PCI – unsere wahren Gegner sitzen in der EU-Kommission

„PCI“ – diese drei Buchstaben scheinen beim Bundeswirtschaftsministerium die gleiche Wirkung zu haben, wie die drei Buchstaben „FBI“, wenn sie von dunkel gekleideten Herren mit Sonnenbrillen beim unangemeldeten Eindringen in eine amerikanische Studenten-WG gerufen werden: panisches Entsetzen, sofortige Bewegungsunfähigkeit, ehrfurchtsvolle Untertänigkeit und das Bestreben, nicht den Unmut des Gegenüber zu wecken, da man ohnehin den Kürzeren ziehen würde. Selbst der leiseste Gedanke an Widerstand verkriecht sich angstvoll in die hintersten Gehirnwindungen.

PCI – das bedeutet: Project of Common Interest, mit anderen Worten: Vorhaben von gemeinsamen (europäischen) Interesse.

Dabei sollte zumindest den Deutschen klar sein, dass „Vorhaben von europäischem Interesse“ in vielen Fällen nicht gleichzeitig auch Vorhaben sind, die in deutschem Interessen liegen.

Um ein Beispiel zu nennen: Deutschland beschließt die Energiewende und steigt aus der Atomkraft aus – die EU setzt unbeirrt und unbelehrbar weiterhin auf diese gefährliche Energieform und subventioniert den Bau neuer AKWs – und schaufelt Atomstrom auch weiterhin nach Deutschland. (Auf andere, ausreichend vorhandene konträre Ziele will ich an diese Stelle gar nicht eingehen.)

Die Strom-Monstertrassen sind derartige PCIs. Und natürlich auch die Süd-Ost-Trasse und der Süd-Link. Hier eine Karte der 10 Strom-PCIs in Deutschland:

http://www.bundesnetzagentur.de/cln_1421/DE/Allgemeines/DieBundesnetzagentur/Internationales/Energie/PCI/StromPCI/StromPCI-node.html

Die EU drängt Deutschland regelmäßig, seinen zugesagten PCI-Netzausbau voran zu bringen. Und hält in aller Deutlichkeit Deutschland den Spiegel vor, dass „viele PCI-Ausbauprojekte signifikant verzögert“ sind: (Zitat)

„To solve these issues, the Federal Government’s coalition parties reached an agreement with regard to further measures to enhance the necessary grid expansion. More than 50 grid expansion projects are currently to be implemented. Many of these projects are significantly delayed due to local and regional resistance. Some progress has been made, e.g. as regards the South-West interconnector between SaxonyAnhalt, Thuringia and Bavaria. However, more needs to be done, in particular as regards internal connections if the share of renewable electricity increases as planned.“

Quelle: State of the European Energy Union – Fact Sheet Germany, vom 18.11.2015, S. 3 unten/ S. 4:
http://ec.europa.eu/priorities/energy-union/state-energy-union/docs/germany-national-factsheet_en.pdf

Für wen oder was werden diese PCIs überhaupt benötigt?

Antwort: Allein für den europaweiten Strom-Megahandel! Und für den Mega-Profit der Mega-(Atom-)Kraftwerke. Und nebenbei auch der Mega-Windparks an der Ostsee. Auch die Strom-Broker, die Strom von Norwegen nach Italien verschieben oder von Spanien nach Österreich, verdienen kräftig mit.

Zu beachten ist: Der Stromtransport kostet die Händler nichts. Kostenmäßig macht es weder für den Kraftwerkbetreiber, noch für den Broker, noch für den Stromgroßhändler einen Unterschied, ob der Strom über 2000 km quer durch Europa verschickt oder von regionalen Stadtwerken an Kunden im gleichen Landkreis geliefert wird. Stromtransport und damit die Nutzung der Monstertrassen wird den Großhändler nicht in Rechnung gestellt.

Aber die Händler sind es, die die Mega-Trassen vehement fordern und die die Mega-Trassen für ihre Geschäftsmodelle essentiell benötigt. Dennoch zahlen sie keinen Cent dafür.
Allein der (kleine!) Endkunde trägt die Zeche.

Das muss den Bürgern endlich bewusst gemacht werden!

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