Der Count­down läuft…

countdown-pixabay.comIn weni­gen Tagen ist es soweit, das Who is Who der deut­schen und zum Teil auch inter­na­tio­na­len Ener­gie­wirt­schaft gibt sich wie­der ein Stell­dich­ein in Ber­lin. Auf Ein­la­dung des Han­dels­blat­tes trifft man sich heu­er bereits zum 15. Mal vom 20. – 22.Januar zur Han­dels­blatt Jah­res­ta­gung „Ener­gie­wirt­schaft“.

Das erklärt das von Indus­trie und Poli­tik seit weni­gen Tagen ver­an­stal­te­te Säbel­ras­seln in Sachen Ener­gie­wen­de. Hier ein kur­zer Rück­blick.

Pünkt­lich zu Neu­jahr tritt der Chef des ein­fluss­rei­chen Bun­des­ver­ban­des der deut­schen Indus­trie (BDI) Ulrich Gril­lo auf den Plan und greift Minis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer, ja ganz Bay­ern an. Dort wol­le man die Ener­gie­wen­de ver­hin­dern, da die lei­di­gen Strom­tras­sen in den Süden immer noch dis­ku­tiert wer­den.

Weni­ge Tage spä­ter geht auch Wirt­schafts- und Ener­gie­mi­nis­ter Sig­mar Gabri­el See­ho­fer an und ver­langt eine Ent­schei­dung pro Tras­sen im Janu­ar, obwohl der ergeb­nis­of­fe­ne Ener­gie­dia­log am 02.02.2015 endet. Gabri­els Wort­mel­dung darf aber nicht wei­ter ver­wun­dern, ist doch auch der Vize­kanz­ler zur Tagung ein­ge­la­den und will sich wohl gleich rich­tig in den erlauch­ten Kreis ein­füh­ren. Immer­hin darf er den Ein­füh­rungs­vor­tag hal­ten.

Hier wei­te­re Refe­ren­ten, mit einer kur­zen Dar­stel­lung ihrer gegen­wär­ti­gen Posi­ti­on. Jeder  Leser kann sich dann selbst eine Mei­nung bil­den.

Dr. Johan­nes Teys­sen, Vor­sit­zen­der des Vor­stan­des E.ON SE. refe­riert zu „Chan­cen und Mar­gen im künf­ti­gen Ener­gie­ge­schäft“ mit dem Unter­punkt    „Rol­le inter­na­tio­na­ler Märk­te für deut­sche Unter­neh­men“

Dr. Rolf Mar­tin Schmitz, stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Vor­stan­des, RWE AG und Prä­si­di­ums­mit­glied  BDEW e. V. erläu­tert  „Die Zukunft des Indus­trie­stand­or­tes Deutsch­land“

Prof. Dr. Marc Oli­ver Bett­zü­ge ist Direk­tor des Ener­gie­wirt­schaft­li­chen Insti­tuts (EWI) und tritt als Mode­ra­tor auf.

Das erklär­te Mot­to sei­nes Insti­tu­tes lau­tet „Ener­gie­märk­te erfor­schen — Ent­schei­dun­gen ver­bes­sern“. Im Vor­stand sit­zen neben Die­ter Stein­kamp, Prä­si­dent der Rhein­Ener­gie auch Dr. Gui­do Knott, Vize­prä­si­dent der E.ON und Ewald Wos­te, Vize­prä­si­dent des  Bun­des­ver­bands Deut­scher Ener­gie­wirt­schaft (BDEW). Geför­dert wird das Insti­tut unter ande­rem durch E.ON und RWE. Den Grund für die­se För­de­rung gibt ein Aus­zug aus dem För­der­ver­trag wider:

Ener­gie­öko­no­mi­sche For­schung leis­tet einen wich­ti­gen Bei­trag … zu der Ent­wick­lung der glo­ba­len, euro­päi­schen und natio­na­len Ener­gie­märk­te sowie zur Wir­kungs­wei­se und geeig­ne­ten Aus­ge­stal­tung alter­na­ti­ver Ord­nungs­me­cha­nis­men. Um in die­sem Pro­zess die Öffent­lich­keit und die Ent­schei­dungs­trä­ger umfas­send bera­ten zu kön­nen, muss die Wirt­schafts­wis­sen­schaft erheb­li­che, lau­fend wei­ter zu ent­wi­ckeln­de For­schungs­an­stren­gun­gen unter­neh­men.

