BI Walting wendet sich an die BNetzA

Die Bürgerinitative Walting war im Juni zum Dialog bei der Bundesnetzagentur anwesend. Dort wurden einige Fragen nicht zu 100 Prozent geklärt. Aus diesem Grund hat die BI in einem Brief an die BNEtzA gewendet. Wir sind auf die Antwort gespannt.


Bürgerinitiative trifft Bundesnetzgentur – unbefriedigende Antwort von leitenden Persönlichkeiten

Walting, den 04.07.2014

Sehr geehrte Damen und Herren, 

bei der Veranstaltung „Bürgerinitiative trifft Bundesnetzagentur“, am 28.06.2014, bekam ich in der Schlussphase dieses Ereignisses eine Antwort auf eine Frage die mich immer noch beschäftigt. 

Die Frage lautete: „Ab welcher Länge sind Freileitungen in HGÜ-Technik wirtschaftlicher als in Drehstromtechnik?“ 

Meine Frage zielte auf die geplante Gleichstrompassage Süd – Ost, zwischen Bad Lauchstätt und Meitingen, mit einer Länge von 450 km ab.

Die Antwort von Herrn Jochen Homann mit Herrn Dr. Heinz-Jürgen Scheid und einem weiteren Herren beschrieb eine wirtschaftlichen Vorteil von Freileitungen in HGÜ-Technik gegenüber Freileitungen in Drehstromtechnik ab einer Länge von 400 km bis 500 km (sehr ungenaue Angabe). 

Diese Ausage weicht von der Längenangabe der HGÜ-Technologieentwicklerin / -vertreterin, d. h. der Firma Siemens erheblich ab. Diese beschreibt in ihrem „Fact Sheet“ einen wirtschaftlichen Vorteil mit der HGÜ-Technik  erst ab ca. 600 km, zu finden unter 
www.siemens.com/press/pool/de/events/2012/energy/2012-07-wismar/factsheet-hgue-d.pdf

Da die drei Herren keine genauen Längenangaben machen konnten, variiert die Differenz zu der Längenangabe von Siemens zwischen 100 km und 200 km. 

Der dritte Mitarbeiter (Name leider vergessen) betonte zusätzlich die Notwendigkeit der Konverterstationen, da diese zur Netzstabilität beitragen werden. 

In einem Beitrag vom MDR, zu finden unter www.mdr.de/mediathek/fernsehen/video194784_zc-7931f8bf_zs-2d7967f4.html
wird von einem führenden Mitarbeiter von „50 Hertz“ beschrieben, dass die Netzstabilität durch die vorhandenen Kohlekraftwerke gewährleistet ist. 

Da die Differenz bei den Längenangaben erheblich variiert und der Ausbau der Energieerzeugung durch Kohlekraftwerke (u. a. mit neu gebauten Kohlekraftwerken – mit in Deutschland abgebauter und aus dem Ausland importierter Kohle) in Deutschland stark forciert wird, ist der Bau von HGÜ-Freileitungen mit Konvertern hier nicht nachvollziehbar.

Ausgenommen, die von Amprion (Verastaltungen Hof, Nürnberg, Donauwörth) beschriebene Leistung von 2 GW entspricht nicht den Tatsachen und wird erheblich gesteigert (Verstärkung des Systems Güstrow – Bad Lauchstätt von 2 GW auf 4 GW ist angedacht, siehe Netzentwicklungsplan 2014, S. 241, Szenario B 2034).

Dann handelt es sich um eine bewusste Täuschung der Bevölkerung um sich deren Akzeptanz für die Gleichstrompassage Süd – Ost zu erschwindeln.

Bei den von der Bundesnetzagentur und Amprion mit 50hertz genannten Baukosten von (mindestens) einer Milliarde Euro (Bad Lauchstätt – Meitingen) ist der Bau der Leitung ebenfalls nicht nachvollziehbar, da sich faktisch daraus kein wirtschaftlicher Vorteil erzielen lässt. Die Verbraucher würden durch den Neubau nur zusätzlich belastet. 

Was wäre wenn die Baukosten allein von Amprion mit 50hertz getragen werden müssten? Würde sich die Investition dann immer noch rechnen?
Hier trägt der Bund (die Bürger) 50 % der Kosten und 50 % Amprion mit 50hertz. Die Netzbetreiber holen sich ihre Investitionskosten vom Verbraucher zurück. 
Eine Rendite von über 9 % ist garantiert.

