Tref­fen zwi­schen Bür­ger­initia­ti­ven und Land­tags­ab­ge­ord­ne­tem Nor­bert Dün­kel

Auf Initia­ti­ve der Bür­ger­initia­ti­ve Lein­burg gegen die Süd-Ost Pas­sa­ge tra­fen sich am 17.06.16 Ver­tre­ter der Bür­ger­initia­ti­ven Lein­burg und Schnaittach mit Nor­bert Dün­kel, MdL CSU, in Lauf.

2016-06-17_TreffenAnlass war die Ten­neT Absa­ge zu einer Bür­ger­ver­an­stal­tung in Alt­dorf b. Nürn­berg, ein Tref­fen mit Dün­kel und Ten­neT, sowie die Beant­wor­tung des Baye­ri­schen Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums zur Anfra­ge von Dün­kel zu den Netz­vor­ha­ben P44mod und Süd-Ost-Pas­sa­ge. Über­la­gert wur­de das Gespräch auch von der in der letz­ten Woche abge­sag­ten Info­ver­an­stal­tung der Bun­des­netz­agen­tur am 27.06.16 in Nürn­berg, sowie der Ver­an­stal­tung der Land­rä­te und Kom­mu­nal­po­li­ti­ker in Mün­chen. Staats­se­kre­tär Pschie­rer vom Baye­ri­schen Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um hat­te hier­zu am 17.06.16 ein­ge­la­den.

Dün­kel ver­such­te die zunächst die vier Ver­tre­ter der Bür­ger­initia­ti­ven zu beru­hi­gen. Die Pla­nun­gen zur P44mod, von der unter ande­rem auch die Gemein­den Schnaittach und Lein­burg betrof­fen wären, lie­gen der­zeit auf Eis, so der Abge­ord­ne­te. Mit dem End­punkt Lands­hut sei zudem ein Tras­sen­ver­lauf der HGÜ Süd-Ost durch das Nürn­ber­ger Land laut Baye­ri­scher Staats­re­gie­rung und Ten­neT unwahr­schein­li­cher gewor­den.

Das kann die Bür­ger­initia­ti­ven aber nicht zufrie­den­stel­len. Es geht nicht dar­um, die Lei­tun­gen aus dem Nürn­ber­ger Land her­aus­zu­hal­ten, son­dern grund­sätz­lich um die Ver­hin­de­rung der Gleich­strom­höchst­span­nungs­lei­tun­gen (HGÜ), wie Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Aigner auch als Ergeb­nis des Ener­gie­dia­logs am 02.02.2015 in Aus­sicht gestellt hat­te. Nun sind trotz zwei neu geneh­mig­ter Gas­kraft­wer­ke, die die Alter­na­ti­ve für bei­de HGÜs nach Bay­ern sein soll­ten, auch bei­de Tras­sen wei­ter­hin in Pla­nung. Staats­se­kre­tär Pschie­rer hat dies am 17.06.16 bei der Ver­an­stal­tung im Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um den Land­rä­ten unmiss­ver­ständ­lich deut­lich gemacht. Es geht nicht um das „Ob“, son­dern um das „Wie“. Er begibt sich damit auf Linie von Ten­neT-Chef Lex Hart­man, der die­ses mit 9,05% Eigen­ka­pi­tal­ren­di­te aus­ge­stat­te­te Mil­li­ar­den­pro­jekt für sei­ne Finanz­in­ves­to­ren for­dert.

Um die Ver­sor­gungs­si­cher­heit für Bay­ern geht es schon lan­ge nicht mehr. Es geht hier um viel mehr: Die HGÜs sind für den euro­päi­schen Netz­ver­bund zum Han­del mit pri­mär Atom- und Koh­le­strom kon­zi­piert, kos­ten zig Mil­li­ar­den Euro, zer­stö­ren Land­schaft und Natur und brin­gen noch gesund­heit­li­che Gefah­ren für die Anrai­ner mit sich. Und nicht zu ver­ges­sen: bis zu 10.000 km Auf­rüs­tun­gen von Wech­sel­strom­lei­tun­gen auf 380 Kilo­volt (wie die Maß­nah­me P 44 oder P 44mod.) wer­den als Fol­ge not­wen­dig, um im Fal­le einer Netz­stö­rung der HGÜs, den Strom auf benach­bar­ten Lei­tun­gen abzu­lei­ten, wie ein Spre­cher von Ten­neT bestä­tig­te.

