Gemein­sa­mer Pro­test gegen Mons­ter­tras­se P53

von Lina Hum­mel <lina‑h@t‑online.de>

Am bun­des­wei­ten Wider­stand gegen Strom­tras­sen und das Pla­nungs­si­cher­stel­lungs­ge­setz betei­lig­ten sich auch die Bür­ger­initia­ti­ven aus dem Land­kreis Roth. Auch in Ober­rei­chen­bach fand eine Pro­test­ak­ti­on statt.

Nach einem Rund­ruf stand inner­halb einer hal­ben Stun­de fest, die Ober­rei­chen­ba­cher schlie­ßen sich mit einer eige­nen Ver­an­stal­tung dem bun­des­wei­ten Pro­test-Akti­ons­tag an, um gegen den geplan­ten Ersatz­neu­bau, dem Hoch­rüs­ten auf 380 kV, dem über­di­men­sio­nier­ten Netz­aus­bau und gegen das Pla­nungs­si­cher­stel­lungs­ge­setz und für die dezen­tra­le Ener­gie­wen­de zu demons­trie­ren.

Aktu­el­ler Haupt­grund der Pro­tes­te ist das erst vor kur­zem von Bun­des­tag und Bun­des­rat im Eil­tem­po beschlos­se­ne Pla­nungs­si­cher­stel­lungs­ge­setz (Plan­SiG). Es betrifft ins­ge­samt 22 Geset­ze – dar­un­ter z.B. das Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz, die Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung, das Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz, das Was­ser­haus­halts­ge­setz, das Netz­aus­bau­be­schleu­ni­gungs­ge­setz und auch das Bau­leit­plan- oder Raum­ord­nungs­ver­fah­ren. Das neue Gesetz betrifft alle Groß­pro­jek­te – somit auch das Pla­nungs- und Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren der Strom­tras­se Juralei­tung P53. Die Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung und Bür­ger­rech­te wer­den unter dem Vor­wand der COVID-19 Pan­de­mie mas­siv ein­ge­schränkt, da Bekannt­ma­chun­gen von Unter­la­gen und Infor­ma­tio­nen nur noch über das Inter­net zugäng­lich gemacht wer­den. Erör­te­rungs­ter­mi­ne sol­len in eine völ­lig wir­kungs­lo­se Online-Kon­sul­ta­ti­on umge­wan­delt oder – je nach Gesetz – sogar ganz ent­fal­len. Laut dem nam­haf­ten Rechts­an­walt Bau­mann aus Würz­burg, der vie­le Tras­sen­geg­ner recht­lich ver­tritt, soll sogar der Rechts­schutz gegen die­ses rechts­wid­ri­ge Han­deln aus­ge­schal­tet wer­den.

Mit rot­gel­ben Andre­as­kreu­zen, Warn­wes­ten und Ban­nern wur­de an der geplan­ten Tras­se in Ober­rei­chen­bach pro­tes­tiert. Lei­der muss­te auf Grund der Coro­na-Pan­de­mie die Teil­neh­mer­zahl begrenzt wer­den. Dadurch muss­ten Vie­le abge­wie­sen wer­den und konn­ten Ihren Pro­test nicht öffent­lich bekun­den.  Der stell­ver­tre­ten­de Land­rat Wal­ter Schnell konn­te lei­der nicht anwe­send sein, er wünsch­te aber viel Erfolg und gutes Gelin­gen für unse­re Akti­on. Die Bür­ger­meis­ter Wolf­ram Göll , Andre­as Lip­pert und der Land­tags­ab­ge­ord­nen­te Vol­ker Bau­er zeig­ten durch Anwe­sen­heit ihre Soli­da­ri­tät.

Kam­mer­stein ist eine der sechs Gemein­den aus dem  Land­kreis Roth, wel­che von der Süd­va­ri­an­te  neu betrof­fen wäre. In Ober­rei­chen­bach durch­quert die Süd-Tras­se das Vol­kach­tal und beschä­digt Natur- Wasser‑, Vogel- und Land­schafts­schutz­ge­bie­te, sowie  Bann­wald. Allein hier wür­den  in der Lau­ben­haid und am Hei­den­berg 44 ha Wald abge­holzt. Die Alter­na­ti­ve dazu ist den Bann­wald mit rd. 90 Meter hohen Strom­mas­ten zu über­span­nen. Die­se wären dann sogar von Nürn­berg aus zu sehen und wür­den einen mas­si­ven Ein­griff in das Land­schafts­bild im Vol­kach­tal und am Hei­den­berg bedeu­ten. In Haag geht die Tras­sen­va­ri­an­te knapp am Auto­hof – einer gro­ßen Tank­stel­le – an der Auto­bahn vor­bei.

Im Land­kreis Roth fan­den neben Ober­rei­chen­bach noch wei­te­re Aktio­nen in Büchen­bach, Gus­ten­fel­den, Schwan­stet­ten und auf dem Markt­platz in Roth und Schwa­bach statt. Auch die Bür­ger­initia­ti­ven aus Schwa­bach-Unter­rei­chen­bach und Schwa­bach-Ober­main­bach schlos­sen sich unse­rem Pro­test an. Zum Abschluss tra­fen sich die Ober­rei­chen­ba­cher, mit Büchen­bach, Schwan­stet­ten und Her­mann Lorenz vom Ener­gie­bün­del Roth-Schwa­bach e.V. am Rother Markt­platz um auch hier noch­mal auf die The­ma­tik auf­merk­sam zu machen. Ins­ge­samt zeig­ten bun­des­weit rund 60 Bür­ger­initia­ti­ven ent­lang der geplan­ten Tras­sen den Poli­ti­kern ihre Unzu­frie­den­heit mit der Ener­gie­po­li­tik deut­lich.

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