(Was geschieht eigentlich mit den freiwerdenden Netzkapazitäten nach Abschaltung der deutschen Kernkraftwerke?)

Es wird auch immer nur von einem Energieausgleich (erneuerbare Energien) vom Norden der BRD in den Süden und umgekehrt gesprochen. 
Was ist mit der Mitte der BRD, braucht man dort keinen Strom aus erneuerbaren Energien? 

Die HGÜ-Technik beinhaltet immer nur einen Anfangs- und Endpunkt. Dazwischen es gibt keine Ein- / Ausspeisung ohne Konverter.

Wird  z. B. über die SÜD-Link-Trasse (Länge ca. 800 km) Windstrom aus dem Norden transportiert um ihn dann wieder über Wechselstromleitungen 400 km zurück zu schicken? 
Oder es wird gleich Windstrom vom Norden in die Mitte Deutschlands transportiert (+ / – 400 km). Es entstehen wieder Verluste.

Dieses Beispiel lässt sich auch auf die anderen geplanten Gleichstomtrassen anwenden. Außerdem erhärtet sich der Verdacht, dass es sich in diesen Fällen um keine reinen Gleichstromtrassen handelt, sondern um Kombinationen mit Wechselstromleitungen.

Mit dem Ausbau dezentraler Energieerzeugung vor Ort gäbe es nur geringe Transportverluste. Die Kosten für die Verbraucher würden sich drastisch reduzieren 
(vorallem wenn bei den Kommunen / Gemeinden auch die Versorgungsnetze in eigener Hand lägen). Das ist nicht im Interesse der Konzerne und anderen Interessensgruppen. Amprion liegt anteilsmäßig in den verschiedensten Händen. RWE, Commerzbank (teilverstaatlicht), Ärztepensionfont, etc..

Anteile von RWE ruhen wiederum in anderen Händen. U. a. auch bei einigen Kommunen. Die Stadt Essen ist Aktionärin bei RWE. Die Stadt fürchtete Anfang des Jahres um ihre Einkünfte (~ 19 Mio. Verlust), da RWE-Aktien an Wert verloren. Die Aktie hat sich erholt, mit massiver politischer Hilfe. RWE war nicht existenziell bedroht, die Einnahmen in gewohnter Höhe blieben aus. 

Da sollten eigentlich die Bürger nicht mehr verwundert sein, dass Amprion (mit 50hertz), Netzbetreiber (ich beziehe mich weitgehend auf die Gleichstrompassage Süd – Ost, zwischen Bad Lauchstätt und Meitingen) als ausführendes Unternehmen mit der Bedarfplanung beauftragt worden ist.

Seltamerweise sind die Bürger doch irritiert, auch nicht Betroffene. 

Die Rolle der Bundesnetzagentur ist dabei auch nicht unumstritten. Als genehmingende Behörde untersteht sie direkt dem Bundeswirtschaftministerium.

Oberster Dienstherr ist Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Siegmar Gabriel.

Die Politik von Siegmar Gabriel ist für die Bürger nicht verständlich.

Diese soll der Energiewende dienen, dem Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung. Aber erneuerbare Energieerzeugung wird gebremst, Energieerzeugung mit Braunkohle (CO2 intensiv) wird ausgebaut, Fracking rückt in den Fokus, eine „Sonnensteuer“ bei PV-Anlagen steht an und in Bayern verfolgt man angestrengt eine „10 H-Regelung“, u. s. w..

Neben der Energiepolitik arbeitet unsere Regierung an weiteren Projekten, wie z. B. „Genmais“ und Freihandelsabkommen, welche das Vertrauen der Bürger in die Politiker nicht fördern. Der zu erwartende Profit bestimmt den Kurs. 

Eine ihrer Mitarbeiterinnen, welche den Workshop „Bürgerbeteiligung“ bei „Bürgerinitiative trifft Bundesnetzgentur“ (am 28.06.2014) moderierte, wunderte sich über mein mangelndes Vertrauen zu Amprion.

Sie wunderte sich aber auch über mein mangelndes Vertrauen zur Bundesnetzagentur. 
Zitat: „Sie trauen weder Amprion noch der Bundesnetzagentur“.

Wundert Sie das, meine Damen und Herren? 

