Offener Brief an Aigner, Seehofer und Gabriel

von Inge Hofgärtner (ingehofgaertner@freenet.de)

Sehr geehrte Frau Aigner, Sehr geehrte Herren Seehofer und Gabriel,

„Setzen, sechs“

Als um die deutsche Demokratie besorgter Bürger nehme ich mir eine kritische Bewertung Ihrer Politik heraus. Würde Ihnen dabei ein Zeugnis vergeben, wäre in diesem ganz klar Ihre Versetzung als in höchstem Maße gefährdet einzustufen.

Gehen Macht und Regierung noch vom Volke aus?

Offensichtlich nicht.

Wie können Sie mit Ihrer Abwrackprämie für alte Braunkohlekraftwerke die Einhaltung der Klimaschutzziele gewährleisten? Wer die Bezahlung gewährleistet ist ganz klar: die Bürger. Wer sich die Hände reibt, auch klar: die Kraftwerksbetreiber, die Geld für Kraftwerke bekommen, welche er in einigen Jahren sowieso schließt.

Braunkohlekraftwerke stoßen nicht nur klimaschädliches CO2, sondern auch das Nervengift Quecksilber aus. Wie schützen Sie uns Bürger vor den gesundheitlichen Gefahren?

Wann wollen Sie einen fairen Strukturwandel für die Beschäftigten in der Kohleindustrie einleiten? Dieser ist doch unvermeidbar, je eher er kommt, desto fairer kann er von statten gehen. Warum hören Sie nur auf die Stimmen derer, die das ewig Lied der Arbeitsplätze in der Kohleindustrie singen? Warum treten Sie nicht auch für die Beschäftigten in der erneuerbaren Energienbranche ein? Diese schreien wohl nicht laut genug und haben keine Lobby…

Wie wollen Sie sicher stellen, dass keinerlei gesundheitliche Gefahren von Fracking ausgehen? Hier wird wieder einmal ohne umfassende Studien eine neue Technologie eingeführt, welche nur auf den kurzfristigen Profit ausgelegt ist. Für wie viele Jahre können wir denn Gas in Deutschland fördern?

Wie können Sie mit dem Gedanken leben, mit einem Land ein Freihandelsabkommen – TTIP – zu planen, in welchem Rassismus schon fast an der Tagesordnung ist, welches Hinrichtungen durchführt? Brauchen wir noch mehr Demokratie aushebelnde Mechanismen wie die Schiedsgerichte, welche allein zum Schutz der Investoren fungieren?

Ist das Volk unmittelbar oder durch Auswahl entscheidungstragender Repräsentanten an allen Entscheidungen, die die Allgemeinheit verbindlich betreffen, beteiligt?

Offensichtlich nicht.

Die Entscheidungsträger sind doch schon längst nicht mehr in der Politik zu finden, sie sitzen mit Ihnen am Tisch, sie sind an allen Entscheidungen beteiligt, es sind aber nicht Ihre Bürger, es sind die Interessenvertreter der verschiedensten Industrien.

Aigner: „Auf Bayerns Drängen hin wurden die Themen Strommarkt, Klimaschutz, Effizienz und Energieeinsparung, Erneuerbare Energien und Netzausbau endlich im Zusammenhang betrachtet und entschieden.“

Seehofer: Der Interessensausgleich sei „voll gelungen“, sagten Sie bei einem Redaktionsbesuch der Süddeutschen Zeitung. Die Eingriffe in die bayerische Landschaft bezeichneten Sie als „minimal, besser kann man das nicht abschließen“.

Wo haben Sie, Frau Aigner, Herr Seehofer oder Herr Gabriel wirklich Ihren Bürgern, Ihren Wählern zugehört? Der Energiedialog klang vielversprechend, was ist dabei herausgekommen?

