Bund Natur­schutz und Akti­ons­bünd­nis­se sehen in den wei­ter­hin geplan­ten Strom-Auto­bah­nen Gefah­ren für den Erfolg der dezen­tra­len Ener­gie­wen­de

ERDVERKABELUNG LÖST DAS PROBLEM NICHT!

PM_Bund_NaturschutzBUND Natur­schutz und Akti­ons­bünd­nis­se haben ihren Wider­stand gegen neue Strom­au­to­bah­nen in Bay­ern auch bei Erd­ver­ka­be­lung bekräf­tigt. Gemein­sam leh­nen sie die geplan­ten Gleich­strom­tras­sen Sued­link und Süd-Ost als Hin­der­nis für eine dezen­tra­le Ener­gie­wen­de der Bür­ger­schaft und Stadt­wer­ke ab.

Enga­gier­ter Kli­ma­schutz und sofor­ti­ger Atom­aus­stieg sind wich­ti­ger denn je. Dafür benö­ti­gen wir kei­ne Strom­au­to­bah­nen son­dern mehr Ener­gie­spa­ren, mehr Ener­gie­ef­fi­zi­enz und den natur­ver­träg­li­chen Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en in Bay­ern. Das Ziel einer Ver­sor­gung mit 100 Pro­zent Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en muss auch in Bay­ern noch vor dem Jahr 2050 erreicht wer­den.  Wind­ener­gie- und Foto­vol­ta­ik­an­la­gen an den rich­ti­gen Stand­or­ten ern­ten die Ener­gie Strom dezen­tral, umwelt­scho­nend und flä­chig über unse­re Hei­mat ver­teilt“, so Hubert Wei­ger, Vor­sit­zen­der des BUND Natur­schutz in Bay­ern. „Dafür braucht Bay­ern eine Wen­de hin zu dezen­tra­len Ener­gie-Struk­tu­ren. Eine zen­tra­lis­ti­sche Netz­aus­bau­pla­nung mit neu­en Über­tra­gungs­net­zen, wie die Gleich­strom­tras­sen Sued­link und Süd-Ost, sind der fal­sche Weg. Statt­des­sen müs­sen vor Ort Bür­ger­en­er­gie­ge­sell­schaf­ten und Stadt­wer­ke der Kom­mu­nen unter­stützt wer­den“, so Wei­ger wei­ter.

Ziel für die Zukunft muss ein regio­na­les Strom­ma­nage­ment sein, das die fluk­tu­ie­ren­den Strom­quel­len Wind und Son­ne mit regio­na­len und fle­xi­blen Strom­quel­len unter­stützt. Also zusätz­lich zu Foto­vol­ta­ik und Wind­rä­dern regio­nal steu­er­ba­rer Strom aus dezen­tra­ler Kraft-Wär­me-Kopp­lung, wie bei­spiel­wei­se Bio­gas-Block-Heiz-Kraft-Wer­ken, und aus regio­na­len Bat­te­ri­en in Quar­tier­spei­chern“, so Richard Merg­ner, Lan­des­be­auf­trag­ter des BUND Natur­schutz in Bay­ern.

Der Wider­stand gegen den über­di­men­sio­nier­ten Netz­aus­bau geht wei­ter. Wir for­dern die Dis­kus­si­on über die Berech­ti­gung des Baus die­ser Gleich­strom­tras­sen. Wir kri­ti­sie­ren die Hal­tung der Baye­ri­schen Lan­des­re­gie­rung, wel­che die Dis­kus­si­on für been­det erklärt hat, ohne nach­voll­zieh­ba­re Bele­ge für die Not­wen­dig­keit gelie­fert zu haben. Damit miss­ach­tet sie die Inter­es­sen der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. Die dezen­tra­le Bür­ger­en­er­gie­wen­de wird ver­hin­dert. Der geplan­te über­di­men­sio­nier­te Über­tra­gungs-Netz­aus­bau in Deutsch­land, gemein­sam mit der Novel­lie­rung des EEG vom 8. Juli, ist der Todes­stoß für die Ener­gie­wen­de“ soMat­thi­as Grob­le­ben, Spre­cher des Akti­ons­bünd­nis­ses gegen die Süd-Ost-Tras­se.

Heu­te am 10. August endet die Kon­sul­ta­ti­on der Bun­des­netz­agen­tur zu ihren Ent­wür­fen für zukünf­ti­ge Eigen­ka­pi­tal­zins­sät­ze für die Elek­tri­zi­täts- und Gas­netz­be­trei­ber. Die Bun­des­netz­agen­tur legt die­se Zins­sät­ze fest, die die Netz­be­trei­ber für ihre Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nung anset­zen dür­fen. Die resul­tie­ren­den Kos­ten tra­gen wir Strom­kun­den. Die Zins­sät­ze sol­len für Neu­an­la­gen von 9,05 auf 6,91 und für Alt­an­la­gen von 7,14 auf 5,12 Pro­zent gesenkt wer­den. Im risi­ko­lo­sen Oli­go­pol-Markt der Über­tra­gungs-Netz­be­trei­ber ist dies immer noch viel zu hoch. Zum Ver­gleich: Die zehn­jäh­ri­gen Bun­des­an­lei­hen sind aktu­ell auf etwa minus (!) 0,2 Pro­zent gesun­ken. Also ver­gol­de­te Anla­ge­mög­lich­kei­ten für Finanz­in­ves­to­ren der Über­tra­gungs-Netz­be­trei­ber. Dar­in sehen wir das eigent­li­che Inter­es­se hin­ter der über­di­men­sio­nier­ten Über­tra­gungs­netz­pla­nung“, kri­ti­siert Hubert Galo­zy, Spre­cher des Akti­ons­bünd­nis­ses gegen die Süd-Ost-Tras­se.