Vertrauen von Betroffenen zu erwarten ist nicht selbstverständlich. Vor allem nicht für eine nicht unabhängige, genehmingende Behörde, wie die Bundesnetzagentur. 

Dazu erwarten wir mehr als eine Veranstaltung „Bürgerinitiative trifft Bundesnetzgentur“ (es sollte eigentlich heißen: „Bundesnetzagentur trifft Bürgerinitiativen“). 

Wie soll Vertrauen entstehen, wenn Teilnehmer feststellen, dass sie mehr Wissen mitbringen als der Veranstalter (viele Teilnehmer haben das vor Ort festgestellt)? 

Wie soll Vertrauen entstehen, wenn in der Schlussphase herauskommt, dass sich technische Angaben von Siemens und der Bundesnetzagentur gravierend unterscheiden? 

Wie soll Vertrauen entstehen, wenn Herr Jochen Homann mit Herrn Dr. Heinz-Jürgen Scheid einfach dementieren, die Verstärkung des Systems Güstrow – Bad Lauchstätt 
von 2 GW auf 4 GW ist nicht angedacht, obwohl es im Netzentwicklungsplan 2014, S. 241, für das Szenario B 2034 beschrieben ist? 

Wie soll Vertrauen entstehen, wenn eine Vertreterin einer Bürgerinitiative (Frau Norma Köser-Voitz) am Anfang der Veranstaltung berichtet, man könne „ihre“ Trasse nicht mehr verhindern? Jetzt gehe es nur noch um Verträglichkeit mit den Bürgern und der Umwelt.

Wie soll Vertrauen entstehen, wenn man gesundheitliche Aspekte, vor allem bei uns in der BRD, herunterspielt? Man beruft sich auf den Gesetzgeber und auf das Bundesamt für Strahlenschutz. 
Es ist bekannt, dass das Krebsrisiko in der Nähe von Stromtrassen sehr hoch ist. (Vorallem bei Kindern, den Schwächsten, den Wertvollsten in unserer Gesellschaft (geburtenschwaches Deutschland).

Unter einer Hochspannungsleitung beträgt das Krebsrisiko 100 %, zu finden unterwww.juramagazin.de/Handlungsbedarf-besteht-auch-bei-vorhandenen-Wohngeb%C3%A4uden-Schulen-und-Kinderg%C3%A4rten-in-der-N%C3%A4he-von-Hochspannungsleitungen undwww.pro-oespel.de/risiko_hochsp.htm und allgemein unter www.google.de/search?q=Abstandsregel+bei+Stromleitungen+zu+Wohngebäuden&ie=utf-8&oe=utf-8&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a&channel=np&source=hp&gws_rd=cr&ei=N7TwUq_kK8fKtAaTkoDgAw.

Bei der HGÜ-Technik wird behauptet: Es gibt keine bekannten Krankheitsfälle.

Wie auch. Wurde diese Technik noch nie in einem so dicht besiedelten Land, wie in der BRD, angewendet. Die Gleichstrompassage Süd – Ost zwischen Bad Lauchstätt und Meitingen wird in der Bundesnetzagentur offiziell als Pilotprojekt geführt.

Widersprechend ist, dass Medikamente und andere Technologien oft jahrelang geprüft werden, bevor sie auf den Markt kommen. Warum nicht bei HGÜ-Technik?

In anderen Ländern (z. B. Schweiz, Amerika, Schweden, u. a.) senkt man die Grenzwerte, legt große Abstände fest oder baut Stromleitungen in der Nähe von sensieblen Bereichen (Wohnen, Schule, Kindergarten, Krankenhäuser, Altenheime, etc.) ab.

In der BRD sind Grenzwerte sehr hoch, 100 Microtesla bei 380 kV Wechselspannung (0,1 Microtesla in der Schweiz) und 500 Microtesla bei Gleichstromspannung.

Ein Überspannungsverbot gilt erst ab 2015. Es gibt keine Abstandsregelung. 
Ausnahmen: „Abstandserlass NRW“ (bis jetzt nur Empfehlung), hier läge der Grenzwert bei 10 Microtesla und Niedersachsen, mit eindeutiger Abstandsregelung. 

Wie soll Vertrauen entstehen, wenn die Bürger in die Enge gedrängt werden?