Dass Sie, Frau Aigner in Sachen Mathematik noch einmal die Schulbank drücken dürften, zeigt Ihre folgende Aussage: „Es wird keine Monstertrassen in Bayern geben. Aus meiner Formel 2-x, die ich nach dem Energiedialog vorgegeben habe, wird damit x=2.“

Es werden beide Trassen gebaut, was beutet x=0. Dadurch dass Sie diese in die Erde verlegen wollen, werden sie noch teurer, was heißt, dass die nimmersatten Investoren unserer Energieversorger noch mehr Rendite einstreichen. Die Kernfrage ist dadurch immer noch nicht beantwortet: brauchen wir die Trassen überhaupt? Für die bayerische Energieversorung nach Abschaltung der vier AKWs, wie Sie es uns immer vorgaukeln wollen, sicherlich nicht. Grafenrheinfeld ist vom Netz, Gundremmingen Block C und Isar sind in Revision, und die Lichter sind noch nicht aus… Warum fordern Sie nicht endlich die Bedarfsrechnung ein? Ich habe es mehrfach erfolglos bei Amprion und der Bundesnetzagentur versucht. Dadurch stellt sich mir die Frage „gibt es diese überhaupt?“

Ist denn der Zusammenhang zwischen den Stromtrassen und der Kohleverstromung nicht offensichtlich? Nur wenn die Braunkohleverstromung nicht heruntergefahren wird, werden die Trassen notwendig. Muss ich Ihnen etwa unterstellen, dass Sie gar nicht ernsthaft aus der Braunkohleindustrie aussteigen wollen? Leider deuten die jüngsten Entwicklungen darauf hin…

Als Pflichtlektüre im Hinblick auf Ihre Schnellschüsse, was neue Technologien anbelangt, empfehle ich Ihnen wärmstens, oder falls bekannt, möchte ich daran erinnern, einmal wieder  hineinzuschauen: Es ist Ernst Friedrich Schumachers „Small is beautiful“ aus dem Jahr 1973, aus welchem ich zitiere:

„Die Religion der Wirtschaftwissenschaft fördert eine Vergötterung des raschen Wechsels, ungeachtet der Binsenweisheit, dass ein Wechsel dann von zweifelhaftem Wert ist, wenn er nicht unbestritten eine Verbesserung darstellt. Die Beweislast wird jenen aufgebürdet, die sich auf den >ökologischen Standpunkt< stellen. Solange sie nicht Beweise deutlicher Schäden für den Menschen vorbringen können, setzt man auf Wechsel. Der gesunde Menschenverstand würde das Gegenteil verlangen: Die Beweislast muss bei demjenigen liegen, der einen Wechsel herbeiführen will; er muss nachweisen, dass es keine schädlichen Folgen geben kann. Das aber würde zu lange dauern und wäre daher unwirtschaftlich.“

Das ist seit über vierzig Jahren bekannt, aber lernen will niemand daraus. Da müsste über Themen wie Nachhaltigkeit, Gleichverteilung, Gerechtigkeit, Sparen nachgedacht werden. Wir müssen raus aus dem Kapitalismus mit all seinen zerstörerischen Konsequenzen wie Raubbau, Land-Grabbing, Ausbeutung, raus aus unserer Bequemlichkeit, Zufriedenheit.

Haben wir noch freie Wahlen?

Offensichtlich schon.

Doch welches ist das geringste Übel, für welches wir unsere Stimme abgeben?

Wie sieht es mit der Achtung der Menschenrechte aus?

Offensichtlich schlecht.

Wie können Sie damit leben, dass auch Deutschland seinen Beitrag an den Flüchtlingsströmen duch Waffenexporte an Drittländer, durch Geschäfte mit korrupten Präsidenten leistet? Was tun sie dafür, dass die Menschen, die aufgrund dessen fliehen müssen, die am wenigsten Schuld tragen, am meisten leiden? Sie versuchen, diese Menschen schnellstmöglich abzuschieben und fördern auch noch Ressentiments. Was machen Sie dafür, um die Situation der Flüchtlinge in Ihren Heimatländern zu verändern?  Wieder einmal zu kurz gedachte Politik.

Haben wir noch Meinungs- und Pressefreiheit?

Offensichtlich schon.

