Info­brief der Bür­ger­initia­ti­ve Lein­burg gegen die Strom­tras­se Kor­ri­dor D

von BI Lein­burg (bi-leinburg@stromautobahn.de)

Wann fal­len die Lügen­ge­bäu­de der Strom­kon­zer­ne zusam­men?

Vor ca. zehn Wochen war die Frist zur Stel­lung­nah­me zum Netz­ent­wick­lungs­plan 2014 2. Ent­wurf abge­lau­fen. Bis heu­te wur­de nicht bekannt gege­ben, wie vie­le Per­so­nen einen Ein­wand zu den Gleich­strom­tras­sen abge­ge­ben haben. Nach unse­ren inter­nen Zäh­lun­gen dürf­te sich die Anzahl gegen­über dem 1. Ent­wurf (damals waren es über 26.000) min­des­tens ver­dop­pelt haben. Aber auch die­se gro­ße Zahl genügt den Ent­schei­dern in der Poli­tik nicht, um sich mit den Täu­schungs­ma­nö­vern der gro­ßen Strom­kon­zer­ne ein­mal ernst­haft aus­ein­an­der zu set­zen. Mün­chen und Ber­lin strei­ten um nied­ri­ge­re Mas­ten, teil­wei­se Erd­ver­ka­be­lung und immer wie­der neue Stre­cken­füh­run­gen.

Dabei ist längst klar, dass die­se vier geplan­ten HGÜ-Kor­ri­do­re für eine siche­re Strom­ver­sor­gung und für die Ener­gie­wen­de nach dem Abschal­ten der Kern­kraft­wer­ke nicht benö­tigt wer­den und auch nicht gebaut wer­den dür­fen. Es ist an der Zeit, den Lügen­mär­chen der Strom­lob­by ein­mal die Fak­ten gegen­über zu stel­len.

1. Lüge: Der vie­le Wind­strom aus dem Nor­den muss in die Last­zen­tren des Südens gebracht wer­den

Dazu zeigt der nach­ste­hen­de Tabel­len­aus­zug aus dem Netz­ent­wick­lungs­plan 2024 2. Ent­wurf (1) auf Sei­te 48 die Wind­strom­erzeu­gung und den Strom­be­darf für 2024 in den nörd­li­chen Bun­des­län­dern in TWh (Ter­ra­watt­stun­den) pro Jahr:

Bun­des­land Wind-Onshore Wind-Off­shore Strom­be­darf
Ber­lin 0,0 0,0 13,5
Bran­den­burg 14,0 0,0 15,1
Bre­men 0,4 0,0 5,0
Ham­burg 0,2 0,0 12,8
Meck­len­burg-Vor­pom­mern 9,3 6,6 6,5
Nie­der­sach­sen 21,4 33,1 53,7
Nord­rhein-West­fa­len 12,3 0,0 152,6
Sach­sen-Anhalt 9,9 0,0 15,8
Schles­wig Hol­stein 14,6 9,8 12,2
Ges. Wind­strom zu Bedarf 131,6   287,2

Es ist klar ersicht­lich, der im Nor­den gewon­ne­ne Strom von Wind­rä­dern, auch auf dem Meer, reicht nicht mal zur Hälf­te für die dort benö­tig­te Ener­gie. Nur an ein paar Spit­zen­wind­ta­gen Wind­strom in den Süden zu lie­fern, dient nicht der Ver­sor­gungs­si­cher­heit in Bay­ern.

Der Strom­kun­de soll­te aller­dings auch wis­sen, dass der jetzt stark for­cier­te Off­shoreAus­bau die Strom­rech­nung enorm anstei­gen las­sen wird. Im Gegen­satz zum Onshore-Aus­bau, der halb so teu­er ist (2), aber durch eine Ände­rung des Erneu­er­ba­ren-Ener­gi­en-Geset­zes in 2014 zurück gedrängt wird.

2. Lüge: Nach dem Abschal­ten des letz­ten Kern­kraft­werks steht in Bay­ern bei Dun­kel­heit und Wind­stil­le nicht genug Strom zur Ver­fü­gung.

