Stim­men aus dem Baye­ri­schen Land­tag nach dem Ener­gie­dia­log: “Lassen’s die Oppo­si­ti­on. Die spielt über­haupt kei­ne Rol­le.”

von Dör­te Hamann

Die Oppo­si­ti­on, allen vor­an Nata­scha Koh­nen von der SPD und Lud­wig Hart­mann von den Grü­nen, lie­fern lei­der noch schlech­te­re Vor­schlä­ge für die zukünf­ti­ge Ener­gie­ver­sor­gung Bay­erns als Ilse Aigner. Die­se hat immer­hin muti­ge Wor­te gefun­den, die den Ver­tre­tern von Wirt­schafts­ver­bän­den, Gewerk­schaf­ten und der Ener­gie­lob­by am Ende des Ener­gie­dia­lo­ges deut­lich sicht­bar das sie­ges­si­che­re Grin­sen im Gesicht gefrie­ren lie­ßen.

Aigner selbst steht jetzt vor einer rie­si­gen Chan­ce für ihre poli­ti­sche Kar­rie­re — wenn See­ho­fer sie lässt: Ein radi­ka­ler Schritt, die For­de­rung nach einem inno­va­ti­ven Modell für den Ener­gie­markt, der Mut zum Aus­bau einer dezen­tra­len Ver­sor­gung (ohne 10H) und die Abkehr von allen HGÜ-Tras­sen sind im Grun­de genom­men die ein­zi­ge Mög­lich­keit, um dau­er­haft die Glaub­wür­dig­keit der Ener­gie­po­li­tik der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung zu gewähr­leis­ten. Doch das ist wahr­schein­lich alles zu revo­lu­tio­när, also wird´s bald wie­der inter­es­sant wer­den.

Die Wirt­schafts­mi­nis­te­rin hat den Schwar­zen Peter für wei­te­re Ent­schei­dun­gen jedoch nicht abge­ge­ben, weil sie es so woll­te, wie es in man­chen Pres­se­be­rich­ten kom­men­tiert wird, son­dern es blieb ihr gar kei­ne ande­re Wahl: Schon kurz vor Ende des Ener­gie­dia­lo­ges hat See­ho­fer noch ein­mal in einem Fern­seh­in­ter­view betont, dass die Gesprä­che mit Sig­mar Gabri­el Chef­sa­che sei­en. Was er dar­aus macht, wer­den wir sehen.

Lei­der sind in Aigners Rede zum Ende des Ener­gie­dia­lo­ges Ansät­ze für eine Grät­sche zu erken­nen, und die­se Grät­sche wird schmerz­haft, da ver­sucht wird, zwei unmög­lich zu ver­ein­ba­ren­de Kon­zep­te zu ver­ei­nen: Soll­te ihre Lösung für die Tras­sen­glei­chung 2 — x ; x = 1 lau­ten, so war´s das mit der Ener­gie­wen­de. Denn eine hal­be Ener­gie­wen­de kann es nicht geben (und bei x = 0 kann die baye­ri­sche Poli­zei gleich ihren Bestand an Was­ser­wer­fern auf­sto­cken, denn der Tras­sen­kor­ri­dor ist lang…)

Ent­we­der Aigner ent­schei­det sich für eine Vor­rei­ter­rol­le in Sachen Erneu­er­ba­re Ener­gi­en, oder sie ver­sucht, es allen Recht zu machen, was eines der sinn­lo­ses­ten und selt­sa­mer­wei­se trotz­dem ein sehr häu­fig prak­ti­zier­tes Unter­fan­gen in der Poli­tik ist, da dies immer zu Kon­tur­lo­sig­keit führt und dazu, dass letzt­end­lich gar nichts erreicht wird. Grund­satz­ent­schei­dun­gen über Groß­struk­tu­ren für die zukünf­ti­ge Ener­gie­ver­sor­gung wer­den jetzt getrof­fen, und auch nur eine Tras­se ist das Ja zum euro­päi­schen Strom­markt mit einem Ja zum Han­del von Koh­le- und Atom­strom durch deut­sche Strom­tras­sen.