Bürgerinitiativen gegen die Stromautobahnen nach Bayern haben Ihnen, Frau Aigner die Gesprächsbereitschaft aufgekündigt. Sie, Herr Seehofer kritisieren diese Mutbürger dafür. Das kann ich absolut nicht nachvollziehen. Haben Sie sie doch mit Ihrem faulen Kompromiss verkauft. Es sind allesamt Bürger, die sich ehrenamtlich für eine Sache engagieren. Und das nur, weil es unsere „Volksvertreter“ nicht schaffen, ein ehrliches und tragfähiges Konzept für die Energiewende vorzulegen.

All die zahlreichen Organisationen kämpfen unter Investition ihrer privaten Zeit, weil wir keine Volksvertreter mehr haben, denen wir vertrauensvoll unsere Stimme geben können, die sich für unser Wohl einsetzen. Nein, wir müssen unseren kurzfristig denkenden Lobbyvertretern auf die Finger schauen, um wenigstens noch ein bißchen ein Gefühl von Demokratie zu haben. Dies scheint mir immer mehr zur Illusion zu werden. Putin, Orbán und Xi Jinping führen bereits einen Feldzug gegen NGOs in Russland, Ungarn und China. Tatsächlicher Gegner sind jedoch die Zivilgesellschaften, die sich im Sinne der Menschlichkeit und Bürgerrechte engagieren und den   Mut auch im Angesicht erdrückender Übermacht nicht verlieren…

Wenn ich mir das Ganze so anschaue, frage ich mich wirklich, wie Sie nachts ruhig schlafen können? Geht das noch mit einem guten Gewissen? Sie verkaufen uns Bürger an die profitorientierten Lobbyvertreter, hängen an deren Gängelband.

Es wäre schön, wenn ich von Ihnen hören würde, um nicht komplett den Glauben an die Politik zu verlieren. Ich habe so viele Fragen an Sie, geben Sie mir ehrliche Antworten. Das Lügen habe ich satt. Es gibt sicherlich mehr Bürger, welche sich ihre Gedanken machen, die kommenden Wahlen werden es zeigen…

Mit freundlichen Grüßen

Inge Hofgärtner

14 Gedanken zu „Offener Brief an Aigner, Seehofer und Gabriel“

  1. Dieser Brief spricht unbequeme Wahrheiten aus. Aus dem Jahr 1973 stammt auch eine erste Analyse des Club of Rome mit dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“. Hier wurde erstmals aufgezeigt, wohin ungebremstes Wachstum führen kann und das löste eine Welle von Bewegungen aus. Auch ich bekam damals dadurch -im Alter von knapp fünfzehn Jahren- einen Impuls in Richtung Naturschutz und wurde sensibel gegenüber der Atomtechnologie mit ihren Gefahren. Das war auch durch einen engagierten Schulunterricht mit engagierten Lehrern getragen und gefördert, der uns in einem extrem konservativen schulischen Umfeld das freie Denken und kritische Hinterfragen lehrte. Wenn ich die heutigen Politiker mit ihren zum größten Teil hohl und leer klingenden Phrasen höre, finde ich es bemerkenswert, dass diese Politiker, jünger als ich und in einem anderen, offeneren Umfeld aufgewachsen, fast unreflektierter agieren als unser damaliges Umfeld. Wir mussten uns unsere Rechte noch hart erkämpfen und wurden bestenfalls belächelt. Die jüngeren Politiker aber konnten sich frei entfalten und machen trotzdem die gleichen Fehler wie die vorvorige Generation , man meint, sie haben nichts dazugelernt. Deshalb sind die Bürger immer mehr selbst gefordert, ihre Anliegen durchzusetzen und sich in Bürgerinitiativen zu engagieren. Und auch diese werden oft nicht ernst genommen und aus „Mutbürgern“ werden „Wutbürger“, mit denen die Politik dann unzufrieden ist, wenn die sich nicht auch in die eigene Tasche lügen und eine Niederlage in einen Sieg umdeuten. Die Politik mit uns unzufrieden? Geht´s noch? Wie abgehoben muss ein Politiker sein, um diese Aussage zu treffen?

  2. Inges Brief stimme ich in vollem Umfang zu: Politische Moral und die Interessen der Bürger sind in der kürzlich gefallenen Entscheidung um die Weichenstellung für den deutschen (und nicht zuletzt europäischen) Energiemarkt offensichtlich nicht Maßstab des Handelns gewesen – Lobbyinteresse geht vor Gemeinwohldienlichkeit.

