Wirr­warr bei der Tras­sen­pla­nung: Weder Ver­läu­fe noch Kos­ten geklärt

Die Ver­öf­fent­li­chung der mög­li­chen Tras­sen­ver­läu­fe der Süd-Ost-Tras­se hat eines gezeigt: Es ist Netz­be­trei­ber Ten­neT noch immer nicht gelun­gen, für aus­rei­chend Klar­heit zu sor­gen, wo die Gleich­strom­tras­sen tat­säch­lich ver­lau­fen sol­len. Statt­des­sen soll dro­hen­der Pro­test zer­streut wer­den – wer tat­säch­lich betrof­fen sein könn­te, wird erst noch ent­schie­den. Noch immer feh­len wis­sen­schaft­li­che Bele­ge für die Not­wen­dig­keit der Tras­se.

In der Kos­ten­fra­ge gehen die Schät­zun­gen von Baye­ri­scher Staats­re­gie­rung und pla­nen­dem Netz­be­trei­ber Ten­neT mit einer Span­ne von 250 Pro­zent aus­ein­an­der. Sicher ist: Die unter­ir­di­schen Strom­tras­sen wer­den die Strom­kun­den vie­le Mil­li­ar­den Euro kos­ten, ohne dass deren Bedarf für die Grund­ver­sor­gung Bay­erns mit Fak­ten belegt wur­de. Allein dies ist ein skan­da­lös unpro­fes­sio­nel­les Vor­ge­hen, das die Öffent­lich­keit nicht kri­tik­los hin­neh­men darf.

Die soge­nann­ten „Netz­be­glei­ten­den Foren“ von Ten­neT sind nur einem aus­ge­wähl­ten Kreis von Teil­neh­mern zugäng­lich. Der Ver­lauf der Lei­tun­gen soll hin­ter ver­schlos­se­nen Türen ent­schie­den wer­den. Der Netz­aus­bau in Bay­ern ist jedoch kei­ne Pri­vat­an­ge­le­gen­heit von Netz­be­trei­bern, Staats­re­gie­rung und unmit­tel­ba­ren regio­na­len Anlie­gern, son­dern geht alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger etwas an. Wir for­dern die Staats­re­gie­rung und Ten­neT des­halb dazu auf, ein Mora­to­ri­um über die unaus­ge­go­re­nen Plä­ne zu ver­hän­gen und auch mit dem Akti­ons­bünd­nis, dem BUND Natur­schutz und Ver­tre­tern der dezen­tra­len Ener­gie­wen­de das Gespräch zu suchen.

Die Tak­tik des Netz­be­trei­bers bei der Suche nach dem geeig­ne­ten Tras­sen­ver­lauf hal­ten wir für mora­lisch frag­wür­dig. Den Betrof­fe­nen wird ein Irr­gar­ten an mög­li­chen Tras­sen­ver­läu­fen vor­ge­legt, um sie dann dazu auf­zu­for­dern, sich gegen­sei­tig die Lei­tun­gen zuzu­schie­ben. Dies ist eine Hul­di­gung an das Sankt-Flo­ri­ans-Prin­zip und gesell­schaft­lich ver­ant­wor­tungs­los.

Die Behaup­tung, die Ent­schei­dung für die Tras­sen sei ein demo­kra­ti­scher und trans­pa­ren­ter Pro­zess gewe­sen, stel­len wir in Fra­ge. Schon im Dezem­ber 2015 wur­de deut­lich: Statt die im Ent­wurf des Netz­ent­wick­lungs­plans 2025 alter­na­tiv vor­ge­leg­ten Lei­tungs­füh­run­gen nach Gund­rem­min­gen oder nach Isar ver­glei­chend zu prü­fen, wur­de durch eine schnel­le gesetz­li­che Fest­le­gung die eigent­lich vor­ge­schrie­be­ne Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung aus­ge­he­belt. Die­se hand­streich­ar­ti­ge Strom­netz­pla­nung ist eine Umge­hung der ordent­li­chen Ver­fah­ren zum Netz­aus­bau. Nicht zuletzt ist der Netz­ent­wick­lungs­plan laut Aar­hus Kon­ven­ti­on nicht rechts­kon­form.

Die Behaup­tung, ab jetzt gehe es  nur noch um das Wie, nicht mehr um das Ob, ist nicht mehr als ein Wunsch­den­ken von Ener­gie­kon­zer­nen mit kon­kre­ten wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen, um schein­ba­re End­gül­tig­kei­ten zu schaf­fen. Die kri­tik­lo­se Unter­stüt­zung die­ser Kon­zern­po­li­tik durch die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung ist ein Ver­rat an den Inter­es­sen der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger.

Wir sagen: Es sind alle Fra­gen offen.

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2 Gedanken zu „Wirr­warr bei der Tras­sen­pla­nung: Weder Ver­läu­fe noch Kos­ten geklärt“

  1. Die Intrans­pa­renz der Pla­nungs­be­glei­ten­den Foren wur­de soeben noch ein­mal tele­fo­nisch von Ten­neTs “Bür­ger­re­fe­ren­tin” Caro­lin Kürth bestä­tigt: Es ist Ten­neT unmög­lich, zwei Ver­tre­ter des Akti­ons­bünd­nis­ses bei einer Ver­an­stal­tung als Beob­ach­ter zuzu­las­sen, mit der Begrün­dung, dass der fest­ge­leg­te geschlos­se­ne Kreis nicht erwei­tert wer­den darf. Da wir in den letz­ten Tagen Anfra­gen der Pres­se zu die­sem The­ma hat­ten, wäre es sicher­lich von Vor­teil gewe­sen, wenn unse­re ers­ten nega­ti­ven Ein­drü­cke nicht noch ver­stärkt wor­den wären. Trans­pa­renz ist Fehl­an­zei­ge. Die Türen sind geschlos­sen.

  2. Inter­es­sant-wer bestimmt denn da, für wen sich die Türen beim pla­nungs­be­glei­ten­den Forum öff­nen? Muß man recht­zei­tig eine Num­mer zie­hen oder setzt sich der geschlos­se­ne Kreis nur aus erlauch­ten Men­schen zusam­men, die kei­ne unan­ge­neh­men Fra­gen stel­len oder eine ande­re Mei­nung ver­tre­ten? Lie­be Frau Kürth, mit die­ser Aus­sa­ge machen Sie sich als BÜR­GER­re­fe­ren­tin ein­fach nur unglaub­wür­dig-das ist all­mäh­lich echt schon pein­lich! Sie soll­ten Ihre Berufs­be­zeich­nung bei Ten­net schleu­nigst ändern: Bür­ger­aus­gren­ze­rin. Im Übri­gen ver­sto­ßen Sie damit gegen die Aar­hus Kon­ven­ti­on, aber das wis­sen Sie ja bereits. Zudem war­te ich immer noch auf eine Ant­wort von Ihnen bezüg­lich mei­ner Fra­ge zu den ange­prie­se­nen Ver­an­stal­tun­gen, von denen ich im Ten­net Ver­an­stal­tungs­ka­len­der lei­der nichts fin­den konn­te. Oder muß man da etwa ein Paß­wort ein­ge­ben, damit sich die Ter­mi­ne dort einem inter­es­sier­ten Bür­ger eröff­nen?
    Mit freund­li­chen Grü­ßen
    Ani­ta Die­min­ger

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