Jah­res­rück­blick 2020

Ein schwie­ri­ges Jahr geht zu Ende. 2021 wird sicher eben­falls kein ruhi­ges Jahr, auch nicht für unser Akti­ons­bünd­nis. Der Kampf für eine dezen­tra­le Ener­gie­wen­de muss weitergehen.

Als Akti­ons­bünd­nis sind wir jetzt bald sie­ben Jah­re im Ein­satz, ursprüng­lich nur unter dem Namen “Akti­ons­bünd­nis gegen die Süd-Ost-Tras­se”, jetzt auch als “Akti­ons­bünd­nis Tras­sen­geg­ner”, da sich unser Akti­ons­rah­men nicht allein gegen eine ein­zel­ne Tras­se rich­tet, son­dern ins­ge­samt gegen den über­di­men­sio­nier­ten Netz­aus­bau, den wir als Ver­hin­de­rungs­maß­nah­me für die Ener­gie­wen­de iden­ti­fi­zie­ren. Den zahl­rei­chen Frei­wil­li­gen in den Bür­ger­initia­ti­ven, die schon so lan­ge durch­ge­hal­ten haben, aber auch den neu dazu Gekom­me­nen, die durch ihre fri­sche Tat­kraft und neue Blick­win­kel dafür gesorgt haben, dass kei­ne “Betriebs­blind­heit” auf­kommt, herz­li­chen Dank! Der gemein­sa­me Wider­stand gegen die Ver­hin­de­rer der Ener­gie­wen­de in Poli­tik und Kon­zer­nen hat bis­lang immer­hin dazu geführt, dass Pro­jek­te ver­hin­dert (P44) oder zeit­lich mas­siv ver­zö­gert wur­den – wert­vol­le Zeit, um Pro­jek­te wie Süd­ost­link, Süd­link fun­da­men­tal in Fra­ge zu stel­len, den Pro­test bun­des­weit zu ver­net­zen und die Dis­kus­si­on um die Not­wen­dig­keit vor­an­zu­trei­ben, dass der Aus­bau von Erneu­er­ba­ren auch in Bay­ern nicht län­ger aus­ge­bremst wird. Vor allem die Fra­ge um die explo­die­ren­den Kos­ten des Netz­aus­baus ist die Achil­les­fer­se in der Argu­men­ta­ti­on der Tras­sen­be­für­wor­ter. Dass damit das Ziel einer kos­ten­güns­ti­gen und kli­ma­freund­li­chen Ener­gie­ver­sor­gung kei­nes­falls erreicht wer­den kann, steht außer Fra­ge, und wir wer­den nicht nach­las­sen, den Tras­sen­bau als schäd­lich für die Ener­gie­wen­de gera­de auch auf­grund der mas­si­ven Kos­ten als sozi­al unver­träg­lich zu kri­ti­sie­ren und kon­se­quent abzulehnen.

Trotz wid­ri­ger Umstän­de waren wir als Akti­ons­bünd­nis Tras­sen­geg­ner im ver­gan­ge­nen Jahr sehr aktiv. Posi­tiv her­vor­zu­he­ben ist dabei die effek­ti­ve und freund­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit mit Bür­ger­initia­ti­ven vom Bun­des­ver­band gegen Süd­link und vom Akti­ons­bünd­nis Ultra­net, mit denen wir unse­re For­de­run­gen immer wie­der in die öffent­li­che Dis­kus­si­on tra­gen. Allein das Akti­ons­bünd­nis gegen die Juralei­tung ist als locke­rer Ver­band in die­sem Jahr auf 32 Bür­ger­initia­ti­ven ange­wach­sen. Auch mit dem noch recht jun­gen Pro­jekt Ful­da-Main-Lei­tung (P43) set­zen wir uns aus­ein­an­der. Unser Ziel bleibt der Kampf gegen den über­di­men­sio­nier­ten Netz­aus­bau (sie­he Akti­ons­kon­sens), und dafür haben wir gute Argu­men­te. Am Süd­ost­link wur­de in die­sem Jahr der Wider­stand sogar “in Stein gemei­ßelt”, und es wur­de eine Wider­stand­sei­che gepflanzt.