    Dass sich unsere Politiker darüber tatsächlich noch wundern oder gar zu ärgern wagen, wenn hier ein weiterer Dialog in Frage gestellt wird, ist lächerlich. Das Protestfest in Leupoldsgrün war schön, aber die Podiumsdiskussion hat mir persönlich gezeigt, dass wohl jetzt der Punkt gekommen ist, an dem alles gesagt wurde, auf beiden Seiten stehen die Argumente unvereinbar gegenüber. Argumente, Fairness und bitteschön kein auffälliger Wutbürger sein, all das wird von uns Bürgerinitiativlern erwartet. Die Spielregeln für Politiker und vor allem auch für die Wirtschaftsverbände und Lobbyisten sehen offensichtlich anders aus. Seehofer und Aigner haben durch ihr Handeln alle bisher stattgefundenen Dialoge entwertet – aber sie wollen weiter reden?

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass weitere Gespräche mit Politikern oder Informationsveranstaltungen der Netzbetreiber in „gläsernen Bürgerbüros“ etwas anderes sind als eine Mitmachfalle: Die Trassen werden gebaut, aber wir dürfen vorher noch darüber reden.

  3. In diesem Brief steckt viel Wunschdenken! Ja, es ist offensichtlich, dass die Trassen in erster Linie für den Transport von Strom benötigt werden, an dem die Erzeuger besonders viel verdienen (Braunkohle aus der Lausitz, Atomstrom aus Litauen….)

    Das Problem liegt an anderer Stelle. Wir wünschen uns, dass wir nur noch grünen Strom verwenden. Die dazu notwendigen Konzepte oder gar Erfindungen hat man jedoch noch nicht gemacht.

    Windstrom? Um den benötigten Strom zu erzeugen müsste man die Kapazität der Turbinen ver-fünfzig-fachen! Von einer Anhöhe aus meiner Heimat (Raum Neumarkt) hat man heute schon 90 Windturbinen im Blick: mal 50 -> ergibt 4.500 Windturbinen – realistisch???

    Und dann hat man immer noch das Reserve-Problem, wenn der Wind nicht weht (über 80% der Zeit). Für 80% der Zeit müssen Reservekraftwerke her. Biogasanlagen laufen am Besten mit Mais. die benötigte Fläche für den Maisanbau dafür übersteigt aber bei Weitem das, was tatsächlich verfügbar ist…..

    Dezentralisierung ist sicher der richtige Weg. Kürzere Wege vermindern die Transportverluste enorm (auch bei HGÜ-Leitungen!). Jedes Haus mit Solaranlage – nicht über Subvention, sondern über die Bauordnung erreichbar! Speicher – Speicher – Speicher….
    Jeder Euro, der heute durch das EEG verbrannt wird, fehlt bei den wirklich wichtigen Forschungs- und Entwicklungsaufgaben im Hinblick auf Energieeffizienz und Energiespeicherung.

    Und Energiesparen: mit heute verfügbaren Mitteln könnten wir gut und gerne 30% unserer elektrischen Energie einsparen. Darüber wird seltsamerweise nicht geredet – am Sparen ist wenig Geld zu verdienen!

    Wir sind auf einem völlig falschen Weg! Erneuerbare Energien verhindern keine HGÜ-Trassen, im Gegenteil, diese Trassen werden dadurch erst notwendig. EEG-Subventionen fließen in die Taschen rücksichtsloser Geschäftemacher, denen die Energiewende im Grunde ganz egal ist. Diese Gelder fehlen da, wo wichtige Zukunftsaufgaben (Effizienz, Speicherung) zu erledigen wären!

    Wir sind schon ein komisches Land. Wir können es uns leisten, viele Milliarden in einen Flughafen zu werfen, der nie fertig wird, aber diskutieren über weit weniger Geld, um Stromkabel unterirdisch zu verlegen…..

