Ers­ter Bran­chen­tag Erneu­er­ba­re Ener­gi­en Bay­ern am 15.06.2018 im Kul­tur- und Kon­gress­zen­trum Tauf­kir­chen bei Mün­chen

Bay­ern und die Ener­gie­wen­de – kann Bay­ern zu 100% durch Erneu­er­ba­re ver­sorgt wer­den?

Der ers­te Bran­chen­tag hat­te das Ziel, die­se Fra­ge zu klä­ren und gleich­zei­tig den Weg dahin auf­zu­zei­gen. Auch woll­te man sich bes­ser ver­net­zen. Ver­tre­ten waren neben den Machern aus den Regio­nen die Macher aus den Fach­ver­bän­den und Wis­sen­schaft­ler. Sie hiel­ten Vor­trä­ge, stell­ten ihre Pro­jek­te vor und gaben mit kom­pri­mier­ten State­ments einen Über­blick über die jewei­li­gen Posi­tio­nen und den Stand der Din­ge. Ganz zum Schluss durf­ten auch Ver­tre­ter der Frak­tio­nen im Land­tag das Wort ergrei­fen. Nur die CSU ent­sand­te kei­nen Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten, son­dern einen Kreis­rat.

Auch Geg­ner des über­di­men­sio­nier­ten Strom­netz­aus­baus nah­men teil: Petra Fil­beck und Wolf­gang Weg­mann von der Büfa Regens­burg sowie Mar­tin Steg­mair und Maria Estl vom Akti­ons­bünd­nis gegen die Süd Ost Tras­se.

Die Bran­chen­ver­tre­ter waren sich einig, Bay­ern 100% erneu­er­bar ist als Mix aller zur Ver­fü­gung ste­hen­den Tech­no­lo­gi­en der Erneu­er­ba­ren mög­lich – Netz­sta­bi­li­tät, Erzeu­gungs­men­ge und Ver­sor­gungs­si­cher­heit inklu­si­ve. Aller­dings setzt die Poli­tik die fal­schen Rah­men­be­din­gun­gen und bremst damit aus. Sie steht nicht voll hin­ter dem Pro­jekt Ener­gie­wen­de.

High­lights

  • Erwin Karg, 1. Bür­ger­meis­ter der Gemein­de Fuchs­tal
  • Prof. Dr. Ing. Vol­ker Qua­sch­ning, HTW Ber­lin, Exper­te für die Inte­gra­ti­on Erneu­er­ba­rer Ener­gi­en
  • Ver­tre­ter der Fach­ver­bän­de wie Robert Sing (Fach­ver­band Wind­ener­gie in Bay­ern e. V.) Andre­as Horn (Arbeits­ge­mein­schaft Baye­ri­scher Solar­in­itia­ti­ven AbSi).
  • Amir Rougha­ni (VISPIRON) auch bekannt durch den Film „Power to Chan­ge – Die Ener­gie­re­bel­li­on“

Der Linie der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung folg­te M.Dirig. Rudolf Escheu vom Staats­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft, Ener­gie und Tech­no­lo­gie. Er stand nicht zu 100% hin­ter einer raschen Ener­gie­wen­de, ganz wie sein Chef Franz Pschie­rer.

Die wich­tigs­ten Aus­sa­gen

Prof. Qua­sch­ning: „Ener­gie­wen­de ist ein Muss, wir haben einen Pla­ne­ten zu ret­ten. Seit der letz­ten Eis­zeit ist die Tem­pe­ra­tur um 4,5° C ange­stie­gen, der Mee­res­spie­gel um 100 Meter welt­weit. Ein sta­bi­les Kli­ma ist die Vor­aus­set­zung für kul­tu­rel­le Ent­wick­lung, fos­si­le Ener­gi­en zer­stö­ren das sta­bi­le Kli­ma. Dadurch häu­fen sich die Extrem­wet­ter-Ereig­nis­se, sie haben in den letz­ten 20 Jah­ren mehr als eine hal­be Mil­li­on Men­schen­le­ben und 3 Bil­lio­nen Euro gekos­tet. Machen wir wei­ter wie bis­her, wird die Tem­pe­ra­tur um zusätz­lich 5°C stei­gen.“

Abschlie­ßend zitier­te er den ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten John F. Ken­ne­dy. Der sag­te im Jahr 1962 zum Pro­jekt Mond­mis­si­on „ Ich den­ke, wir sol­len es tun. Und ich den­ke, dass wir zah­len wer­den, was immer es kos­tet.“ Die­se Ein­stel­lung müs­se die Poli­tik errei­chen, dann klap­pe es auch mit der Ener­gie­wen­de.

Erwin Karg, Bür­ger­meis­ter, bekannt aus der zwei­tei­li­gen ZDF Doku­men­ta­ti­on zur Ener­gie­wen­de brach­te es auf den Punkt:Als ich 2002 zum Bür­ger­meis­ter gewählt wur­de, hat­te unse­re Gemein­de 2,5 Mio. Euro Schul­den und kaum Rück­la­gen. Dann haben wir alle gemein­sam die Ener­gie­wen­de dezen­tral und lokal ange­packt. Heu­te haben wir 5 Mio. Euro Schul­den, aber 9 Mio. Euro Rück­la­gen. Ich erklä­re mei­nen Leu­ten, wie es gehen muss, ich neh­me sie mit und sie fol­gen mir. Wenn sie das nicht mehr wol­len, wer­de ich nicht mehr gewählt.“