Gut­ach­ten zu Netz­aus­bau­kos­ten, Bundesbedarfsplangesetz

Im Janu­ar 2020 fand in Ber­lin eine Pres­se­kon­fe­renz statt. Dort wur­de erst­ma­lig das Gut­ach­ten von Pro­fes­sor Lorenz Jarass vor­ge­stellt. Kern­aus­sa­ge: Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung der Netz­aus­bau­kos­ten ist ein aus­schlag­ge­ben­der metho­di­scher Feh­ler, der die gesam­te Bedarfs­ana­ly­se des aktu­el­len Netz­ent­wick­lungs­plans (NEP) in Fra­ge stellt. Das Gut­ach­ten kann hier frei her­un­ter­ge­la­den wer­den. Erfreu­lich ist, dass aus die­ser Pres­se-Akti­on ein nun bereits fast ein Jahr wäh­ren­der, kon­struk­ti­ver fach­li­cher Aus­tausch von Bür­ger­initia­ti­ven und Fach­leu­ten ent­stan­den ist. Die Novel­lie­rung des Bun­des­be­darfs­plan­ge­set­zes (BBPlG), gegen das sich das Gut­ach­ten auch rich­tet, befin­det sich der­zeit in der par­la­men­ta­ri­schen Abstim­mung und wird vor­aus­sicht­lich erst Ende Janu­ar 2021 im Bun­des­tag ver­ab­schie­det, deut­lich spä­ter als erwartet.

Brei­ter Pro­test an den Trassen

Foto: Ste­phan Pfriem

Wie es ohne die Coro­na-Pan­de­mie wei­ter­ge­gan­gen wäre mit den Pro­test­ak­tio­nen, zei­gen die gro­ßen Ver­an­stal­tun­gen mit vol­len Hal­len und jeweils hun­der­ten von Tras­sen­geg­nern: In Neustadt/Waldnaab im Janu­ar waren fun­da­men­ta­ler Wider­stand und “Der Geist von Wackers­dorf” spür­bar, und in Ber­ching erklär­ten Pro­fes­sor Chris­ti­an von Hirsch­hau­sen und Rai­ner Klee­döfer (N‑ERGIE im Febru­ar, war­um der geplan­te Netz­aus­bau mit dem Sys­tem Ener­gie­wen­de nicht in Ein­klang zu brin­gen ist: “Über­di­men­sio­nier­ter Netz­aus­bau ist wie Koh­le­strom vom Mond”.

Plan­SiG: Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung wird wei­ter begrenzt, bun­des­wei­ter Protesttag

Ab März war die Arbeit der Bür­ger­initia­ti­ven durch Coro­na von vie­len Ein­schrän­kun­gen betrof­fen: Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen wur­den abge­sagt, es gab kei­ne Mög­lich­keit zu spon­ta­nen Tref­fen oder zu Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen in grö­ße­rem Rah­men.  Die schnel­le Ver­ab­schie­dung vie­ler Beschleu­ni­gungs­ge­set­ze für den Netz­aus­bau sorg­te für Irri­ta­ti­on, denn Bür­ger­be­tei­li­gung in Pla­nungs­ver­fah­ren wur­de zuneh­mend erschwert und redu­ziert sich inzwi­schen auf Online­ver­an­stal­tun­gen, die einer fai­ren Bür­ger­be­tei­li­gung bei wei­tem nicht gerecht wer­den. Der Ver­dacht, die Pla­nungs­ver­ant­wort­li­chen könn­ten die Pan­de­mie nut­zen, um in der all­ge­mei­nen Ver­un­si­che­rung Fak­ten beim Netz­aus­bau zu schaf­fen, wird zuneh­mend erhär­tet. Mit Hil­fe des Pla­nungs­si­cher­stel­lungs­ge­set­zes (Plan­SiG) wur­de die bestehen­de Art der Bür­ger­be­tei­li­gung end­gül­tig zum Erlie­gen gebracht, sie­he dazu die Rede von Rechts­an­walt Wolf­gang Baumann.
Der spon­tan orga­ni­sier­te, bun­des­wei­te Pro­test­tag am 24.05.2020 war ein vol­ler Erfolg, gera­de auch was den Zusam­men­halt der Bür­ger­initia­ti­ven betrifft. In mehr als 60 Ein­zel­ak­tio­nen wur­de von Nie­der­sach­sen bis Nie­der­bay­ern an Ultra­net, Süd­link, Süd­ost­link, Ost­bay­ern­ring und Juralei­tung ein Zei­chen der Soli­da­ri­tät unter Tras­sen­geg­nern und für den Erhalt demo­kra­ti­scher Mit­spra­che­rech­te gesetzt.

Post an den Bun­des­tag geht ab

Am 24.06.2020 wur­de sehr spon­tan eine Tras­sen­geg­ner-Sen­dung mit Frank Faren­ski (“Leben mit der Ener­gie­wen­de”) im Schwa­bach­tal zum The­ma “Eigen­strom statt Strom­tras­sen” auf­ge­nom­men, Wie auch bei glei­chen Aktio­nen bun­des­weit, konn­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ihren Pro­test gegen die geplan­ten Ände­run­gen beim Erneu­er­ba­re Ener­gien Gesetz per Post bei ihren Abge­ord­ne­ten deut­lich machen.