Situa­ti­on Bay­ern laut Sze­na­rio B2024* Strom­erzeu­gung Bay­ern in TWh laut NEP 2. Ent­wurf Sei­te 48 (1) nach Fort­fall der Kern­kraft­wer­ke

Braun­koh­le 0,0
Stein­koh­le 4,4
Erd­gas 3,4
Öl 0,0
Pump-Ein­spei­sung -0,2
KWK 1,2
sonst-Konv. 1,2
Wind 4,2
PV 15,0
Bio­mas­se 9,7
Was­ser­kraft 10,7
sonst-EE 1,8
Pump-Ent­nah­me 0,3
Gesamt 51,7
davon fos­sil 10,2
davon EE vola­til 19,2
davon EE per­ma­nent 22,3

Bedarfs­rech­nung Bay­ern laut Sze­na­rio 2024*

 

TWh

in %

Jah­res­be­darf (1 –Sei­te 48)  

80,8 

100,0%

Erzeu­gung (1 –Sei­te 48)

51,7

64,0 %

Dif­fe­renz nach Fort­fall AKWs

-29,1

-36,0%

Teil Thür.-Strombrücke (3)(fehlt im Sze­na­rio)

8,4

 

Irsching Blö­cke 4 und 5 (1,4 GW) (4)

11,1

 

Dau­er­lie­fe­rung Öster­reich (1,2 GW) (5)

9,6

 
Rest  0,0 0,0%

Die in Bay­ern gesi­cher­te Leis­tung beträgt 2023 ca. 6 GW. Die maxi­mal anfal­len­de Spit­zen­last beträgt 12,3 GW (6). Damit die Ver­sor­gungs­si­cher­heit auch bei län­ge­ren Dun­kel­flau­ten sicher gestellt wer­den kann, ste­hen für die feh­len­den 6 GW fol­gen­de Kapa­zi­tä­ten zur Ver­fü­gung:

Freie Kapa­zi­tät Thü­rin­ger Strom­brü­cke (1,8 GW) (3)
+ Peak­zu­sa­ge Öster­reich (4,0 GW) (5)
+ ver­stärk­ter Ost­bay­ern­ring (7)
+ wei­te­re z. Zt. nicht lau­fen­de baye­ri­sche Gas­kraft­wer­ke (4)

Damit steht in Bay­ern genü­gend Ener­gie ohne HGÜ-Tras­sen zur Ver­fü­gung.

Das Deut­sche Insti­tut für Wirt­schaft (DIW Ber­lin) sagt dazu in der Stu­die „Poli­tik­be­ra­tung 2015/97“: „All­ge­mein ist fest­zu­hal­ten, dass die Ver­sor­gungs­si­cher­heit Bay­erns

auch nach der Abschal­tung der Atom­kraft­wer­ke 2022 nicht gefähr­det ist, bet­tet sich der Frei­staat doch sowohl in ein deut­sches, grenz­über­schrei­ten­des als auch euro­pa­wei­tes Strom­sys­tem ein. Die Abschal­tung des Atom­kraft­werks Gra­fen­rhein­feld Juni 2015 (ca. 10 Tera­watt­stun­den pro Jahr Ener­gie­er­zeu­gung) wird durch bestehen­de Über­ka­pa­zi­tä­ten sowohl in Deutsch­land als auch im Aus­land kom­pen­siert. Auch die Abschal­tung der wei­te­ren baye­ri­schen Atom­kraft­wer­ke Gund­rem­min­gen B (2017) und C (2021) sowie Isar (2022) sowie der ande­ren deut­schen AKWs gefähr­det die Ver­sor­gungs­si­cher­heit Bay­erns bzw. Deutsch­lands nicht. Es ist sogar damit zu rech­nen, dass Deutsch­land selbst nach der Schlie­ßung aller Atom­kraft­wer­ke Strom­ex­por­teur bleibt.“

