Gaskraftwerk. Gaskraftwerke eignen sich im Gegensatz zu Kohlekraftwerken gut zum Regeln, da sie sich schnell rauf und runter fahren lassen. Da also der Strom aus Wind- und PV-Anlagen auf einem Bein nicht die Versorgung sichern kann, hätte vom Gesetz her von Anfang an nur ein Kombipaket also ein grundlastdeckender Strom gefördert werden dürfen. Am besten zum Regeln geeignet sind natürlich Speicher bzw. virtuelle Kraftwerke mit dieser Entwicklung schreitet man immer weiter voran, so dass die Kosten für diese Techniken im Sinkflug sind. Wird also eine dieser Regelenergien dazu gebaut, dann ist die Region in der Lage sich mit dem dort erzeugten Strom zu versorgen. Aus diesen Zusammenhängen geht eindeutig hervor, dass die Erneuerbaren ein anderes System als die bisherige Versorgung fordern und zwar eine Versorgung von unten nach oben.

Die jetzige Versorgung ist eine zentrale Versorgung, da gibt es Großkraftwerke, wie Atomkraftwerke, Kohlekraftwerke, Großwasserkraftwerke, die alle eine Leistung über 1Gigawatt besitzen.
Dieser massige Strom geht zentral von einem Kraftwerk aus und wird in die oberste Spannungsebene von 380kV eingespeist. Von dort wird der Strom dann runter transformiert zu den einzelnen Verbrauchern. Also umgekehrt als bei den Erneuerbaren.
Tennet will nun die Erneuerbaren im alten System wie ein Puzzel unterbringen, das scheitert jedoch an allen Ecken und Enden, das Ergebnis wird sein, immer mehr zusätzliche Leitungen, große Verluste und hohe Netzbenutzungsgebühren für den deutschen Stromkunden. Außer großen Problemen bringt diese Planung nichts. Denn mit Zwang ist nichts Dauerhaftes zu erreichen.

Ein Blick in die Zukunft: Die weitsichtige Planung der Netzbetreiber kann eventuell so aussehen, dass wenn erst einmal dieser Netzausbau stattgefunden hat, dann für Tschechien der Transportweg existiert, dass die beiden geplanten Reaktoren in Temelin in die Tat umgesetzt werden können, deren Strom dann wiederum Deutschland mit versorgen wird. Ohne diesen Ausbau Ostbayernring ist der Ausbau Temelin nicht möglich. Was die Energieplanung in Deutschland dann betrifft, so wird man in den Kreisen der Übertragungsnetzbetreibern sagen: Die Erneuerbaren haben ihre Dienste geleistet und als Deckmäntelchen für den gigantischen Netzausbau gedient. Das Ziel der europäischen Kommission den europäischen Binnenmarkt zu stärken wurde erreicht, das europäische Ziel CO2 Reduzierung wurde mit den neu gebauten Kernkraftwerken (diese sind fast CO2 frei) erreicht, das Ziel einer 9%igen Rendite an die Investoren der Leitung wurde erreicht. Das Ziel, dass alles wieder nach dem altem System, der zentralen Versorgung funktioniert, wurde erreicht. Die Erneuerbaren, die keine gesicherte Last stellen werden so nach und nach als Störenfriede im System ausgebremst werden und damit verschwinden, denn die Versorgung Deutschlands ist durch Versorgung aus dem Ausland (z.B.Tschechien gewährleistet). Die deutschen Bürger werden sagen: Das Ziel der Energiewende wurde nicht erreicht, die dezentrale Versorgung wurde nicht erreicht, das Ziel ein Vorbild für den Ausstieg aus der Kernenergie zu sein, wurde nicht erreicht. Frustriert wird sich dann der deutsche Bürger von der Sache abwenden.

Dass so der Traum der Energiewende endet, wollen wir jedoch verhindern, wir bauen keine Leitungen die den Atomstrom durch die Hintertür aus geplanten Kernkraftwerken im Ausland wieder ins Land holt.
Da sich die Erneuerbaren nicht unserem Verbrauch anpassen, werden wir uns den Erneuerbaren anpassen.

Noch sind die Netze nicht gebaut, wir lassen uns nicht für dumm verkaufen, wir wollen alle Zahlen auf den Tisch und wollen, dass neu geplant wird.
Nicht zu vergessen ist, dass eine 380kV Leitung, eine 220kVLeitung und mehrere 110kVLeitungen im Gebiet Oberfranken und Oberpfalz als Übertragungsnetz existieren, das ist mehr als genug.
Da Einspeisung und Entnahme sich die Waage halten müssen, ist durch die Regelung des fluktuierenden Stroms dafür zu sorgen, dass der Strom grundlastfähig wird, das bedeutet dann Kohlekraftwerke die heute die Grundlast decken sind abzuschalten, damit keine Überschüsse in den Leitungen fließen.
Bei Stromerzeugung über den Bedarf ist dieser zu speichern bzw. bei KWK zu verwenden.
Keine Überschüsse bedeutet keine Überbelastung der Netze.
Keine Überschüsse höchstens ein kleines Plus oder Minus, das war bis 2005 im deutschen Stromnetz so der Fall.
Der deutsche Stromkunde hat kein Verständnis wenn sein teuer subventionierter Strom als Überschuss billigst im Ausland landet, damit dort die Preise sinken und für ihn dann steigen.

