Fazit Ener­gie­gip­fel: Effek­ti­ver Kli­ma­schutz ist nicht in Sicht

Der Strom­netz-Aus­bau ist ein The­ma, das wei­ter­hin in der Öffent­lich­keit eine gro­ße Auf­merk­sam­keit erfährt. Auch beim baye­ri­schen Ener­gie­gip­fel stand die Pro­blem­stel­lung zu Recht im Mit­tel­punkt, denn der Netz­aus­bau ist und bleibt die „Gret­chen­fra­ge“ der Ener­gie­wen­de. Das Akti­ons­bünd­nis gegen die Süd-Ost-Tras­se (ABSOT) stellt fest: Mit einem mas­si­ven Netz­aus­bau und unkon­trol­lier­ba­rem euro­päi­schen Strom­han­del ist effek­ti­ver Kli­ma­schutz unmög­lich.
Strom­han­del scha­det dem Kli­ma­schutz

Es geht beim Für und Wider des Aus­baus der gro­ßen Nord-Süd-Tras­sen nicht um die Ver­sor­gung Bay­erns mit Strom. Dafür gibt es tech­nisch und wirt­schaft­lich güns­ti­ge­re Alter­na­ti­ven, die vor allem schnel­ler umge­setzt wer­den kön­nen. Dass die gro­ßen Über­tra­gung­s­tras­sen vor 2030 in Betrieb gehen, muss bezwei­felt wer­den. Ob die Ener­gie­wen­de vor Ort in Bay­ern vor­an­kommt, hat offen­sicht­lich kei­ner­lei Ein­fluss auf die Ent­schei­dun­gen beim Netz­aus­bau. Aus­schlag­ge­bend ist: Als euro­päi­sche Pro­jek­te sind die HGÜ-Tras­sen für den grenz­über­schrei­ten­den, pro­fit­ori­en­tier­ten Strom­han­del kon­zi­piert. Auf die hohen Ren­di­ten für den Neu­bau von Strom­tras­sen wol­len die pro­fi­tie­ren­den Kon­zer­ne nicht ver­zich­ten. Der baye­ri­sche Ener­gie­gip­fel hat gezeigt, dass in die­sem Gre­mi­um nicht die not­wen­di­gen Wei­chen­stel­lun­gen für eine ver­stärkt dezen­tra­le Ener­gie­wen­de anstel­le eines über­di­men­sio­nier­ten euro­päi­schen Netz­aus­baus gesetzt wer­den kön­nen.

Es ist absurd, wie noch immer von Sei­ten der Pla­ner ver­sucht wird, die Men­schen an den geplan­ten Tras­sen mit­hil­fe teu­rer Akzep­tanz­maß­nah­men wie einer teil­wei­sen Erd­ver­ka­be­lung dazu zu über­re­den, dass für sie der Gesund­heits­schutz ver­rin­gert und die Natur nach­hal­tig beschä­digt wird. Ein effek­ti­ver Kli­ma­schutz ist mit der geplan­ten Ver­stär­kung des euro­päi­schen Han­dels von ato­mar-fos­si­lem Strom unmög­lich. Wir wer­den des­halb den Wider­stand gegen die Netz­aus­bau­maß­nah­men in Bay­ern wei­ter ver­stärk­ten“, bekräf­tigt ABSOT-Spre­che­rin Dör­te Hamann.

Mit Sor­ge muss das Akti­ons­bünd­nis fest­stel­len, dass früh­zei­ti­ge Kla­ge­rech­te und eine recht­lich bin­den­de Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung beim Netz­aus­bau der­zeit nicht bestehen. Dies ver­letzt Umwelt-Völ­ker­recht und Umwelt-EU-Recht. Offen­sicht­lich wird von der CDU sogar geplant, die aktu­ell unzu­rei­chen­den Mit­spra­che­rech­te wei­ter ein­zu­schrän­ken. Für die Akzep­tanz ist dies Gift.

Dem Akti­ons­bünd­nis gegen die Süd-Ost-Tras­se (ABSOT) ist es gelun­gen, den Pro­test seit Beginn des Ener­gie­gip­fels im Dezem­ber 2018 zu ver­stär­ken. Es besteht eine enge Ver­net­zung der Bür­ger­initia­ti­ven an den HGÜ-Tras­sen Süd­ost­link und Süd­link. Dass die Strom­tras­se P44/P44mod von Sei­ten der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung grund­sätz­lich abge­lehnt wird, sehen wir als posi­ti­ven Ansatz. Der orga­ni­sier­te Wider­stand gegen die­se Wech­sel­strom­lei­tung wird jedoch unver­min­dert auf­recht­erhal­ten, da weder Ten­net noch die Bun­des­netz­agen­tur auf das Pro­jekt ver­zich­ten wol­len.