Bür­ger­be­tei­li­gung wird igno­riert

Die Bür­ger­initia­ti­ven wie­sen dar­auf hin, dass kurz­fris­tig von der Bun­des­netz­agen­tur die Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung am 27.06. in Nürn­berg abge­sagt wur­de. Begrün­dung: die Ände­run­gen beim EEG erfor­dern eine Neu­be­rech­nung. Des­halb ist auch der Netz­ent­wick­lungs­plan 2025 obso­let. Damit sind die Ein­ga­ben der Bür­ger zur ers­ten Kon­sul­ta­ti­on buch­stäb­lich für den Papier­korb gewe­sen. Die nächs­te Kon­sul­ta­ti­on soll frü­hes­tens Ende die­ses Jah­res erfol­gen, wenn der Netz­ent­wick­lungs­plan  (NEP) 2030 zur 1. Kon­sul­ta­ti­on ansteht.

Wäh­rend die Bür­ger hin­ge­hal­ten und auf den für Herbst ange­kün­dig­ten neu­en Tras­sen­ver­lauf ver­trös­tet wer­den, wer­den auf der ande­ren Sei­te Fak­ten mit Info­ver­an­stal­tun­gen für Land­rä­te und Sta­ke­hol­dern wie Bau­ern­ver­band und Gewer­be­trei­ben­de durch Staats­se­kre­tär Pschie­rer geschaf­fen. Die Ver­tre­ter der Bür­ger­initia­ti­ven hat­te der Staats­se­kre­tär zuvor als Fun­da­men­ta­lis­ten bezeich­net, mit denen er nicht reden wol­le.

Wir dan­ken Herrn Dün­kel für das ange­neh­me und kon­struk­ti­ve Gespräch. Auch sein Ein­satz gegen die HGÜ-Tras­se Süd-Ost und P44mod scheint authen­tisch. Die Bür­ger­initia­ti­ven mei­nen den­noch, dass Staats­se­kre­tär Pschie­rer bereits jetzt Fak­ten schafft und offen­sicht­lich die Tras­sen ohne Bür­ger­be­tei­li­gung und –gesprä­che durch­zu­set­zen ver­sucht.

Dün­kel ver­sprach die Anlie­gen der Bür­ger wei­ter­hin nach Mün­chen zu tra­gen und sich für eine Ener­gie­wen­de ohne HGÜ-Tras­sen ein­zu­set­zen. Ein wei­te­rer gegen­sei­ti­ger Infor­ma­ti­ons­aus­tausch wur­de ver­ein­bart.

Ein Gedanke zu „Tref­fen zwi­schen Bür­ger­initia­ti­ven und Land­tags­ab­ge­ord­ne­tem Nor­bert Dün­kel“

  1. Staats­se­kre­tär Pschie­rer will die Tras­sen “bür­ger­freund­lich” umset­zen, aber ohne wirk­sa­me Bür­ger­be­tei­li­gung. Wie geht denn das? Enga­gier­te Bür­ge­rin­nen, die ihm fun­diert wider­spre­chen, bezeich­net er auch schon ein­mal als Fun­da­men­ta­lis­ten. Wel­che Bezeich­nung soll man dem Staats­se­kre­tär Pschie­rer geben? Er begrün­det sei­ne Aus­sa­gen, dass es nicht mehr um das “ob” son­dern nur noch um das “wie” des Tras­sen­baus geht, nicht. Anschei­nend feh­len fun­dier­te Grün­de, von den garan­tier­ten Ren­di­ten für die Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber ein­mal abge­se­hen. Die Ver­sor­gungs­si­cher­heit in Bay­ern oder Deutsch­land ist es auf kei­nen Fall. Wel­che Rol­le spie­len hier die Ver­flech­tun­gen zwi­schen dem Baye­ri­schen Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um und der Wirt­schaft?

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