Robert Sing, Bun­des­ver­band Wind­ener­gie in Bay­ern e. V.: „Ener­gie­wen­de schafft Ver­än­de­rung und Ver­än­de­rung ist erfor­der­lich, denn ohne Ver­än­de­rung wird in der Zukunft das Schlimms­te kom­men. Trotz­dem sind die Rah­men­be­din­gun­gen für die Ener­gie­wen­de schlecht, die Akzep­tanz bei den Bür­gern ist schlecht –wegen Defi­zi­ten bei der Poli­tik, sie nimmt die Men­schen nicht mit. Den Men­schen wird ein Abstand von 900 Metern zu einem Atom­kraft­werk zuge­mu­tet — war­um müs­sen Wind­rä­der einen viel grö­ße­ren Abstand haben? Soll Bay­ern etwa den Strom aus dem Nor­den holen?“

Amir Rougha­ni, bleibt sei­nem Mot­to „Power to Chan­ge“ treu: Die Ener­gie­wen­de ist noch kein Zukunfts­pro­jekt, kei­ner hat es geschafft, zu sagen, dass es um unser Über­le­ben in den nächs­ten 200 Jah­ren geht. Nur mit der Ener­gie­wen­de kön­nen wir auch mehr Frie­den, Gerech­tig­keit und loka­le Wert­schöp­fung für die Men­schen errei­chen. Die Ener­gie­wen­de ist tech­nisch mach­bar, aber poli­tisch nicht erklärt, des­halb fehlt die Akzep­tanz für den Chan­ge – die Ver­än­de­rung.

Andre­as Horn, Arbeits­ge­mein­schaft baye­ri­scher Solar-Initia­ti­ven (AbSi): „Die Bür­ger haben die Ener­gie­wen­de für sich geschafft, Indus­trie und Han­del nicht. Die Bür­ger könn­ten das auch für Indus­trie und Han­del über­neh­men, aber die Poli­tik bremst. Des­halb fehlt der Anreiz für Indus­trie und Han­del, hier aktiv zu wer­den. Die CO2- Hand­lungs­op­tio­nen wer­den aber kom­men. Ent­we­der bezah­len wir die­se oder wir füh­ren das alte EEG wie­der ein.“

Und die Poli­ti­ker?

Mit­strei­ter Mar­tin Steg­mair stell­te eine Fra­ge in deren Run­de:

Wer ist eher für oder gegen die HGÜ Strom­au­to­bah­nen?

Die Ant­wor­ten:  

  • Bündnis90/Die Grü­nen (Lud­wig Hart­mann MDL) JA,
  • SPD (Flo­ri­an von Brunn MDL) JA,
  • Freie Wäh­ler (Ben­no Zie­rer MDL) NEIN,
  • CSU (Mar­tin Lech­ner Kreis­tag) JA

Mar­tin Steg­mairs zusam­men­ge­fass­te Ein­drü­cke und Gedan­ken

Der Bran­chen­tag in Tauf­kir­chen der Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en in Bay­ern zeigt auf wie 100% mög­lich sind:

  • durch die Bran­chen Wind, PV, Was­ser und Bio­gas und deren Macher in den Fach­ver­bän­den
  • durch renom­mier­te Wis­sen­schaft­ler wie Prof. Qua­sch­ning von der HTW Ber­lin und auch durch Aus­sa­gen von Amir Rougha­ni (Power to Chan­ge).
  • durch enga­gier­te Bür­ger­meis­ter wie Erwin Karg aus Fuchs­tal, der für sei­nen Ort die Ener­gie­wen­de in Voll­endung anstrebt, es wird ihm auch gelin­gen, da er die Ener­gie­wen­de vor allem mit und für den Bür­ger macht!

Unse­re Regie­ren­den dage­gen, ob in Ber­lin oder Mün­chen, stre­ben eine Ener­gie­wen­de für die Kon­zer­ne und deren Wohl an. Damit fah­ren sie nicht nur die Zie­le des Pari­ser Kli­ma­schutz­ab­kom­mens, son­dern auch die ech­te und nach­hal­ti­ge Ener­gie­wen­de an die Wand. Sie beden­ken nicht, dass wir nur eine Erde haben, und die ist auch nur von unse­ren Kin­dern gelie­hen. Wird in der Ener­gie­po­li­tik wei­ter so ver­fah­ren kön­nen wir die Erde nicht mehr an unse­re Kin­der wei­ter­ge­ben. Bezeich­nend an die­sem Bran­chen­tag auch die Poli­tik, die vor Ort dabei war sowie das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um. In Tauf­kir­chen war für die CSU statt eines Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten nur ein Kreis­tags­mit­glied.

Die CSU hat ja kei­nen Ener­gie­ex­per­ten — Ener­gie­po­li­ti­schen Spre­cher mehr, sie hat nur noch Wirt­schafts­mi­nis­ter Pschie­rer, der am liebs­ten selbst mit dem Bag­ger die Grä­ben für die Strom­tras­sen bau­en möch­te. Dabei begreift er nicht, dass er die Grä­ben zur Ver­hin­de­rung einer Ener­gie­wen­de baut, die Strom­tras­sen sind der Tod der Ener­gie­wen­de. Sie machen Bay­ern in der Strom­ver­sor­gung abhän­gig. Des­halb bleibt auch das baye­ri­sche Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um in Per­son von Minis­te­ri­al­di­ri­gent Rudolf Escheu blass und lässt erken­nen, kei­ne Ahnung zu haben, was Ener­gie­wen­de im All­ge­mei­nen und im Spe­zi­el­len für Bay­ern bedeu­tet, dort weiß man durch Pschie­rer nur was Lob­by­ar­beit ist!

Unser Fazit

Bay­ern 100% erneu­er­bar ist unum­gäng­lich, funk­tio­niert aber nur mit poli­ti­schem Wil­len und Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein, gesell­schaft­li­cher Ver­mitt­lung und Umset­zung. Ohne Kli­ma­schutz gibt es kei­ne Hei­mat, egal wie vie­le Hei­mat­mi­nis­te­ri­en wir haben.

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