Nach dem Ener­gie­dia­log Bay­ern 2014/2015 haben die Spit­zen der gro­ßen Koali­ti­on im Juli 2015 die Novel­lie­rung des Bun­des­be­darfs­plan­ge­set­zes durch den Bun­des­tag im Dezem­ber 2015 fest­ge­legt. Die Gleich­strom-Tras­se Süd-Ost wur­de nach Osten ver­scho­ben und ver­läuft nun von Ober­fran­ken über die Ober­pfalz nach Nie­der­bay­ern bis Ohu / Isar. Weg von den wohl­or­ga­ni­sier­ten Akti­ons­bünd­nis­sen in Mit­tel­fran­ken und Baye­risch Schwa­ben. Zusätz­lich wur­de Erd­ver­ka­be­lung ange­ord­net. Die Kreis­grup­pe des BUND Natur­schutz in Bad Kis­sin­gen in Unter­fran­ken stellt hier­zu fest: Eine Erd­ver­ka­be­lung der Tras­se Sued­link ist im Land­kreis Bad Kis­sin­gen weder durch die Rhön, noch west­lich oder öst­lich der Rhön mach­bar. Die Pla­nun­gen wer­den an Raum­wi­der­stän­den des Umwelt- und Natur­schut­zes schei­tern. Der poli­ti­sche Wider­stand soll­te durch räum­li­che Tras­sen­ver­schie­bung und durch Erd­ver­ka­be­lung aus­ge­he­belt wer­den. Aber ener­gie­po­li­tisch blei­ben die Pro­ble­me bestehen und natur­schutz­fach­lich erscheint uns dies nicht mach­bar“, so Dr. Her­bert Bart­hel, Refe­rent für Ener­gie und Kli­ma­schutz beim BUND Natur­schutz in Bay­ern.

Eine Strom­ver­sor­gung mit 100 Pro­zent Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en benö­tigt loka­le und regio­na­le Netz­sta­bi­li­sie­rung, Netz­dien­lich­keit und Anrei­ze für regio­na­len Last- und Leis­tungs­aus­gleichs. Die Dyna­mik der fluk­tu­ie­ren­den Strom­quel­len Wind­ener­gie und Son­nen­en­er­gie führt zu hohen regio­na­len elek­tri­schen Leis­tungs­spit­zen. Die Phy­sik von Strom aus Wind und Son­ne erfor­dert daher vor­ran­gig eine Ver­bes­se­rung und einen Aus­bau regio­na­ler Infra­struk­tu­ren, wie der Ver­tei­ler­net­ze, wie der dezen­tra­len KWK, wie neu­er Quar­tier­spei­cher auf Basis Bat­te­ri­en. Die Ener­gie­wen­de erfor­dert dezen­tra­le Kon­zep­te. Kom­mu­nen mit Stadt­wer­ken und Bür­ger­en­er­gie-Gesell­schaf­ten sind Basis einer nach­hal­ti­gen Ener­gie­wen­de.

Für Rück­fra­gen:
Dr. Her­bert Bart­hel,
Refe­rent für Ener­gie und Kli­ma­schutz des BUND Natur­schutz in Bay­ern,

Anla­ge:

Bund Natur­schutz in Bay­ern e.V.
Lan­des­fach­ge­schäfts­stel­le Nürn­berg
Bau­ern­feind­str. 23
90471 Nürn­berg

Tel. 0911/818780
Fax. 0911/869568
www.bund-naturschutz.de

Ein Gedanke zu „Bund Natur­schutz und Akti­ons­bünd­nis­se sehen in den wei­ter­hin geplan­ten Strom-Auto­bah­nen Gefah­ren für den Erfolg der dezen­tra­len Ener­gie­wen­de“

  1. Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gen der Ifok, eine „Task Force Strom­tras­sen“ mit den Staats­se­kre­tä­ren Pschie­rer und Füra­cker sowie Lex Hart­man him­s­elf zie­hen alle Regis­ter, um die Bür­ger und Bür­ger­meis­ter bei der Tras­sen­pla­nung ein­zu­lul­len. Trau­rig, dass dabei auch die Deut­sche Umwelt­hil­fe mit­macht und ver­sucht, die Bür­ger stra­te­gisch ein­zu­bin­den. Dr. Ahmels selbst nimmt am sog. Bür­ger­dia­log Strom­net­ze teil, der kei­ne ehr­li­chen Ant­wor­ten auf kri­ti­sche Fra­gen hat und aus­weicht, sich das aber mit Mit­teln des Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums, also unse­res Koh­le-Sig­gi, ver­sü­ßen lässt. Dabei han­delt es sich um unser aller Steu­er­gel­der.
    Es wird höchs­te Zeit, wie­der über das „ob“ und über­haupt nicht mehr über das „wie“ zu reden, wie Franz-Josef Pschie­rer es aus­zu­drü­cken beliebt. Wir Strom­kun­den brau­chen die­se Tras­sen und Ersatz­lei­tun­gen nicht, sehr wohl aber die Inves­to­ren und die Netz­be­trei­ber, die ihr Stück vom Ren­di­te­ku­chen abha­ben wol­len.
    In Vier-Augen-Gesprä­chen gibt die Bun­des­netz­agen­tur auch mitt­ler­wei­le zu, dass Ten­neT mit der feh­len­den recht­lich kor­rek­ten Grund­la­ge schon ein Risi­ko ein­geht. Und der Ver­spre­cher beim Pla­nungs­be­glei­ten­den Forum in Alex­an­ders­bad, dass in den Süd-Ost-Link der Strom von drei Koh­le­kraft­wer­ken passt, sagt mehr als alle Reden.

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