Stein­wald – Akti­ons­tag der Tras­sen­geg­ner

Die Bür­ger­initia­ti­ve Stein­wald rief zum Pro­test auf und Vie­le kamen – trotz des schlech­ten Wet­ters. Nach­dem es eini­ge Stun­den tro­cken geblie­ben war konn­te man von rund tau­send Besu­chern ins­ge­samt aus­ge­hen.

Der Info-Stand war zeit­wei­se dicht umla­gert, denn Stein­wald­förs­ter Wolf­gang Schö­del hat­te den Tras­sen­ver­lauf auf das Luft­bild der Land­schaft zwi­schen Wal­ders­hof und Pullenreuth/ Stein­wald pro­ji­ziert. So konn­ten die Bür­ger „in Echt“ sehen, wo genau die Tras­se ver­lau­fen wird, sofern sie tat­säch­lich kommt. Die wei­ter­ge­hen­den Infor­ma­tio­nen zum Netz­aus­bau, zur Infor­ma­ti­ons­po­li­tik und zu den Hin­ter­grün­den wur­den bereit­wil­lig auf­ge­nom­men und es ent­stan­den leb­haf­te Dis­kus­sio­nen. Beson­ders die Tat­sa­che, dass die Pla­nun­gen erst so spät in die Öffent­lich­keit gelang­ten und die begrün­de­ten Hin­wei­se, dass es sich hier­bei um eine Strom­han­del­stras­se für Braun­koh­le- und mög­li­cher­wei­se sogar Atom­strom han­delt, erreg­ten gro­ßen Unwil­len. Es kam zu Aus­sa­gen wie „Die pla­nen über unse­re Köp­fe hin­weg, eine Unver­schämt­heit“ oder „Wir sind doch kei­ne Ver­suchs­ka­nin­chen“ bis hin zu „Das dür­fen wir uns nicht gefal­len las­sen, was fällt den Poli­ti­kern ein, sol­che Geset­ze zu machen“ und „Aus den siche­ren deut­schen Atom­kraft­wer­ken aus­stei­gen und dann unsi­che­ren Atom­strom von Teme­lin bezie­hen – eine Lüge nach der ande­ren von denen da oben“.

Ins­ge­samt konn­te die BI rund 150 neue Mit­glie­der gewin­nen und zahl­rei­che Besu­cher tru­gen sich in die neu aus­ge­leg­ten Unter­schrifts­lis­ten ein. Die Ver­an­stal­tung war ein vol­ler Erfolg, denn die Akti­ven konn­ten auf­rüt­teln, infor­mie­ren und moti­vie­ren, Wider­stand zu leis­ten. Ins­ge­samt kam man der Mar­ke von 1500 Mit­glie­dern ins­ge­samt immer näher, es feh­len nur noch rund 100.

  • Poli­ti­sche Bot­schaf­ten 

Auch MdB Albert Rupprecht und MdL Tobi­as Reiß schau­ten vor­bei und rich­te­ten eini­ge Wor­te an die Besu­cher.

MdB Rupprecht: “Nach dem der­zei­ti­gen Stand des Wider­stands bin ich davon über­zeugt, dass die Tras­se nicht kom­men wird. Es fehlt eine ver­nünf­ti­ge Begrün­dung für die­se Tras­se. Leis­ten Sie wei­ter Wider­stand, dann kön­nen wir es auch.”

MdL Reiß: “Es gilt das Wort des Minis­ter­prä­si­den­ten Horst See­ho­fer, zuletzt in Wei­den an die Spre­cher der Bür­ger­initia­ti­ven gege­ben: Mit mir als Minis­ter­prä­si­den­ten wird es die­se Tras­se nicht geben”

Bür­ger­meis­te­rin Frie­de­ri­ke Son­ne­mann, von Anfang an Mit­glied der BI, hat­te zuvor die Besu­cher begrüßt und die ent­schei­den­de Bedeu­tung der BI im Wider­stand gegen die Mons­ter­tras­se unter­stri­chen. Sie erin­ner­te an Wackers­dorf und dar­an, was Wider­stand bewir­ken kann, wenn er einen lan­gen Atem hat und vie­le Unter­stüt­zer.
Wei­te­re Red­ner stell­ten sich klar gegen die Not­wen­dig­keit der Tras­se und wie­sen auf Fak­ten hin, die in den der­zei­ti­gen Plä­nen ent­hal­ten sind.