Wir müssen uns gegen Projekte wehren, die in der Gunst von Volksvertretern, der Industrie, von Investoren, etc. hoch im Kurs stehen und von Lobbyisten auf den Weg gebracht werden.

Wir müssen beweisen, dass die z. B. Gleichstrompassage Süd – Ost nicht der Energiewende dient, sondern als Transportweg für den deutschen Exportschlager „elektrischer Strom“ und Strom aus andereren Ländern.

Deutschland ist Stromexporteuropameister. 

Die Passagen sollen vom Volk finanziert werden, ausschließlich zum Nutzen der großen Energiekonzerne und der Netzbetreiber, d. h. deren Teilhaber.

Tausende Betroffene opfern ihre Freizeit, informieren sich täglich, forschen, lesen jedes Jahr Netzentwicklungspläne (mehrere hundert Seiten Fachchinesisch, beinahe gleichen Inhalts), verfassen Stellungnahmen und besuchen Veranstaltungen aller Art.

Ohne diese Beteiligung würden noch mehr Projekte über die Köpfe der Bürger verwirklicht werden.

Bei einer echten Energiewende, d. h. die Versorgung / Erzeugung mit / von elektrischem Strom aus regenerativen Energiequellen verhält es sich wie bei der Versorgung mit 
Bioprodukten.

Je weiter der Transportweg, desto weniger kann man von einem echten Produkt aus biologischem Anbau sprechen.

Der Transport belastet die Umwelt und muss berücksichtigt werden. Erzeugung vor Ort und kurze Transportwege sind angesagt.
Bei anhaltender Versorgung mit Energie aus, zum größtem Teil zentraler Energieerzeugung, wird mit den geplanten Stromleitunsausbauvorhaben wieder gravierend in das Leben aller Menschen / Lebewesen und unsere Umwelt eingegriffen.

Ein Umdenken ist zwingend notwendig, damit die Menschen / Lebewesen und unsere Umwelt, in einem, schon von unzähligen Verkehrswegen aller Art, durchschnittenen Deutschland nicht noch mehr belastet werden.

Wir sind uns sicher:

Die geplante(n) Leitung(en) dient(en) nicht der Energiewende.

Die geplante(n) Leitung(en) dient(en) dem Stromimport / -export und als Transportweg(e) für ausländischen Strom durch Deutschland in weitere europäische Länder / Länder.

Der Strom kommt aus vielenunterschiedlichen Quellen, bis hin zu Atomstrom, u. a. aus Russland.

Diese Trassen sind Teil eines geplanten europäischen Stromnetzes.

Sie dienen nur dem Stromhandel.

Diese Trassen werden vom Volk zu 100 % finanziert.

Nutzen und Gewinn kommen nur den Konzernen / Teilhaber zu Gute.

Die Bedarfsermittlungen von den Netzbetreibern erfolgt nur in einer Richtung, in Richtung der Bauverwirklichung der Leitungen.

Die Beurteilung erfolgt nicht unabhängig.

Zitate zum Thema:

„Wir werden versuchen einen verträglichen Weg zu gehen, aber es wird nicht immer möglich sein“

„Natürlich wird es Betroffene geben, das lässt sich nicht vermeiden“

„Das Wohl des Einzelnen steht nicht über dem Wohl der Allgemeinheit“

Wer steht hinter der Allgemeinheit?

Ich bitte um eine Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Birkner

5 thoughts on “BI Walting wendet sich an die BNetzA”

  1. Sehr geehrter Herr Birkner,
    es ist erschütternd, die knallharten Fakten derart konzentriert zusammengefasst zu sehen.
    Vielen Dank für Ihre Mühe. Sie bringen die Sache auf den Punkt.

  2. Diese reinen Wahrheiten wissen zu wenige, Geht raus damit informiert und überzeugt die vielen Mediengesteuerten ,ergreift Selbstinitative,
    Probiert es aus, ihr werdet teilweise Beschimpft als : Dein Strom kommt wohl aus der Steckdose,du besserwisser etc. das sind noch harmlose Ausagen.
    Unsere deutsche Bevölkerung wird schon zulange Manipuliert.
    Hildebrandt Norbert BI Plech/Betzenstein

  3. Sie bringen die Ergebnisse einer starken Recherchearbeit, treffend auf den wunden Punkt einer lethargischen, eingelullten und abgelenkten Gesellschaft. Vielen Dank dafür.

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