Leserbeitrag: Resümee der Veranstaltung mit Prof. Hirschhausen

Ein Artikel von:
Thomas Knauber
Redakteur
Nordbayerische Nachrichten
Pegnitz
Telefon: 09241 971-25

Nach der überfüllten Veranstaltung mit Professor Dr. Christian Hirschhausen in Creußen, der sagt: Die Trasse ist unnötig.

Ch. v. H. war eingeladen von der Stadt, dem BN und den Grünen.
Helmut Korn, früher BN-Kreisvorsitzender: „In den ganzen 40 Jahren, wo ich beim BN bin, hab ich so ein Echo noch nicht erlebt.“ Es kamen Trassengegner aus Berg/Neumarkt, Ottensoos, Hollfeld, Weidenberg, Bayreuth und Riegelstein & Co sowieso.

Hier die wichtigsten Aussagen des Berliner Energiewirtschaftlers:

Der Bürgerprotest darf nicht nach der EU-Wahl „zusammenklappen wie ein Souflée“. „Sie hätten das mit der Trasse alles auch schon vor 3 Jahren wissen können.“ Der Trassenkampf jetzt wird Jahre dauern, und das intensiv.

Die Netzsituation in Deutschland ist entspannt. Es wird „relativ erfolgreich ein Märchen erzählt, dass die Trasse nötig ist für den Transport erneuerbarer Energie“.

Es ist eine Kohlestromleitung. Sie ist nicht nötig für Bayern/Deutschland. Es gibt keine energiewirtschaftliche Studie, die die Notwendigkeit belegt.

Der Bundesbedarfsplan wurde verabschiedet von Abgeordneten, die nicht wussten, was darin steht.

Die teuerste Energiegewinnung überhaupt ist die per Atomkraftwerk (AKW). „Da wurden Hunderte Milliarden Euro reingesteckt, womit man nie wirtschaftlich Strom produziert hat.“ Es ist eine Risikotechnik, die beendet werden muss.

Ähnlich teuer ist Kohlestrom, zusätzlich schädlich für Umwelt, Mensch, Land. Die hier gewonnene Kilowattstunde kostet in der Herstellung das Dreifache ihres Verkaufspreises. Deshalb besser eine Klimaschutz-Technologie anwenden (Wind, Sonne).

Es ist falsch, dass eine Grundlast (Basisverbrauch pro Tag) nur durch Kohlestrom gewährleistet werden kann. Wind/Sonne-Energie schaffen das auch.

Kohlekraftwerke werfen intensivst Kohlendioxyd raus. Das widerläuft der Energiewende.

Deutschland hat das stärkste und sicherste Stromnetz weltweit. Es ist ein Mythos, man müsse das Netz wegen Versorgungsinstabiltät ausbauen. Trotz Atomausstieg gibt es keine Lücken.

Schon wenn man eine 220 kV-Leitung auf 380 kV umstellt, ist ein Gigawatt (entspricht einem AKW) gewonnen. Darum war der Atomausstieg 2011 nach Fukushima problemlos möglich. 8 AKW wurden abgeschaltet ohne Folgen. Es sank sogar der Strompreis nach kurzem Hoch.

Man redet von einem neuen Kraftwerk bei Bad Lauchstädt, aber das ist Mär: es gibt keinen Investor. „Das ist ein Phantomkraftwerk.“

Tausende Menschen müssten umgesiedelt werden für zwei neue Kohlekraftwerke in der Lausitz. Dabei hat Bad Lauchstädt schon 10 Gigawatt rundum, durch die bestehenden Kraftwerke. „Und da soll mir mal einer erklären, dass er die neuen Trasseleitungen für Windenergie braucht!“

In einem Braunkohlegebiet gibt es 700 gr Kohlendioxyd pro KwH, in Deutschland 430, bei einer Wind/Solaranlage Null.

„Das AKW Grafenheinfeld m u s s Ende 2015 weg!“ Darauf  sollte man pochen.

Seit 1926 beziehen wir österreichischen Strom. „Auch deshalb ist die Trasse nicht nötig.“ Schließt man Braunkohlekraftwerke, fangen  die entstehenden Wind/Sonne-Anlagen in Süddeutschland das gut ab.

„Was ist Ihr Job als Zuhörer? Sie müssen vor Ihrer eigenen Tür kehren.“ D. h. jede Gemeinde hier muss zu 80 oder 85 Prozent zum Energie-Selbstversorger werden. „Es fängt bei Ihnen an!“

„Der Geist der Netzplaner atmet noch nicht die Energiewende.“

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Dann die Diskussion:

Manfred Neumeister aus Hollfeld: Die übergestülpte Trasse killt alle gemeindlichen Energieversuche.
„Wir müssen als Bürger zu 10 000en auftreten!“

Ein Creußener Stadrat: „Die Trasse ist gar nicht schlecht. Die hat uns aufgeweckt.“ Er prophezeit: Es kommt später eine Wasserstofftechnologie.

Dazu passte meine private Frage an den Professor: Kann man, wie es ein Herr in Donauwörth gegenüber Amprion ausführte, Strom über das Erdgasnetz leiten und spart sich so Trassen? Ch. v. Hirschhausen: Ja. Kein Problem. Man stellt mit dem Strom Methan her irgendwo, und schickt das durch die Erdgasrohre in jede gewünschte Ecke. (Danach rückwandeln in Strom, vermute ich.)

