Stel­lung­nah­me der Stadt Alt­dorf zum Netz­ent­wick­lungs­plan 2035 (2021)

Gra­fik: K. Frey

 

 

In der gera­de abge­lau­fe­nen mehr­wö­chi­gen Frist der Kon­sul­ta­ti­on des Netz­ent­wick­lungs­plans Strom 2035 (2021) konn­ten alle Bür­ge­rIn­nen, Kom­mu­nen und sons­ti­ge Ver­ei­ni­gun­gen zum Ende Janu­ar 2021 ver­öf­fent­li­chen NEP 2035 (2021) Stel­lung nehmen.

Die Stadt Alt­dorf hat in ihrer Stel­lung­nah­me die Maß­nah­me “Juralei­tung P53” abge­lehnt mit fol­gen­den Begrün­dun­gen (gekürz­te Fas­sung, voll­stän­di­ger Bei­trag im Anhang):

 

 

  1. Der NEP 2035 (2021) weist kei­ne recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit den rele­van­ten Anfor­de­run­gen an die Bedarfs­fest­stel­lung für Netz­aus­bau­vor­ha­ben auf, d.h. gel­ten­des euro­päi­sches Recht und die Maß­nah­men zur Sicher­stel­lung der ener­gie- und kli­ma­po­li­ti­schen Zie­le und Vor­ga­ben der Ener­gie­uni­on wer­den nicht ent­spre­chend berücksichtigt.
  2. Der NEP 2035 (2021) berück­sich­tigt nicht alle Details des Sze­na­rio­rah­mens und ist somit als nicht voll­stän­di­ger Netz­ent­wick­lungs­plan zur Kon­sul­ta­ti­on ver­öf­fent­licht worden.
  3. Die recht­li­che Anfor­de­rung der Berück­sich­ti­gung einer Kos­ten-Nut­zen-Ana­ly­se bei der Erstel­lung der natio­na­len Ener­gie- und Kli­ma­plä­ne muss auch bei der Pla­nung und Zulas­sung des Baus neu­er Ver­bin­dungs­lei­tun­gen beach­tet wer­den, d.h. der sozio­öko­no­mi­sche und öko­lo­gi­sche Nut­zen muss die Kos­ten über­stei­gen. Hier­bei müs­sen auch die Fol­ge­kos­ten des Netz­aus­baus berück­sich­tigt wer­den. Da dies bis dato nicht nach­ge­wie­sen wer­den konn­te, ist die Ein­stu­fung der Juralei­tung P53 als PCI-Lei­tung nicht vor­zu­neh­men (PCI = Vor­ha­ben von gemein­sa­mem Interesse).
  4. Das Netz­mo­dell der Ten­neT begrün­det den Netz­aus­bau mit einer zu hohen Strom­be­las­tung. Im NEP 2035 (2021) wer­den jedoch kei­ne Aus­sa­gen zum NOVA-Prin­zip (Netz­op­ti­mie­rung vor Ver­stär­kung vor Aus­bau) dar­ge­legt. Somit wird bei­spiels­wei­se eine Netz­ver­stär­kung durch Umbe­sei­lung (…) in keins­ter Wei­se berück­sich­tigt. Mit die­ser ein­fa­chen Maß­nah­me wäre es mög­lich, die von Ten­neT genann­te Über­las­tung voll­stän­dig zu beheben.
  5. Die Bewer­tung von Min­dest­ab­stän­den, gesund­heit­li­chen Gefah­ren wie auch die Aus­wir­kun­gen auf Fau­na und Flo­ra wer­den im NEP 2035 (2021) nicht berücksichtigt.
  6. Alter­na­tiv­op­tio­nen wie die Dop­pel­lei­tung zwi­schen den Umspann­wer­ken Irsching im Nor­den und Otten­ho­fen (380 kV) und Neufinsing (220 kV) im Süden, oder auch die Lei­tung von Schwan­dorf nach Plein­ting, wer­den nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt. Auch hier könn­ten Maß­nah­men zur Ver­rin­ge­rung von Über­las­tun­gen durch­ge­führt werden (…).
  7. Durch eine enge Koope­ra­ti­on zwi­schen Über­tra­gungs- und Ver­teil­netz­be­trei­bern wäre es mög­lich, wei­te­res Opti­mie­rungs­po­ten­ti­al zu wecken, bei­spiels­wei­se bei der Opti­mie­rung von älte­ren Bestands­lei­tun­gen. Lei­der sind in die­ser Rich­tung noch kei­ne Maß­nah­men berück­sich­tigt worden.
  8. Die Ertüch­ti­gung der Juralei­tung P 53 dient v.a. dem Umstand, dass die sel­te­nen Strom­spit­zen abge­deckt wer­den sol­len. Die Aus­las­tung der P53 wird von der Bun­des­netz­agen­tur ledig­lich mit 11%, die maxi­ma­le Aus­las­tung mit 40% ange­ge­ben (NEP 2019 (2030), B, S. 186). Dies wider­spricht jedoch der Ziel­set­zung einer kos­ten­güns­ti­gen Strom­ver­sor­gung.
  9. Es erfolgt bei der Erar­bei­tung der deut­schen Netz­ent­wick­lungs­plä­ne weder eine Berück­sich­ti­gung der Strom­pro­duk­ti­ons- und Netz­aus­bau­kos­ten noch der Aus­wir­kun­gen der diver­sen Maß­nah­men zur Redu­zie­rung der Stromversorgungskosten.
  10. Die im NEP 2035 (2021) pro­gnos­ti­zier­ten, erheb­lich gerin­ge­ren Strom­ex­por­te in Rich­tung Öster­reich und Schweiz soll­ten eine neue Prü­fung der Not­wen­dig­keit der Juralei­tung P53 nach sich zie­hen, was bis dato nicht erfolgte.

Fazit:
Die Erfor­der­lich­keit der Maß­nah­men des Pro­jek­tes Juralei­tung P 53 konn­te im NEP 2035 (2021) nicht belegt werden.
Kos­ten-Nut­zen-Ana­ly­sen und die Bestä­ti­gung des Bedarfs sind bis heu­te nicht erfolgt, recht­li­che Vor­ga­be und aktu­el­le Details wer­den nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt. Bei­spiels­wei­se erfolgt auch die Ein­bin­dung der Sta­ke­hol­der, wie Kom­mu­nen, Gesell­schaft und Ver­bän­de bzw. Ver­ei­ne, nur sehr gering­fü­gig, d.h. Beden­ken und kon­struk­ti­ve Kri­tik wie auch Vor­schlä­ge wer­den in der Regel ignoriert.

Das Ziel einer erneu­er­ba­ren, dezen­tra­len, regio­na­len und bezahl­ba­ren Ener­gie­wen­de wird mit den Maß­nah­men aus den Netz­ent­wick­lungs­plä­nen und der intrans­pa­ren­ten Vor­ge­hens­wei­se nicht erreicht wer­den können!

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