Bei all den Sze­na­ri­en sind die enor­men Fort­schrit­te in der direk­ten Spei­che­rung von Elek­tri­zi­tät nicht berück­sich­tigt. Die Bat­te­rie­spei­cher­kos­ten haben sich in letz­ter Zeit hal­biert und die Kos­ten wer­den wei­ter sin­ken. Bat­te­rie­spei­cher sind stark netz­sta­bi­li­sie­rend und sehr gut geeig­net erzeu­gungs­ar­me Zei­ten zu über­brü­cken, in Ver­bin­dung mit Ener­gie­spa­ren und Ver­brauchs­steue­rung wer­den sich kom­plett ande­re Rah­men­be­din­gun­gen in 2024 erge­ben. Dies alles wird von der Bun­des­netz­agen­tur aus­ge­blen­det.  Ein ver­stärk­ter Aus­bau der gro­ßen Über­land­lei­tun­gen ist des­halb kon­tra­pro­duk­tiv.

3. Lüge: Bei Gleich­strom­lei­tun­gen gibt es kei­ne Risi­ken für die Gesund­heit auf­grund von elek­tro­ma­gne­ti­sche Strah­lung.

Das ist soweit kor­rekt. Statt­des­sen gibt es aber um die­se Lei­ter­sei­le sehr star­ke magne­ti­sche Gleich­fel­der. Als Grenz­wert direkt unter­halb einer Tras­se gilt in Deutsch­land eine magne­ti­sche Fluss­dich­te von 500 µ-Tes­la. Eine Abstands­re­ge­lung zur Wohn­be­bau­ung gibt es nicht. Bereits ab 60 µ-Tes­la soll es bei Herz­schritt­ma­chern zu Pro­ble­men kom­men. In der Schweiz liegt der Grenz­wert bei 1 µ-Tes­la. Dort hat man sich offen­bar für die Gesund­heit der Bevöl­ke­rung ent­schie­den. Gleich­strom­tras­sen der jetzt geplan­ten Art wären dort nicht denk­bar.

An den Lei­ter­sei­len der HGÜ kommt es wegen der dort herr­schen­den hohen elek­tri­schen Feld­stär­ke zu Mikro­ent­la­dun­gen (Koro­nar­ent­la­dun­gen) und zur Ioni­sa­ti­on der Luft. Bei den Gleich­strom­lei­tun­gen ent­steht über die gesam­te Län­ge eine grö­ße­re Raum­la­dungs­wol­ke gela­de­ner Teil­chen (z. B. Ionen) als bei den bis­he­ri­gen Wech­sel­strom­lei­tun­gen. Die­se Raum­la­dungs­wol­ke ent­hält als Fol­ge der Koro­nar­ent­la­dung an den Lei­ter­sei­len Ozon und Stick­oxi­de.

Das Umwelt­bun­des­amt schreibt auf sei­ner Home­page über die Gesund­heits­ri­si­ken von Ozon: „Die gesund­heit­li­che Wir­kung von Ozon besteht in einer ver­min­der­ten Lun­gen­funk­ti­on, ent­zünd­li­che Reak­tio­nen der Atem­we­ge und Atem­wegs­be­schwer­den.“ Stick­oxid ist ein Sam­mel­be­griff für Ver­bin­dun­gen aus Stick­stoff und Sauer­stoff. Stick­stoff­di­oxid als Haupt­kom­po­nen­te der Stick­oxi­de ist ein Reiz­gas. Es gelangt genau­so wie Ozon bis in die Lun­gen­alveo­len. Es kann dort Zell­schä­den aus­lö­sen und ent­zünd­li­che Pro­zes­se ver­ur­sa­chen.

Die Strah­len­schutz­kom­mis­si­on emp­fiehlt daher „die Durch­füh­rung wei­te­rer For­schungs­pro­jek­te zur Wahr­neh­mung vor allem in Form von Human­stu­di­en unter gut kon­trol­lier­ten Bedin­gun­gen“. Auch die EU schätz­te 2009 in ihrem Bericht ein, dass die Daten­la­ge zur Risi­ko­be­ur­tei­lung von magne­ti­schen Gleich­fel­dern unzu­rei­chend ist.