In weni­gen Jah­ren und mit einer geziel­ten Inves­ti­ti­on in Spei­cher­mög­lich­kei­ten wer­den die­je­ni­gen Recht behal­ten, die Tras­sen als aus­ster­ben­de Art erkannt haben. Es muss der CSU in Ber­lin gelin­gen, dem über­di­men­sio­nier­ten Netz­aus­bau den Kampf anzu­sa­gen, sonst ste­hen Aigner und See­ho­fer wie­der dort, wo sie am Beginn des Ener­gie­dia­lo­ges gestan­den hat: Sie wol­len die Tras­sen nicht, aber sie haben nichts zu sagen.

Noch weni­ger zur Ener­gie­wen­de bei­zu­tra­gen haben aber offen­sicht­lich die Sig­mar-Gabri­el-höri­ge SPD und die Rai­ner-Baa­ke-höri­gen Grü­nen. Hart­manns Mot­to ist, und die SPD mit Koh­nen und Rin­der­spa­cher schei­nen sich dem kri­tik­los anzu­schlie­ßen: “Lie­ber eine Tras­se zu viel als zu wenig”. Kon­kre­te Bemü­hun­gen für eine Ener­gie­wen­de Made in Bay­ern abseits von Koh­le­strom-HGÜ-Tras­sen, die sie noch immer als Wind­strom­tras­sen ver­kau­fen wol­len, haben die­se Volks­ver­tre­ter bis jetzt defi­ni­tiv nicht gelie­fert. Und für den ener­gie­po­li­ti­schen Null­den­ker der Grü­nen Mar­tin Stümp­fig kann es nur hei­ßen: “Set­zen, sechs!”.

Da ist es dann schon ein wenig amü­sant und durch­aus tref­fend, wenn See­ho­fer sagt: “Lassen’s die Oppo­si­ti­on. Die spielt über­haupt kei­ne Rol­le.” Da hat er Recht, vor allem was inno­va­ti­ve Ide­en anbe­langt — pures Dage­gen. Nach­dem die “Wut­bür­ger” im Ener­gie­dia­log mit Vehe­menz und erstaun­lich effi­zi­ent gegen die Über­macht der Lob­by­is­ten ange­kämpft haben, schlägt nun die Stun­de der “Wut-Poli­ti­ker”. Wenn die Oppo­si­ti­on aus poli­tisch-stra­te­gi­schen Grün­den jetzt nicht selbst kon­struk­tiv wird und den Ball auf­fängt, den Aigner etwas ziel­los in die Luft gewor­fen hat, dann macht sie sich selbst der Ver­hin­de­rung der Ener­gie­wen­de in Bay­ern schul­dig. Auch das wer­den wir Wäh­ler nicht ver­ges­sen.

http://m.welt.de/regionales/bayern/article137080909/Opposition-spottet-ueber-Aigners-Energiedialog.html

Hier der Link zum Inter­view vom 29.01.15. Inter­es­sant ab Minu­te 7:20.

http://www.muenchen.tv/mediathek/kategorie/sendungen/menschen-in-munchen/video/menschen-in-muenchen-horst-seehofer/

4 Gedanken zu „Stim­men aus dem Baye­ri­schen Land­tag nach dem Ener­gie­dia­log: “Lassen’s die Oppo­si­ti­on. Die spielt über­haupt kei­ne Rol­le.”“