Bri­git­te Art­mann, die Grü­nen-Kreis­rä­tin und Grü­nen-Kreis­vor­sit­zen­de im Land­kreis Wun­sie­del, ist als erfah­re­ne Ener­gie­ex­per­tin in Euro­pa auf inter­na­tio­na­len Tagun­gen unter­wegs. In ihrer Hei­mat­stadt Markt­red­witz ist sie auch noch Stadt­rä­tin und ori­en­tier­te sich bei ihrer Argu­men­ta­ti­on gegen die Tras­se an den Sach­ver­hal­ten: so rech­nen die vier Netz­be­trei­ber im Sze­na­rio­rah­men 2025 (1) mit 2600 MW Strom aus „kon­stan­ten Quel­len“ in Tsche­chi­en. Da Prag im tsche­chi­schen Ener­gie­kon­zept davon aus­geht, dass die Braun­koh­le zur Nei­ge geht (2), muss es sich bei die­sen Men­gen um Atom­strom han­deln. Man rech­ne­te, wie die 2600 MW bewei­sen, mit dem Export von teu­rem Atom­strom nach Deutsch­land. Tat­säch­lich ist Strom aus erneu­er­ba­ren Quel­len aber bil­li­ger, daher ver­schob Prag den Teme­lin-Aus­bau die­se Woche auf das Jahr 2037. „Mit dem Schwenk der Süd-Ost HGÜ Tras­se nach Osten quer durchs Fich­tel­ge­bir­ge an die deutsch/tschechische Gren­ze kam man ohne Zwei­fel dem tsche­chi­schen Atom­strom ent­ge­gen.“, so Art­mann “Das kann man sich nun spa­ren”. Den Abge­ord­ne­ten in Lan­des- und Bun­des­par­la­ment nimmt sie dabei nicht ab, dass die­se von die­sen Plä­nen nichts gewusst haben, davon nimmt sie auch ihre Par­tei­kol­le­gen nicht aus.
(1) Sze­na­rio­rah­men 2025 – Tabel­le 22: Zuord­nung der Über­tra­gungs­ka­pa­zi­tä­ten zwi­schen Deutsch­land und jewei­li­gen Nach­bar­land http://www.netzausbau.de/DE/Bedarfsermittlung/Delta/SzenariorahmenDelta/SzenariorahmenDelta-node.html
(2) Tsche­chi­sches Ener­gie­kon­zept BMWI http://www.bmwi.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/sup,did=625680.html
Wei­te­re Hin­wei­se:
Baye­ri­sches Ener­gie­kon­zept ab Sei­te 65: www.bayern.de/Anlage10344945/BayerischesEnergiekonzeptEnergieinnovativ.pdf

Hart ins Gericht ging Karl Pau­lus, Spre­cher des Akti­ons­bünd­nis­ses Fich­tel­ge­bir­ge und Kreis­ge­schäfts­füh­rer des Bun­des Natur­schutz mit der Poli­tik und den Pla­nern der Tras­se. “Da soll ein zer­stö­re­ri­sches Groß­pro­jekt durch unse­re Hei­mat Fich­tel­ge­bir­ge und Stein­wald gebaut wer­den, und wir Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wer­den nicht offen und ehr­lich infor­miert”, sag­te Pau­lus. “Als betrof­fe­ner Bür­ger füh­le ich mich ohn­mäch­tig, belo­gen, ver­arscht. Das ist eine Infor­ma­ti­ons­po­li­tik wie in einem tota­li­tä­ren Staat.”

  • Infor­ma­tio­nen

BI- Spre­cher Mar­tin Witt­mann erläu­ter­te, wie ein for­mel­les Plan­ver­fah­ren zur Geneh­mi­gung von Strom­tras­sen abläuft und wann die Auf­nah­me eines Pro­jekts in den Bun­des­be­darfs­plan erfolgt. Der Wider­stand zei­ge aber schon ers­te Wir­kung. Weil aktu­ell über­all Pro­tes­te lie­fen, sto­cke die­ses Ver­fah­ren. “Wir befin­den uns aktu­ell in einem Schwe­be­zu­stand.” Witt­mann for­der­te die Bür­ger auf, sich nicht aus­zu­ru­hen, son­dern stets wach­sam zu sein. Er zitier­te abschlie­ßend den baye­ri­schen Minis­ter­prä­si­den­ten, der gesagt habe: “Macht wei­ter so, wir brau­chen Euch, der Pro­test ist wich­tig.”

Förs­ter Wolf­gang Schödl zeig­te den Besu­chern am Ham­mer­rang in gewohnt sach­kun­di­ger Manier den mög­li­chen Tras­sen­ver­lauf und sei­ne Aus­wir­kun­gen auf Mensch und Natur. Dabei mach­te er erneut dar­auf auf­merk­sam, dass die jet­zi­ge Vor­zug­stras­se nicht end­gül­tig ist. Kein Ort im 15 km brei­ten Grob­kor­ri­dor dür­fe sich sicher füh­len denn Ampri­on habe noch vie­le Varia­ti­ons­mög­lich­kei­ten.