Mit „For­schungs­an­stren­gun­gen der Wirt­schafts­wis­sen­schaft“ ist klar eine For­schung nach Hand­lungs- und Stra­te­gie­emp­feh­lun­gen gemeint, mit der Öffent­lich­keit und Poli­tik „bera­ten“ wer­den sol­len.

Das wur­de bereits im ers­ten Halb­jahr 2014, vor der Reform des EEG, prak­ti­ziert. Es gab min­des­tens  60 Tref­fen zwi­schen Ener­gie­lob­by­is­ten und der Bun­des­re­gie­rung, den weit­aus größ­ten Teil trug die Koh­le­spar­te bei, voR­WEg ging RWE-Chef Teri­um, der allei­ne 6 der 11 Kon­zern­ter­mi­ne mit Kanz­le­rin Mer­kel und Vize­kanz­ler Gabri­el wahr­nahm. Aber auch der E.On Vor­stand besuch­te die Kanz­le­rin mehr als ein­mal.

Lob­by­pedia hat auch Infor­ma­tio­nen zu Prof. Bett­zü­ge:

Prof. Bett­zü­ge war als Direk­tor maß­geb­lich an der Erstel­lung der Stu­die “Ener­gie­s­ze­na­ri­en für ein Ener­gie­kon­zept der Bun­des­re­gie­rung” betei­ligt, die der Bun­des­re­gie­rung bei der Erstel­lung Ihres Ener­gie­kon­zep­tes 2010 als Basis dien­te. Die Stu­die geriet in die Kri­tik der Medi­en, da sowohl das EWI, als auch die Pro­fes­sur von Herr Bett­zü­ge mas­siv von der Ener­gie­wirt­schaft geför­dert wur­de. Bemer­kens­wert am auf der Stu­die basie­ren­den Ener­gie­kon­zept der Bun­des­re­gie­rung war die Lauf­zeit­ver­län­ge­rung der deut­schen Atom­kraft­wer­ke.

2 Gedanken zu „Der Count­down läuft…“

  1. Ja, die­se Ver­flech­tun­gen sind erschre­ckend. Vie­len Dank an Maria für die­se aus­führ­li­che Doku­men­ta­ti­on, die aber ja nur die Ver­bin­dung “Ener­gie­wirt­schaft — Wis­sen­schafts­gut­ach­ten — Poli­tik” her­vor hebt.

    Die eigent­li­chen Draht­zie­her, die den ent­schei­den­den Ren­di­te­druck auf die­ses Sys­tem aus­üben, sind in den Rei­hen des Groß­ka­pi­tals zu suchen: Ban­ken, Ver­si­che­run­gen, Invest­ment­ge­sell­schaf­ten und sons­ti­ge Kapi­tal­sam­mel­stel­len. lhnen geht es allein um das Errei­chen der Ziel­ren­di­te.

    Bei­spiel “Ampri­on”:
    25,1% der Anteil hält RWE, die übri­gen 74,9% sind in Hän­den von:
    — Münch­ner Rück (einer der größ­ten Rück­ver­si­che­rer welt­weit),
    — ERGO-Ver­si­che­rung,
    — Swiss Life (größ­ter euro­päi­scher Vesi­che­rungs­kon­zern)
    — tal­anz Ver­si­che­run­gen und Finan­zen (dritt­größ­ter dt. Ver­si­che­rungs­kon­zern),
    HDI Ger­ling Ver­si­che­run­gen
    — Ärz­te-Ver­sor­gung West­fa­len-Lip­pe (eines des größ­ten Ärz­te­ver­sor­gungs­wer­ke Deutsch­lands).

    Für alle die­se rein ren­di­te­ori­en­tier­ten Unter­neh­men garan­tiert etwa die Süd-Ost-Tras­se eine “lang­fris­tig abge­si­cher­te Ren­di­te aus regu­lier­tem Geschäft” (Zitat aus einer Prä­sen­ta­ti­on von Ampri­on).

    Die­se Pha­lanx, der wir da gegen­über ste­hen, ist gewal­tig.

    Doch wir sind eben­falls gut ver­netzt und — das ist das Ent­schei­den­de — wir sind wild ent­schlos­sen und vol­ler Lei­den­schaft, die­sen Irr­sinn der Mons­ter­tras­se zu ver­hin­dern. Die letz­ten Mona­te haben gezeigt, dass wir sehr wohl an den Grund­fes­ten die­ser Kapi­tal-/Ener­gie-Pha­lanx rüt­teln kön­nen. Und wir sind noch lan­ge nicht am Ende. 🙂

    Es bleibt wei­ter span­nend.

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