  1. In einer Hin­sicht bin ich völ­lig ande­rer Mei­nung wie Ihr. Dezen­tra­li­sie­rung der Strom­ver­sor­gung bedeu­tet kei­nes­falls mehr Wind­tur­bi­nen. Es gibt Zei­ten (so im letz­ten Juli oder Sep­tem­ber) da gibt es über meh­re­re Wochen groß­flä­chig kei­ner­lei Wind bei uns. Dar­aus ergibt sich die zwin­gen­de Not­wen­dig­keit, dass wir Ersatz­ka­pa­zi­tä­ten bereit stel­len. Nach­dem zur Zeit Koh­le- und Atom­strom kei­ne akzep­ta­blen Alter­na­ti­ven sind, benö­ti­gen wir Gas­kraft­wer­ke!
    Wind­tur­bi­nen arbei­ten in Süd­deutsch­land so inef­fi­zi­ent, dass sie nur durch abso­lut über­höh­te EEG-För­de­rung für Betrei­ber inter­es­sant sind. Und selbst damit sind die immer dicht an oder unter der Ren­ta­bi­li­täts­gren­ze.
    Des­we­gen muss Dezen­tra­li­sie­rung “Bau von Gas­kraft­wer­ken“und “Inves­ti­ti­on in Spei­cher­tech­no­lo­gie­ne und neue Ener­gie­for­men” hei­ßen. Die 10H-Rege­lung blo­ckiert nicht die Ener­gie­wen­de — sie ver­hin­dert eher, dass noch mehr Geld für Pro­jek­te ver­brannt wird, die kei­nes­falls geeig­net sind, lang­fris­tig eine zuver­läs­si­ge Strom­ver­sor­gung zu sichern.

  2. Ich sehe die Sache mit dem Schwar­zen Peter etwas anders. Der liegt nun mal jetzt bei Sig­mar Gabri­el, denn die Schaf­fung der von Aigner gefor­der­ten Rah­men­be­din­gun­gen ist Sache des Bun­des. Sig­mar Gabri­el hat sich den Schwar­zen Peter qua­si selbst zuge­scho­ben, indem er stets vehe­ment die Not­wen­dig­keit aller HGÜs ver­tei­digt hat.
    Am 29.07. in Nürn­berg war er gedank­lich auch schon mal wei­ter, als er kon­sta­tier­te, dass „die­se Tras­se“, also die HGÜ Süd Ost so nicht kom­men wer­de. Er ist jedoch wie­der vor der Ener­gie­lob­by ein­ge­knickt, dass sieht man auch ganz klar an sei­nen Wen­de­ma­nö­vern in Novem­ber und Dezem­ber, als es um CO2 Reduk­tio­nen der Ener­gie­wirt­schaft und der Indus­trie ging. Da hat man ihm flugs sei­ne Gren­zen auf­ge­zeigt und Gabri­el war folg­sam.
    Ich habe den Ein­druck, dass Horst See­ho­fers Kampf­geist durch den ste­ti­gen Wider­stand der Lob­by­is­ten erst rich­tig geweckt wur­de. Wir wer­den bald sehen, was pas­siert. Die Bay­ern – SPD wird der­zeit über­wie­gend von Koh­nen reprä­sen­tiert und die hat wohl genaue Wei­sun­gen von ihrem Par­tei­vor­sit­zen­den bekom­men und ist stän­dig am jam­mern und kla­gen und rück­wärts­ge­wandt. Lud­wig Hart­mann darf wohl selbst ent­schei­den, was er sagt und man sieht ja das Ergeb­nis. Unwis­send gebo­ren und nichts dazu­ge­lernt hat man das in mei­ner Jugend genannt. Die­se Oppo­si­ti­on kann man wirk­lich ver­ges­sen.

    1. Grund­sätz­lich gebe ich dir Recht, Maria, wenn du sagst, die Ent­schei­dung wird in Ber­lin getrof­fen. Dort ist es aber nicht allein Gabri­el, der das Sagen hat, son­dern das wird sicher­lich gemein­sam ent­schie­den, und somit könn­te sich auch See­ho­fer hin­ter­her nicht her­aus­re­den, dass er in Sachen Tras­sen nichts hat machen kön­nen — das wäre auch pein­lich für ihn, weil es macht­los wir­ken wür­de.