  4. Ich möchte Hr. Blasen bitten, sich die Artikel zum Thema Stromtrassen auf der Homepage der Stromautobahn durchzulesen und auch die Expertenmeinung von Hr. Prof. Hirschhausen/TU Berlin, Hr. Jarras und Frau Kempfert (DIW).
    Dann erübrigt sich eine weitere Diskussion um seine und auch die Fehleinschätzung der Situation in Politik und Wirtschaft.

    1. Das möchte Herr Blasen offensichtlich nicht oder ihm erschließt sich die Logik der hier recherchierten Daten nicht. Ich denke, er ist einer von den Energiewendegegnern, die keine neuen Erkenntnisse gewinnen möchten, denn er hat diese Seite schon öfter besucht und die Kommentare gehen immer in die Richtung: EEG abschaffen, das Geld dafür geht in die Taschen rücksichtsloser Geschäftemacher etc. pp.
      Er wohnt im Landkreis Neumarkt/Oberpfalz, der nahezu energieautark ist, weil er genügend WKA hat. das scheint ihm ein Dorn im Auge zu sein.

      1. Die angeführten Artikel habe ich alle gelesen.
        Ja, ich bin EEG-Gegner. Nein, ich bin kein Anhänger von Atomenergie. Ich bin mit den Zielen der Trassengegner weitgehend einig, bin aber Realist und beobachte die Energiewende in unserem Raum seit Jahren.
        Meine Kritik bezieht sich nur darauf, dass man versucht, Wünschenswertes mit Machbarem gleich zu setzen. Auch in den Kommentaren zu meinem Posting kann ich keine Argumente finden, die meine Argumente widerlegen. und wenn ich die Aussage „Landkreis Neumarkt zu 85% energieauthark“ so lese, dann Frage ich mich, wo der Strom her kommt, wenn die Turbinen still stehen (im letzten August beispielsweise mehr als eine Woche lang deutschlandweit keine Windenergie nutzbar…).
        Ich fürchte einfach mit dem Mantel „umweltfreundliche Energie“ verdienen andere als bei konventionellen Kraftwerken. Bezahlen müssen es in jedem Fall die Bürger.

        1. Herr Blasen, eine letzte Antwort auf ihre Fragen: Neumarkt ist fast autark, denn es hat mehr als WKA. Es kommt bei der Energiewende auf den intelligenten Mix an, aber WKA und das EEG brauchen wir halt auch dazu. Wissen Sie, in welcher Höhe Sie die Braunkohleverstromung durch indirekte Subventionen zahlen? Vertrauen Sie auf die Aussagen von Professor v. Hirschhausen, der ist Experte und hat einmal gesagt, dass er Netzentwicklungspläne zum Vergnügen liest. Und verdient werden muss am Strom und der Energie immer, wie an vielen anderen Dingen bei uns im Land. Und nur beim EEG sehen Sie die realen Kosten der Erneuerbaren. Bei allen anderen Energieerzeugungsarten können Sie nur raten, die sind höchst intransparent. So, jetzt muss ich meine Zeit anderweitig verbringen.

        2. Falsch, Herr Blasen! Nicht die Erzeuger des Stromes verdienen besonders viel, sondern die Netzbetreiber, die uns die Trassen vor die Nase setzen wollen. Nicht das EEG verbrennt die Gelder, sondern der geplante Trassenbau. Sie wissen offensichtlich auch noch nichts von der inzwischen marktreifen Entwicklung von Stromspeichern. Dazu empfehle ich die Lektüre des Vortrages vom Solarförderverein Aachen, Wolf von Fabeck, zu finden im Internet, und das Gutachten des Energieforschungszentrums Niedersachsen. Stromgroßspeicher befürfen noch einer Weiterentwicklung, allerdings würde die Markteinführung von Speichern auch im gleichen Zeitraum zu schaffen sein wie die Inbetriebnahme der Stromtrassen, wenn man in Speicher statt in Trassen investieren würde. Der Trassenbau verhindert allerdings die Weiterentwicklung und Markteinführung der Speicher.
          Dies ist ausschließlich eine Entscheidung der Politik, die hier wieder einmal den bequemeren Weg geht und ein weiteres mal vor der übermächtigen Lobby der Stromkonzerne einknickt.
          Kommunen, die mittels Windrädern und Photovoltaikanlagen Energie erzeugen, kommen auch in den Genuss ihrer Wertschöpfung. Wenn die sich die Profite in die Tasche stecken, sehe ich gerne zu, denn dies kommt wiederum den Bürgern zugute. Nur sind diese Subventionen weitestgehend heruntergefahren worden und mit dem 1:10-Gesetz in Bayern der weitere Ausbau von Windkraft verhindert worden.
          Zum Thema Energie einsparen wurde auch am 10.7. in Leupoldsgrün gesprochen, Sie sehen, es ist sehr wohl ein Thema und ein Bestandteil der Energiewende, so wie wir sie haben wollen. Ebenfalls wurde dort darüber referiert, was man von der Ankündigung, die Stromkabel unterirdisch zu verlegen, zu halten hat. Waren Sie da, Herr Blasen?
          Und wer steckt sich die Profite der Trassen in die Tasche, Herr Blasen? Darüber auch schon gejammert?

