Ren­di­te für Strom­netz­be­trei­ber soll gesenkt wer­den — Inves­ti­ti­on in Netz­aus­bau bleibt attrak­tiv

Neue Eigen­ka­pi­tal­zins­sät­ze für Strom- und Gas­netz­be­trei­ber ver­öf­fent­licht: Zin­sen sin­ken für Neu­an­la­gen von 9,05 auf 6,91 Pro­zent.

Die gesun­ke­nen Zins­sät­ze spie­geln das der­zeit gerin­ge Zins­ni­veau an den Kapi­tal­märk­ten wider. Höhe­re Eigen­ka­pi­tal­ren­di­ten im Netz­be­reich wären den Strom­ver­brau­chern nicht ver­mit­tel­bar”, erläu­tert Jochen Homann, Prä­si­dent der Bun­des­netz­agen­tur und ergänzt: “Wir ste­hen vor gro­ßen Inves­ti­tio­nen in die Net­ze. Durch bere­chen­ba­re Regu­lie­rungs­ent­schei­dun­gen sichert die Bun­des­netz­agen­tur attrak­ti­ve Inves­ti­ti­ons­be­din­gun­gen. Wir hal­ten an den bewähr­ten Metho­den fest und stel­len eine im all­ge­mei­nen Umfeld ange­mes­se­ne Ver­zin­sung des ein­ge­setz­ten Kapi­tals sicher.”

Die­se Zins­sät­ze spie­geln jedoch selbst­ver­ständ­lich nicht die aktu­el­len wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen seit dem Brex­it wider – gegen­über der zähen Reak­ti­on der Bun­des­be­hör­de wirkt die Plan­wirt­schaft in der ehe­ma­li­gen DDR gera­de­zu fle­xi­bel. Zum Ver­gleich: Seit dem geplan­ten Aus­tritt der Bri­ten aus der EU sind die zehn­jäh­ri­gen Bun­des­an­lei­hen in nur weni­gen Tagen von knapp über null Pro­zent auf minus (!) 0,2 Pro­zent gesun­ken. Eine der­art sta­ti­sche Zins­pla­nung ver­hilft des­halb Netz­be­trei­bern und Finanz­in­ves­to­ren wei­ter­hin zu ver­gol­de­ten Anla­ge­mög­lich­kei­ten. In einem risi­ko­lo­sen Oli­go­pol-Markt für die Netz­be­trei­ber lie­gen die nun von der BNetzA fest­ge­leg­ten Zin­sen noch immer viel zu hoch.

Die Kos­ten für den Netz­aus­bau und Netz­be­trieb zah­len die Strom­kun­den über die Netz­ent­gel­te. Eine merk­li­che Ent­las­tung des Strom­prei­ses ist aber durch die Sen­kung der Zins­sät­ze auch nach Ein­schät­zung von Fach­leu­ten kaum zu erwar­ten.

Es ist sicher­lich nicht zuletzt dem zähen Behar­ren der Tras­sen­geg­ner zu ver­dan­ken, dass mit den Neu­re­ge­lun­gen durch die Bun­des­be­hör­de zumin­dest gering­fü­gig, wenn auch nicht zufrie­den­stel­lend, ein­ge­lenkt wur­de. Die seit März 2014 ver­stärkt erho­be­ne Kri­tik der Bür­ger­initia­ti­ven an den über­höh­ten Ren­di­ten wur­de von Sei­ten der Poli­tik und Wirt­schaft immer wie­der als gänz­lich unge­recht­fer­tigt bezeich­net, trotz der unauf­halt­sa­men Tal­fahrt der am Kapi­tal­markt zu erzie­len­den Zins­er­trä­ge. Das Baye­ri­sche Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um bemüh­te sich wäh­rend des Ener­gie­dia­lo­ges vehe­ment um eine Wider­le­gung der Argu­men­ta­ti­on unse­rer Ver­tre­ter. Die­se unred­li­chen Ver­su­che, die Ren­di­ten für die Netz­mo­no­po­lis­ten künst­lich „klein­zu­re­den“, kann man nun als geschei­tert betrach­ten.

Frag­wür­dig ist aber, war­um die Zins­sät­ze schon jetzt fest­ge­legt wer­den sol­len, obwohl der Eigen­ka­pi­tal­zins für Strom­net­ze erst ab 1. Janu­ar 2019 gel­ten wird. Ob dies im Ein­klang mit der Strom­netz­ent­gelt­ver­ord­nung (Strom­NEV) steht, muss über­prüft wer­den. Der Eigen­ka­pi­tal­zins­satz rich­tet sich nach den „letz­ten 10 abge­schlos­se­nen Kalen­der­jah­ren“ (§7 Abs. 4 Strom­NEV). Schö­ner für Netz­be­trei­ber und Inves­to­ren wäre es dann, wenn die Hoch­zins­jah­re 2006 und 2007 noch mit in die Berech­nun­gen ein­flie­ßen. Des­halb: je frü­her, des­to bes­ser?

Span­nend ist auch der Fakt, dass die „inter­es­sier­te Öffent­lich­keit“ zu den Zins­sät­zen ab sofort Stel­lung neh­men kann. Das bedeu­tet, dass es sich tat­säch­lich erst mal um „Fest­le­gungs­ent­wür­fe“ han­delt, nicht aber um eine von Homanns Gna­den erlas­se­ne siche­re Zins­sen­kung, wie die zitier­ten Äuße­run­gen des BNetzA-Prä­si­den­ten sug­ge­rie­ren. Ob und wie die betrof­fe­nen Netz­be­trei­ber und Inves­to­ren die­se dro­hen­den Ein­bu­ßen in den kom­men­den Wochen zu ver­hin­dern ver­su­chen, dürf­te inter­es­sant wer­den.

Die Kon­sul­ta­ti­on endet bereits am 10. August 2016. Eine end­gül­ti­ge Ent­schei­dung soll im Sep­tem­ber 2016 erfol­gen. Wenn man sehr genau sucht, fin­det man auch einen Link, wo und wie man dar­an teil­neh­men kann – eine rege Bür­ger­be­tei­li­gung ist jedoch ganz offen­sicht­lich nicht erwünscht.

Stel­lung­nah­men zum Beschluss­ent­wurf wer­den bis zum 10.08.2016 (Post­ein­gang) vor­zugs­wei­se per E-Mail mit der Betreff­zei­le „Kon­sul­ta­ti­on Zins­satz Strom“ an zinssatzstrom@bnetza.de oder per Post an die

Bun­des­netz­agen­tur
Beschluss­kam­mer 4
Stich­wort „Zins­satz Strom“
Post­fach 8001
53105 Bonn

erbe­ten.

Das Ver­fah­ren wird unter dem Geschäfts­zei­chen BK4-16–160 geführt. Sie­he dazu http://www.bundesnetzagentur.de/cln_1431/DE/Service-Funktionen/Beschlusskammern/1BK-Geschaeftszeichen-Datenbank/BK4-GZ/2016/2016_0001bis0999/2016_0100bis0199/BK4-16–0160/BK4-16–0160_Verfahrenseinleitung.html?nn=358956

Pres­se­mit­tei­lung BNetzA vom 6. Juli 2016

http://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Allgemeines/Presse/Pressemitteilungen/2016/160706_BK4-EKZ.pdf;jsessionid=A2A404A88EF34785A8E2B352FE43F991?__blob=publicationFile&v=2

Schreibe einen Kommentar