      Ich glau­be nicht, dass der Schwar­ze Peter von Gabri­el genau der glei­che sein kann wie der, den Aigner gera­de abge­ge­ben hat. Am „baye­ri­schen Schwar­zen Peter“ hän­gen spe­zi­fi­sche Inter­es­sen der CSU, wie dem Erhalt der guten Wahl­er­geb­nis­se und dem Ruf als star­ke Par­tei im Bund, die sich von Ber­lin nicht alles dik­tie­ren lässt.

      Um der CSU die Wäh­ler­stim­men zu erhal­ten, wird Gabri­el sich sicher nicht ins Zeug legen, dass er die Tras­sen ver­hin­dert, im Gegen­teil, ein Grund mehr für ihn, sie durch­zu­set­zen. Sein Schwar­zer Peter hat ande­re Schwer­punk­te: Einer­seits muss er es den Koh­le-Lob­by­is­ten Recht machen, aber gleich­zei­tig fürch­tet er die mög­li­chen Kla­gen von Bür­gern und Gemein­den, die Sche­re­rei­en, wenn die Tras­sen tat­säch­lich rea­li­siert wer­den sol­len und die Bau­stel­len von Demons­tran­ten umzin­gelt wer­den – das weiß auch er, dass dies ein gro­ßes Fass ist, dass er mit dem Bau der Tras­sen auf­macht. Und dies kos­tet nicht nur die CSU, son­dern auch die SPD Wäh­ler­stim­men.

  3. Von den Grü­nen bin ich am Meis­ten ent­täuscht-ver­bin­det man doch mit den Grü­nen auto­ma­tisch Kli­ma- ‚Natur­schutz und Atom­kraft­geg­ner. Wel­cher Strom letzt­end­lich durch die Tras­sen flie­ßen soll , scheint Lud­wig Hart­mann und CO schlicht­weg egal zu sein oder glaubt er allen Erns­tes, daß eine 4 GW-Lei­tung, nur Wind und Solar­strom trans­por­tiert, wenn die­ser ver­füg­bar ist-sonst nichts? Auch in der Münch­ner Run­de am 03.02. gab es meh­re­re “Themaverfehlungen”:(www.br.de/mediathek/video/sendungen/muenchner-runde/muenchner-runde112.html )
    Wäh­rend vie­le Grü­ne an der Basis auch sehen, daß Strom­tras­sen und Ener­gie­wen­de nicht zusam­men­pas­sen, ist für die Grü­nen­gar­de alles klar: Die Tras­sen sol­len zahl­reich kom­men und dann wird alles unter die Erde gelegt-das geht ers­tens gar nicht und zwei­tens wür­de auch das mas­si­ve Ein­grif­fe in die Natur bedeu­ten. Lei­der sind Hart­mann und CO in Ihrer Denk­wei­se ste­hen­ge­blie­ben und haben noch nicht begrif­fen was Ener­gie­wen­de wirk­lich bedeu­tet. Man­che lernen´s halt erst, wenn sie die Wahl­er­geb­nis­se in Hän­den hal­ten. Die FDP hat´s ihnen vor­ge­macht!
    Ach ja , noch ein Wort zu Frau Koh­nen , die auch immer nur jam­mert , daß sie damals ja nur in der Oppo­si­ti­on waren, als das Tras­sen­be­schleu­ni­gungs­gestz beschlos­sen wur­de. Daß alle Par­tei­en dafür gestimmt haben (auch die SPD) scheint sie wohl “ver­ges­sen” zu haben. Nur die Lin­ken hat­ten schon damals dage­gen­ge­stimmt. Die Grü­nen hat­ten sich ent­hal­ten (da fragt man sich schon, wofür sie ihr Geld eigent­lich bekom­men).
    Also ich muß für mein Geld hart arbei­ten.

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