Wieviel Rendite braucht ein Investor?

Das Streben nach Renditen ist alt, denn den Wunsch, mehr aus einem Projekt oder Objekt herauszuholen als man hineingesteckt hat, hat fast jeder Mensch.

Ein Investor sammelt Kapital für verschiedene Projekte. Sind diese realisiert, hofft er auf einen höheren Wert des Kapitals. Investiert er in eine Immobilie, so möchte er durch Vermietung oder Verkauf mehr herausholen, als er hineingesteckt hat, das ist dann die Rendite. Dabei ist immer Risiko mit im Spiel, da er nicht weiß, ob er die Immobilie vermieten oder verkaufen kann und welchen Preis er erzielt, er kann sogar einen Teil seines Kapitals verlieren.

Hohe Renditeaussichten sind mit hohem Risiko behaftet, je niedriger das Risiko, desto niedriger aber auch die Rendite.

Es gibt jedoch ein Geschäftsmodell, das hohe, garantierte Renditen ohne Risiko bietet:  Neubau von Stromtrassen durch Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB). Eine Gelddruckmaschine, denn diejenigen, welche am Projekt verdienen, die ÜNB, dürfen den Ausbaubedarf selbst feststellen.

Verdienen dürfen auch die Stromkonzerne, die an den ÜNB immer noch beteiligt sind. Die Bundesnetzagentur hat am 02.11.2011 die derzeit gültige Garantierendite für Stromnetzausbauprojekte festgelegt, 9,05 %. p. a. Sie wird den ÜNB auf dort eingesetztes Eigenkapital gezahlt, unabhängig davon, ob die Leitung  jemals Strom transportiert. Beim ÜNB Amprion ist dieses Eigenkapital in Hülle und Fülle vorhanden, denn rund 75% dieser Gesellschaft befindet sich im Besitz von Versicherungen wie der Münchner Rück, der Talanx, ergo, HDI Gerling und auch Versorgungswerken wie der Ärzteversorgung Westfalen Lippe. Diese Partner wurden ins Boot geholt, als RWE sich von seiner Mehrheitsbeteiligung an Amprion trennte. Amprion bezeichnete sich als Finanzinvestor, dadurch sollten Kaufanreize geschaffen und die Anteile versilbert werden.

Die Energiewende kam wie gerufen, obiges Geschäftsmodell umzusetzen und immense Renditen zu generieren, da das Investitionsvolumen exorbitant war. Allenthalben wurde verkündet – Neue, lange und starke Leitungen für neuen Strom – alles im erneuerbaren Bereich.  Alle wollten das glauben, auch die Regierenden und  der größte Teil der Opposition. Sie ließen sich auch davon überzeugen, dass man diese Leitungen schnell bauen müsse, um die  Energiewende rechtzeitig hinzubekommen, bevor das letzte AKW abgeschaltet würde.

Also wurden die Gesetze geändert, um ein beschleunigtes Ausbauverfahren zu installieren, ohne lästige Bürgerfragen und unnötigen Widerstand wie bei Stuttgart 21.Dabei ging es bei den neuen Gesetzen um wesentliche Abweichungen vom bisher einschlägigen Raumordnungs- und Fachplanungsrecht, wodurch wesentliche Kompetenzen der Bundesländer außer Kraft gesetzt wurden. Die Bürger wurden zwar befragt, hatten jedoch nur „beratende“ Kompetenzen, wie zum Beispiel bei den sog. „Konsultationen“ zum jeweiligen Netzentwicklungsplan. Wie das ausgelegt wurde, hat man ja gesehen, die Süd Ost-Trasse verlängerte sich trotz 26.000 Einwendungen gegen sie um rund 200 Kilometer.

Nun droht diesem Riesengeschäft das teilweise Aus, denn die Bürger sind wach geworden und proben seit einem Jahr den Aufstand. Und den Nutznießern fällt nichts Besseres ein, als Schreckensszenarien zu verbreiten vom Blackout, dem Verlust von Arbeitsplätzen und den Preiszonen für billigen und teuren Strom.

Wäre dieser Netzausbaubedarf auch bei einer Garantierendite in derzeit bankenüblicher Höhe festgestellt worden? Darüber darf spekuliert werden.

Schreibe einen Kommentar