Jörg Hacker vom Fich­tel­ge­birgs­ver­ein ging auf die Ener­gie­wen­de und die sie beglei­ten­den Markt­me­cha­nis­men ein. Die EEG-Umla­ge sei direkt auf der Strom­rech­nung zu sehen und wer­de oft als Kos­ten­fak­tor und Preis­trei­ber für die im Grun­de preis­wer­te Erzeu­gung der Erneu­er­ba­ren miss­deu­tet. Die Kos­ten für Strom aus kon­ven­tio­nel­len Quel­len dage­gen wer­den ver­steckt und über Steu­ern, Kran­ken­kas­sen­bei­trä­ge oder durch Umwäl­zung der öko­lo­gi­schen Lang­zeit­fol­gen auf nach­fol­gen­de Genera­tio­nen bezahlt. So sei u. a. der Preis der CO2-Zer­ti­fi­ka­te der­ma­ßen nied­rig, dass zum Teil uralte Braun­koh­le­kraft­wer­ke kon­kur­renz­los güns­tig sei­en. Moder­ne und weni­ger umwelt­schäd­li­che Gas­kraft­wer­ke ren­tier­ten sich des­halb nicht mehr.
Wenn die Netz­aus­bau­plä­ne in der bis­her vor­lie­gen­den Form rea­li­siert wer­den, zemen­tiert man die­se ver­al­te­ten Struk­tu­ren und For­schun­gen in Spei­cher­ka­pa­zi­tä­ten erfolgt nicht mehr, da sie nicht benö­tigt wer­den. Das wäre fatal für eine ech­te Ener­gie­wen­de.

Nach die­ser zum Teil recht erns­ten und schwe­ren Kost war ein Aus­gleich drin­gend nötig. Den schuf Hans Spör­rer, unser Hei­mat­dich­ter, mit dem Vor­trag sei­nes Tras­sen­ge­dich­tes.

  • Mit AC/DX und Vor­grup­pen gegen die Mons­ter­tras­se

2014-06-29_SteinwaldLaut­star­ker High-Vol­ta­ge Rock ´N´ Roll gegen Hoch­span­nungs-Strom­lei­tung soll­te bewir­ken, dass die Tras­se nie­mals in Stein­wald und Fich­tel­ge­bir­ge Fuß fas­sen kann.

Die Band „Liz­ard King“ begann mit dem Pro­gramm. Sän­ge­rin Bär­bel Bur­ger ent­führ­te mit ihrer groß­ar­ti­gen, souli­gen Stim­me die Zuhö­rer direkt zu den „Blues Bro­thers“ mit Songs wie „Give me some Loving“ oder „Hold On“. Es wur­den CCR, Cream, Melis­sa Ethe­r­idge, Bon Jovi und vie­le wei­te­re Kult­bands gekonnt geco­vert. Man konn­te ver­ste­hen, dass die­se Band die Biker zum jähr­li­chen Treff auf den Rothen­hof zieht.

Bite The Bea­gle“ brach­te alte Num­mern in erfri­schend neu­em Arran­ge­ment und Tem­po und locker­te die Zuhö­rer­schaft gekonnt auf. So ging einer der Musi­ker mit sei­nem Mini-Akkor­de­on im Publi­kum umher und beglei­te­te sei­ne Kol­le­gen auf der Büh­ne musi­ka­lisch. Ein ein­ma­li­ges und fan­ta­sie­vol­les Klang­er­leb­nis, denn die Musik kam plötz­lich von zwei Sei­ten.

Den Höhe­punkt bil­de­ten jedoch AC/DX. Die­se Band hat zu Recht Kult­sta­tus. Die aus­tra­li­sche Schul­uni­form von Gitar­rist Vol­ki und sei­ne elek­tri­sie­ren­den Riffs, die gewal­ti­ge Glo­cke, die schein­bar wie eine Dro­hung über den Köp­fen der Musi­ker hängt und der ful­mi­nan­te Auf­tritt von Sän­ger Mas­si­mo mit Vol­ki lie­ßen den Boden erzit­tern und ris­sen die Fans mit, die nach meh­re­ren Stun­den ohne Regen zahl­reich erschie­nen waren. Als dann Mas­si­mo auf den nächs­ten Auf­tritt im Aus­land hin­wies („Wir machen dem­nächst eine inter­na­tio­na­le Tour­nee,“) und dazu erläu­ter­te, die fin­de in Offenbach/Hessen statt („Ei, ich bin aus Hes­se“), ließ sei­ne Dia­lekt­fär­bung kei­nen Zwei­fel an sei­ner Her­kunft zu. Das Publi­kum war begeis­tert.

Sie rock­ten was das Zeug hielt und die bedroh­li­chen Glo­cken­tö­ne klan­gen, als läu­te­ten sie das Ende der Strom­tras­sen­plä­ne ein. Es soll­te also ver­wun­dern, wenn die Tras­se nach die­sem Auf­tritt jemals Fuß fas­sen kann im Stein­wald.

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