  5. Ich finde die Trassen ja auch sinnlos – aber eben auch die Subventionierung von PV und Windturbinen.
    PV Strom ist heute schon ohne Subventionierung (!!) konkurrenzfähig und Windstrom wird zumindest in Süddeutschland ohne Subventionierung nie konkurrenzfähig sein.
    Deshalb bin ich nun mal der Meinung: PV Anlagen für Neubauten zur Vorschrift machen (wie Abwasser-Entsorgung), Windturbinen dort bauen lassen, wo jemand ohne EEG Subvention glaubt, damit Geld verdienen zu können und das Geld das durch den Wegfall der EEG-Subvention frei wird, in die Entwicklung von Speichern investieren (die übrigens noch nicht, wie Herr Kohl schreibt, bereits verfügbar sind – allenfalls Konzeptstudien mit miserablem Wirkungsgrad gibt es bis heute). Darüberhinaus Gaskraftwerke, die allerdings subventioniert werden müssen, weil sie in diesem Konzept nicht durch den verkauften Strom refinanziert werden können. Das Ziel ist es ja gerade, diese Gaskraftwerke möglichst wenig zu betreiben.

  6. Richtig, es gibt noch keine Markteinführung der Speicher, das habe ich auch nicht behauptet. Es gibt auch noch keine Gleichstromtrassen, dies wäre auch ein Novum. Will man Stromspeicher, werden sie auch in absehbarer Zeit marktreif sein, denn es gibt bereits (weitgehend) marktreife Technologien dafür. Sie müssen kommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Warum also nicht jetzt, wenn man den Trassenbau, gegen den Sie ja auch sind, Herr Blasen, damit verhindern kann. Verlieren wir doch nicht bei aller Vielfalt der Meinungen unser wichtigstes Ziel aus den Augen: Erneuerbare Energien statt fossiler, der Umwelt und des Klimas, unserer Kinder und Enkel zuliebe. Und zwar jetzt. Denn es ist schon 5 nach 12. Wertschöpfung vor Ort, nicht Profite für die Konzerne, und zwar jetzt.
    Die EEG-Förderung wird so lange notwendig sein, bis die EEG sich ausreichend etabliert haben, danach wird sie ohnehin von allein verschwinden. Die Technologien sind ebenfalls nicht festgeschrieben, sie werden sich weiter entwickeln und vervollkommnen. Wer jetzt Windräder vor der Haustür hat, wird sie nicht für immer dort haben. Dann wird auch das Plus-Energiehaus eine Selbstverständlichkeit sein. Fortschritt ist etwas, das von Träumern und Visionären vorangetrieben, wird, nicht von Realisten, Herr Blasen.