Gesund­heits­ri­si­ken bestehen auch bei den her­kömm­li­chen 380KV Lei­tun­gen, wobei  die Bevöl­ke­rung da wenigs­tens bei Neu­bau­ten durch Abstand­re­geln etwas geschützt ist. Lun­gen­krebs und ande­re Tumo­re, Leuk­ämie, Asth­ma, Fehl­ge­bur­ten oder sogar Alz­hei­mer wer­den mit Höchst­span­nungs­lei­tun­gen (ab 380 KV) in Ver­bin­dung gebracht.

Die­se Risi­ken wer­den von den offi­zi­el­len Stel­len kom­plett ver­schwie­gen. Für die Netz­be­trei­ber sind die geplan­ten HGÜ-Tras­sen ganz ein­fach nur „Pilot­pro­jek­te“, die nicht ein­mal Abstands­re­geln zur bestehen­den Wohn­be­bau­ung erfor­dern.

4. Lüge: Es gibt kei­ne aus­rei­chen­den Nord-Süd-Ver­bin­dun­gen. Die bestehen­den Lei­tun­gen wer­den über­las­tet.

Deutsch­land hat eines der welt­bes­ten Strom­net­ze, auch wenn es aus Ren­di­te­grün­den in der letz­ten Zeit etwas ver­nach­läs­sigt wur­de. Der Netz­ent­wick­lungs­plan für 2024 (1) zeigt auf Sei­te 63 auch mög­li­che Eng­päs­se, wenn ein­mal ein Netz­ele­ment aus­fal­len soll­te. Die­se Gra­phik macht aber eben­so deut­lich, dass die­se Stel­len mit 50 bis 200 km viel zu kurz sind, um Über­last­si­tua­tio­nen durch die über­lan­gen Gleich­strom­tras­sen behe­ben zu kön­nen. Hier wäre ein Aus­bau der bestehen­den Wech­sel­strom­net­ze nach dem NOVA-Prin­zip ange­sagt. NOVA steht für Netz-Opti­mie­rung vor Verstär­kung vor Ausbau und bie­tet genü­gend Mög­lich­kei­ten, erkann­te Risi­ken sozu­sa­gen bei Bedarf in den Griff zu bekom­men.

Kurz vor der Fer­tig­stel­lung befin­det sich die Thü­rin­ger Strom­brü­cke, die mit der enor­men Kapa­zi­tät von 3,6 GW nach Gra­fen­rhein­feld bzw. einem Abzweig nach Schwan­dorf (Ost­bay­ern­ring) den Nor­den mit dem Süden ver­bin­det. Und es gibt den Ver­bund mit Öster­reich, das auf kur­zen Wegen aus­rei­chend Kapa­zi­tät bereit­stel­len kann.

Wür­de es wirk­lich ein­mal eng, gibt es immer noch das Redispatch-Ver­fah­ren. Damit wür­den auf der Last­sei­te regio­na­le Reser­ve­kraft­wer­ke hoch­ge­fah­ren, um die Lei­tun­gen zu ent­las­ten. Die­se Lösung ist teu­rer, dürf­te aber, wie schon bis­her, unter einem Pro­zent der Erzeu­gung blei­ben und damit kei­ne Aus­wir­kung auf den Strom­preis haben.

5. Lüge: Bay­ern droht nach dem Abschal­ten der letz­ten Kern­kraft­wer­ke 2023 der Black­out, Indus­trie wird abwan­dern, und es gibt zwei Preis­zo­nen in Deutsch­land.

Bis heu­te sind Netz­be­trei­ber und Bun­des­netz­agen­tur den Nach­weis für den Bedarf die­ser Tras­sen schul­dig geblie­ben. Wie bereits wei­ter oben dar­ge­stellt (Lügen 1 und 2), ist das auch gar nicht mög­lich. Es gibt genü­gend Strom im Süden, die AKWs kön­nen pro­blem­los abge­schal­tet wer­den.

Also sucht man ande­re Mög­lich­kei­ten, die Plä­ne doch noch durch­zu­set­zen. Man baut ein­fach mas­si­ve Droh­ku­lis­sen auf und kann damit durch­aus punk­ten. Die Mehr­zahl der Men­schen und über­wie­gend auch die Wirt­schaft sind nicht in der Lage, sich mit die­ser Pro­ble­ma­tik aus­ein­an­der zu set­zen. Es ent­ste­hen Sor­gen und Ängs­te, dass die­se Sze­na­ri­en zutref­fen.