4 Gedanken zu „Ausbau Ostbayernring Wegbereiter für Reaktorbau in Temelin – Blick in die Zukunft“

  1. Sehr geehrte(r) Herr/Frau Feststellung,
    vielen Dank für Ihre zutreffende Analyse, mit der ich – und ich denke auch das Aktionsbündnis – nahezu 98% konform gehe(n). Die restlichen, fehlenden 2% sind darin begründet, dass der Ostbayernring seit 01.07.15 mehr (!) als im Gespräch für die alternative Route der HGÜ-Süd-Ost-Passage ist, das fehlt ein wenig in Ihrem Artikel. Denn das würde bedeuten: trotz S. Gabriels Aussage „… ohne, dass mordsmäßig aufgeständert wird!“ [Zitat: Pressekonferenz 02.07.15], dass sich jetzt die Bevölkerung in Ostbayern mit unseren, von unabhängigen Wissenschaftlern (Kemfert et al) bestätigten Argumenten auseinandersetzen muss: Unklare Gesundheitsrisiken, Vernichtung von Altersvorsorge, einziger Nutzen für den europäischen Stromhandel, usw. … alles hier auf der Stromautobahn nachzulesen. Aber Sie sind nicht alleine (!), wir unterstützen Sie gerne. Wie Sie oben vollkommen richtig schreiben ist eine nachhaltige Energiewende nur dezentral zu meistern und wir -ursprünglichen- Gegner der Süd-Ost-Trasse haben bereits seit Anfang 2014 nicht vor, diese einfach zum Nachbarn hin zu verschieben. Nein, wir wollen sie ganz verhindern. Wir sind keine Nimbys … seien Sie es bitte im Sinne des großen Ganzen auch nicht.

    1. Lieber Thomas,
      da kann ich dich beruhigen, Herr/Frau Feststellung ist ein Mitglied einer BI gegen die HGÜ Süd Ost der ersten Stunde, das sich aber auch immer etwas um den Ostbayernring gekümmert hat. Kein NIMBY also und mit persönlich bekannt.

      1. Danke Maria für Deine Verteidigung.
        Eigentlich denke ich, dass ich solidarisch mit kämpfe an allen Fronten ohne Eigennutz.
        Für mich gehört der ganze Netzausbau zusammen, denn eins geht in das andere über, da sind 70m hohe Masten bei Wechselstrom geplant und 70 Meter hohe Masten bei Gleichstrom. Mit dem Bericht wollte ich durchblicken lassen, dass doch alles mit dem Ausstieg aus der Kernenergie begann, das sollten wir nicht vergessen und jetzt baut Deutschland Monstertrassen mit denen der Atomstrom wieder ins Land geholt wird. Das ist doch wirklich wie bei den Schildbürgern.
        Wenn das zustande kommt, wer ist dann noch glaubwürdig.
        Jetzt auf der Klimakonferenz in Paris heißt es: Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas von europaweitem Atomausstieg habe ich nichts gehört.
        Die Bundeskanzlerin sagte bis 2020 will sie 40% CO2 in Deutschland reduzieren, gegenüber was hat sie vergessen zu sagen, meinte sie 2015 oder 1990, bei letzterem liegt ja die Zeit dazwischen, wo sie Kohlekraftwerke persönlich noch feierlich einweihte, wo Deutschland die CO2 Werte unbekümmert steigen ließ, obwohl es doch auch das Kyoto Protokoll unterzeichnet hat.
        Es scheint alles nur noch ein riesiges Schauspiel zu sein, wo man auf der großen Bühne gesehen werden möchte. Was dann aus dem Gesagten wird, wem interessiert das schon.

  2. Der europaweite Atomausstieg ist auch nicht geplant, denn den propagiert die EU in ihrem eindeutigen Positionspapier, abrufbar auf der Seite der BI Leinburg unter http://www.stromtrasse1601.de/index.php/Thread/398-Rahmenstrategie-für-eine-europäische-Energieunion-mit-einer-rückwärtsgewandten-K/. Dort gibt es ausführliche Texte, ein Beitrag war auch schon einmal hier auf der Stromautobahn. Die EU will von der Atomtechnologie nicht lassen, da kann Deutschland zehnmal aussteigen. Und die Grünen auf Landes- und Bundesebene glauben, dass sie es mit Gleichstromleitungen schaffen, den Wiedereinstieg zu verhindern. Die sind den Großkonzernen schön auf den Leim gegangen.

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