Akti­ons­bünd­nis Juralei­tung wächst

Gera­de auch in den Regio­nen, die von der Juralei­tung (P53) betrof­fen sind, ist der Pro­test 2020 wei­ter stark gewach­sen. Vie­le Kom­mu­nen schlie­ßen sich der grund­sätz­li­chen Kri­tik am Netz­aus­bau an. Anfang Sep­tem­ber fand in Wall­ns­dorf bei Ber­ching das ers­te Tras­sen-Pro­test­camp mit Zelt­la­ger und Über­nach­tung statt, um nur ein Bei­spiel für die Akti­vi­tä­ten vor Ort zu nen­nen. Eine Akti­on, die viel Spaß gemacht hat, aber glei­cher­ma­ßen zei­gen soll, dass der Wider­stand in den Regio­nen gegen die zer­stö­re­ri­schen Pro­jek­te der Kon­zer­ne auch mit Tras­sen­blo­cka­den ein­her­ge­hen kann. Auch eine von BIs orga­ni­sier­te Brief­ak­ti­on an alle Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten war eine sehr beein­dru­cken­de Initia­ti­ve, die für Reso­nanz bei den Adres­sa­ten gesorgt hat.

Mit den Aktio­nen bei “Alt­dorf unter Strom” konn­ten wir als Akti­ons­bünd­nis gemein­sam mit der Stadt Alt­dorf und allen Alt­dor­fer Par­tei­en ein kla­res Zei­chen gegen die Juralei­tung und die Netz­aus­bau­plä­ne ins­ge­samt setzen:
Demo am 15.08.2020 in Luders­heim, Wackers­dorf-Film­abend “Die Arro­ganz der Macht – Von der Not­wen­dig­keit bür­ger­li­chen Wider­stands” mit Rechts­an­walt Wolf­gang Bau­mann und Franz Wald­mann (BüfA Regens­burg, Bünd­nis für Atom­aus­stieg und erneu­er­ba­re Ener­gien) und Info­abend mit dem The­ma “Wel­che Strom­tras­sen braucht die Energiewende?”

Nicht für die Ener­gie­wen­de, son­dern für einen euro­pa­wei­ten Stromhandel

Ein wei­te­res Flä­chen und Wald fres­sen­des Umspann­werk bei Luders­heim ist schon geplant. Dabei wer­den die Mas­ten der ankom­men­den und abge­hen­den Lei­tun­gen von ca. 35 auf dann 75 Meter hochgerüstet.

Obwohl nicht erfor­der­lich, soll die Trans­port­ka­pa­zi­tät um das elf­fa­che erhöht werden.

Alt­mai­ers Netz­aus­bau ist eine Energiewende-Verhinderungsmaßnahme

Im Ver­lauf des Jah­res fan­den, oft­mals online, zahl­rei­che Gesprä­che mit poli­ti­schen Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern statt, die span­nend waren, aber auch gezeigt haben, dass gera­de auch Bun­des­tags- und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te nicht aus­rei­chend infor­miert sind, welch weit­rei­chen­de Fol­gen der Bau zahl­rei­cher neu­er Strom­tras­sen hät­te: Der geplan­te Netz­aus­bau ist zu teu­er, zu umwelt­zer­stö­rend und für die Ener­gie­wen­de kon­tra­pro­duk­tiv. Ein Mora­to­ri­um beim Netz­aus­bau wäre die ein­zig rich­ti­ge Ent­schei­dung. Der Anreiz und die Not­wen­dig­keit, Erneu­er­ba­re Ener­gien vor Ort schnell und effek­tiv aus­zu­bau­en, wird mit dem Erhalt und einer mas­si­ven Erwei­te­rung des ver­al­te­ten, zen­tra­lis­ti­schen Sys­tems wei­ter im Keim erstickt. Wenn man die EEG-Novel­le der Bun­des­re­gie­rung betrach­te, wird klar: Die Ener­gie­wen­de soll mit vol­ler Absicht an die Wand gefah­ren wer­den. (sie­he dazu den sehr guten Arti­kel “Das Bes­te an der EEG-Novel­lie­rung: sie kann von Illu­sio­nen befrei­en”)

Mit die­sen Schlag­lich­tern, die bei wei­tem nicht die gesam­ten Aktio­nen umfas­sen, möch­te ich mich für die Zusam­men­ar­beit bedan­ken und freue mich auf wei­te­re gemein­sa­me Jah­re im Kampf für die dezen­tra­le Energiewende!

Ein Gedanke zu „Jah­res­rück­blick 2020“

  1. Eine her­vor­ra­gen­de Zusam­men­fas­sung der Aktivitäten.
    Es wird deut­lich der Wider­stand wächst und ist kein Stroh­feu­er, wie von vie­len Poli­ti­kern erhofft.
    Wir blei­ben am Ball.

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