Beson­ders bemer­kens­wert ist der mas­si­ve Zuwachs und sicht­ba­re Wider­stand von Bür­ger­initia­ti­ven ent­lang der Juraleitung/P53. „Dies ist eine Mah­nung an die Ver­ant­wort­li­chen, dass beim The­ma Netz­aus­bau längst nicht das letz­te Wort gespro­chen wor­den ist“, warnt Hamann.

Task­force Ener­gie­wen­de“ statt „Task­force Netz­aus­bau“

Hubert Galo­zy zieht als Teil­neh­mer der Arbeits­grup­pe 4 beim Ener­gie­gip­fel ein ernüch­tern­des Fazit: „Die Teil­nah­me an den Arbeits­grup­pen im Rah­men des baye­ri­schen Ener­gie­gip­fels hat lei­der offen­ge­legt, dass mit der Umset­zung der Ener­gie­wen­de in Bay­ern wei­test­ge­hend wie­der bei null ange­fan­gen wur­de. Dazu hat die Ableh­nung des Refe­ren­ten, der das Akti­ons­bünd­nis gegen die Süd-Ost-Tras­se ver­tre­ten soll­te, gezeigt, dass fach­li­che Infor­ma­tio­nen hin­ter offen­sicht­lich par­teiideo­lo­gi­schen Bewer­tun­gen zurück­ste­hen muss­ten.“

Ein ergeb­nis­of­fe­nes Vor­ge­hen konn­te in der „Arbeits­grup­pe 4 – Strom­netz­ar­chi­tek­tur, Ver­sor­gungs­si­cher­heit, Digi­ta­li­sie­rung“ nicht erwar­tet wer­den, da sie von Dr. Mar­tin Els­ber­ger gelei­tet wur­de: Els­ber­ger steht gleich­zei­tig an der Spit­ze der soge­nann­ten „Task­force Netz­aus­bau Bay­ern“, die die Pilot­pro­jek­te Süd­ost­link und Süd­link als „unver­zicht­bar“ bezeich­net. Damit lag der Fokus von Beginn an ein­sei­tig auf dem mas­si­ven Aus­bau des Über­tra­gungs­net­zes. Galo­zy for­dert: „Die ‚Task­force Netz­aus­bau‘ muss abge­löst wer­den durch eine ‚Task­force Ener­gie­wen­de‘. Bay­ern muss sich akti­ver an der Ener­gie­wen­de betei­li­gen. Dazu gehört die Abschaf­fung der 10H-Abstands­re­ge­lung für Wind­kraft­an­la­gen.“

Der Ener­gie­gip­fel konn­te nicht bele­gen, dass es selbst bei einer Ver­dop­pe­lung der Wind­ener­gie im Nor­den bis 2030 Wind­strom­über­schuss geben wird, mit dem der Strom­be­darf in Nord­deutsch­land und in Bay­ern gedeckt wer­den könn­te. Der not­wen­di­ge Koh­le­aus­stieg macht des­halb eine Aus­bau­of­fen­si­ve für die Erneu­er­ba­ren und für Spei­cher in Bay­ern alter­na­tiv­los. Dass Minis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder nach der Ver­ab­schie­dung des unzu­rei­chen­den Kli­ma­pa­ke­tes der Bun­des­re­gie­rung die Auf­recht­erhal­tung der rück­stän­di­gen 10H-Rege­lung posi­tiv bewer­tet hat, ist eine kla­re Posi­tio­nie­rung gegen die Ener­gie­wen­de. Die Ver­hin­de­rung des Wind­kraft­aus­baus ist kei­ne baye­ri­sche Errun­gen­schaft, die man fei­ern soll­te.

Eine beein­dru­cken­de Mas­se an Men­schen ist bereit, ihren per­sön­li­chen Teil für den Kli­ma­schutz zu leis­ten. Jetzt wäre es an der Poli­tik, den nach­fol­gen­den Genera­tio­nen nicht „die Zukunft zu klau­en“ und auf Erneu­er­ba­re und deren Spei­che­rung zu set­zen. Mit gro­ßer Sor­ge sehen wir aber, dass laut Kli­ma­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung eine ver­stärk­te Nut­zung von kli­ma­schäd­li­chem Erd­gas geplant ist. Ein effek­ti­ver Kli­ma­schutz ist des­halb weder auf Län­der- noch auf Bun­des­ebe­ne in Sicht.

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