Reinhard Bauernfeind, Ottenhof: „Seien wir solidarisch mit den Braunkohle-KW-Gegnern in Norddeutschland, die den Schmutz und die Landzerstörung nicht haben wollen!“

v. Hirschhausen: „Gut, das der Bürger aus seiner Lethargie aufwacht. Vier Energiekonzerne dominieren seit 1949 das Land und die Politiker.“ Aber der Protest darf nicht im Sommer ersterben, so dass Amprion wieder allein da sitzt und schaltet und waltet. „Befassen Sie sich mit den Plänen!“

v. H.: Verkabelung ist kein Thema. Ist auch technisch und rechtlich nicht vorgesehen. Diese Million-Volt-Leitung ist ein Riesenschritt, unerprobt, „und da wird nicht in der Erde herumgespielt, solange ich nicht einmal weiß, wie es über der Erde funktioniert.“

v. H.: „Der Supergrit (Zusammenfassen) mit Energie europaweit ist gescheitert. Der Supergrit mit erneuerbarer Energie ist gescheitert. Drum kommt Kohlestrom rein.“

v. H.: Der Bundes-Energiebedarfsplan ist für die E-Firmen wie ein Wunschzettel zu Weihnachten. „Jeder schreibt alles rein, weil man weiß, es geht nur wenig.“ Aber die Konzerne wissen auch: Dieses Wenige genügt, um damit viel Geld zu verdienen.

Ein Trost: Dieser Plan wird 2016 noch einmal revidiert nach neuesten Erkenntnissen. Dafür ist Seehofers Moratorium (Aufschub) „sehr sinnvoll“, weil er Gelegenheit gibt, neue Erkenntnisse zu gewinnen.

v. H.: Eine tschechische Stromeinspeisung bei Arzberg kommt nicht, weil dafür ein Doppelkonverter nötig wäre.

v. H.: Es gibt schon eine Atomkraftwerk-Renaissance. In Brüssel liegt ein „extrem gefährlicher“ Vorschlag auf dem EU-Tisch:  Polen, Litauen und Bulgarien wollen AKWs bauen.

Die Hollfelder BI „Bürger unter Hochspannung“ (20 Jahre alt, gegründet gegen eine 110 kV-Leitung, 20 km lang) betont: Amprion geht es um Stromexport in Nachbarländer, nicht nach Südbayern.  (Dtld. exportierte 2013 so viel Braunkohlestrom wie noch nie). Sie holten schon damals Professor Jarras, dessen Buch v. H. als top empfahl: „Netzausbau für die Energiewende“ oder so ähnlich ist der Titel.

v. H.: Auch wenn das AKW Gundremmingen abgeschaltet wird, braucht man keine Stromtrassenlieferung als Ersatz. „Es geht ohne.“

Frage: sollte man nicht stillgelegte AKWs auf Gaskraftwerke umrüsten? v. H.: „Ich hab das Gefühl, es wird so kommen.“ Aber welcher Investor wird auf den 100en von Tonnen Atomrestmüll bauen, die in den AKW wie  Grafenrheinfeld lagern? „Es ist unverantwortlich, sich nicht mit diesem Müll zu befassen.“

Jürgen Lassauer, Ottensoos: „Nicht beschweren: Wir haben alle diese Politiker gewählt.“ Beim EEG sollte man die Großfirmen zur Kasse bitten, die den meisten Strom verbrauchen.

v. H.: Die Commerzbank (zu 25 % Miteigner der Amprion) wurde mit Steuerzahlermillionen vor der Pleite gerettet, und zieht jetzt 9,27 % Rendite aus den Ampriongeschäften zu Lasten der Bürger.

v. H.: „Kein Politiker hat eine Ahnung von den Daten“, die hinter dem Trassengeschäft stecken. Zu den Zuhörern: „Holen Sie sich Rechtsanwälte.“
Sofort nach Eröffnung der Planfeststellung durch Amprion/Bundesnetzagentur müsse man rechtlich vorgehen.

Dieter Hoch, Pottenstein, schlug vor, den Stromanbieter zu wechseln, hin zu EWS zum Beispiel (100 % regenerative Energie). v. H.: „Sie sollten das alle tun! Das ist in zwei Minuten erledigt, nach einem Anruf. Nicht so faul sein und nur das große Wort schwenken.“

Die TU Graz prüfte HÜG-Trassen im Westen von Deutschland. Eine wurde daraufhin am Rhein gestrichen. Eine andere zur Nordsee verschwand klanglos.

Dr. Uwe Goering, Pegnitz: „Wir müssen gegen die Lobbys in Berlin vorgehen, die unter Druck setzen.“

Meine Frage: Ist Terror gefährlich, z. B. ein Flugzeug, das in die Million-Volt-Leitung fliegt?  v. H.: „Es ist weniger gefährlich, als wenn ein Airbus auf ein Atommüllzwischenlager fällt. Diese Lager sind nicht gesichert. Da liegen Hunderte Tonnen. Darum sollten Sie sich kümmern. Das ist der größte Skandal der Nachkriegsgeschichte.“

v. H.: „Berlin ist nicht weit. Das Protestieren ist Ihr Job.“

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