    1. Danke Wolfgang Kohl für diese klaren Worte, auch zum Protestfest in Leupoldsgrün, wo Fakten aufgezeigt wurden, natürlich nur für die, die anwesend waren. Subventionen fließen in Massen für Kohle und Atom, ganz zu schweigen von den durch sie verursachten Folgekosten. Und warum von einigen Leuten die Windräder so verteufelt werden, kann ich nicht nachvollziehen. Sie haben den geringsten Flächenverbrauch und PV mit Gaskraftwerken können es nicht alleine reißen. Wie Sie schon sagen, Windräder sind auch nur eine Übergangslösung, deshalb sollte man die Fragen zu ihnen nicht weltanschaulich sondern ganz sachlich behandeln. Und lieber Power to Gas mit miserablem Wirkungsgrad ( der ja so miserabel gar nicht ist) als abgeriegelter Windstrom, denn Kohlekraftwerke laufen durch und können nur auf Kosten ihrer Lebensdauer hoch- und runtergefahren werden. Die Kohle erzeugt wesentlich mehr Schadstoffe als WKA und zerstört ganze Landstriche. Was würden Sie, Herr Blasen, als Anrainer eines Braunkohletagebaus oder eines Kohlekraftwerkes sagen?

      1. @Herr Kohl: Im Gegensatz zu Power-To-Gas-Anlagen gibt es HGÜ Trassen bereits. 1994 ging die 262 Kilometer lange Gleichstromleitung Baltic Cable zwischen Lübeck-Herrenwyk und Kruseberg in Schweden in Betrieb, der 1995 die 170 Kilometer lange vollständig verkabelte Kontek zwischen Bentwisch bei Rostock und Bjæverskov in Dänemark folgte.
        Auch in China, im Kongo und zwischen Canada und USA gibt es HGÜ-Trassen teilweise weit über 1.000 km lang (Wikipedia).
        Aber das ist nicht das Thema. Die bei uns geplanten Trassen dienen zum Transport von Atom- und Kohlestrom – da sind wir uns einig.
        Das EEG bewirkt aber zur Zeit, dass durch eine Überproduktion an wind- und ronnenreichen Tagen der Strompreis an der Börse sinkt, ja sogar negativ wird (wir bezahlen dafür, dass uns jemand Strom abnimmt!!!). Die Differenz zwischen den dadurch zu niedrigen Börsenpreisen und den garantierten Erlösen der PV- und Windanlagen ist die EEG-Zulage, die die Stromkunden bezahlen (vergessen wir das Thema Großindustrie mit ihren Rabatten). Hätten wir Speicher, wäre das alles kein Problem, denn die Börsenpreise wären wieder realistische Marktpreise. Derzeit wird ein Anreiz zur Überproduktion geschaffen. Je niedriger der Börsenpreis ist, desto höher ist die EEG-Zulage. Das kann nicht sinnvoll sein!
        Und daraus leite ich meine Forderung nach Abbau jeglicher EEG-Subvention ab. Gäbe es diese Subvention nicht, dann würden PV-Anlagen weiterhin rentabel sein. In Verbindung mit Speichern würde es sich lohnen, mehr Strom zu produzieren, als man selbst benötigt. Die Industrie wäre ein dankbarer Abnehmer. Das Geld, das mit der entfallenden EEG-Subvention gespart würde, wäre in der Weiterentwicklung von Power-To-Gas oder in neuen Speichertechnologien viel sinnvoller eingesetzt.
        Wie gesagt, wir sind uns in vielen Punkten einig.
        @ Frau Estel: Es ist richtig, dass Kohle und Atomstrom hoch subventioniert wurden und noch immer werden. Aber das darf doch kein Anlass dafür sein, die bereits begangenen Fehler einfach zu wiederholen! Die Subventionierung der Atomanlagen in den 60ern und 70ern, die Kohlesubventionen sind natürlich falsch. Aber genauso falsch ist es, eine unsinnige Technologie (Windkraft in Süddeutschland, PV auf Dächern, die nicht von der Sonne bestrahlt werden…). Gäbe es Speicher könnte man ja noch irgendwo einen Sinn erkennen. Aber nachdem es diese nicht gibt, bezahlen wir dafür, dass Betreiber ihre Windkraftanlagen abschalten! Das waren in 2012 immerhin 42 Millionen Euro, die als Abschaltentschädigung deutschlandweit bezahlt wurden. 42 Millionen dafür, dass KEIN STROM erzeugt wurde. Ist das sinnvoll?
        Daher meine Forderung: weg mit der EEG-Subvention!

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