Die Poli­tik ist offen­bar hier nicht an Auf­klä­rung inter­es­siert. Man fragt sich, ist das nur Ahnungs­lo­sig­keit oder auch Absicht? Dabei wird nichts von die­sen Andro­hun­gen ein­tref­fen.

Gera­de die Groß­in­dus­trie ist längst dabei, sich mit eige­nen Kraft­wer­ken zu ver­sor­gen. Bei­spiels­wei­se benö­tigt die BASF in Lud­wigs­ha­fen mehr Ener­gie als das Bun­des­land Bran­den­burg und ver­sorgt sich dabei wei­test­ge­hend selbst (8). Gro­ße Metall­schmelz­be­trie­be ver­le­gen den Bedarf in die Nacht­stun­den, um den güns­ti­ge­ren Nacht­ta­rif zu nut­zen. Durch die För­de­rung von Kraft-Wär­me-Kop­pe­lungs-Sys­te­men wer­den die­se KWK-Anla­gen in Indus­trie­ge­bie­ten instal­liert und errei­chen damit eine siche­re und dezen­tra­le Ver­sor­gung.

Unter­schied­li­che Preis­zo­nen wur­den vor Jah­ren in Skan­di­na­vi­en getes­tet und wie­der ver­wor­fen. Der admi­nis­tra­ti­ve Auf­wand steht in kei­nem Ver­hält­nis zum Erfolg. Der Preis­un­ter­schied liegt im Bereich von unter 0,1 Cent pro KWh.

Es ist auch längst über­fäl­lig, die Pro­ble­ma­tik der indus­tri­el­len Groß­ab­neh­mer genau­er unter die Lupe zu neh­men. Der KWh Preis auf der Leip­zi­ger Strom­bör­se hat sich in  den letz­ten 5 Jah­ren hal­biert (von 6 auf 3 Cent/KWh). Zu die­sem Strom­preis kau­fen die Groß­ab­neh­mer ein, wobei sie sich selbst an den Netz­ge­büh­ren nur mini­mal betei­li­gen. Es ist nicht ein­sich­tig das in die­ser Situa­ti­on der Haus­halt­kun­de auch noch neue HGÜT­ras­sen zah­len soll.

6. Lüge: Die HGÜ-Tras­sen wer­den für den euro­päi­schen Strom­ver­bund benö­tigt.

Schon heu­te sind die Län­dern des ENT­SO-E-Netz­ver­bun­des (European Net­work of Trans­mis­si­on Sys­tem Ope­ra­tors for Elec­tri­ci­ty) eng mit­ein­an­der ver­knüpft. Über 12 Pro­zent der deut­schen Strom­erzeu­gung (74 von 610 TWh) wur­den 2014 mit einem Ein­nah­me­über­schuss von 1,75 Mrd. Euro expor­tiert. Seit dem Abschal­ten der ers­ten AKWs 2011 steigt die­ser Über­schuss kon­ti­nu­ier­lich jedes Jahr, und das zu Las­ten der deut­schen Kli­ma­bi­lanz, da es sich vor­ran­gig um Strom aus Braun­koh­le han­delt.

Das neue Geschäfts­mo­dell unse­rer 4 Strom­mo­no­po­lis­ten heißt: Strom­han­del mit „bil­li­gem“ Braun­koh­le­strom. Dadurch sol­len die Stei­ge­run­gen der rege­ne­ra­ti­ven Strom­erzeu­gung aus­ge­gli­chen wer­den, ohne dass dre­cki­ge Braun­koh­le­kraft­wer­ke abge­schal­tet wer­den müs­sen.

Die aus­län­di­schen Strom­händ­ler ordern die­sen bil­li­gen Strom an der Leip­zi­ger Bör­se und machen dadurch die eige­nen umwelt­freund­li­che­ren Gas­kraft­wer­ke unren­ta­bel (Nie­der­lan­de). Die Netz­ent­gel­te dafür bezahlt der deut­sche Strom­kun­de.

Das gan­ze klappt bis­her bes­tens auch ohne HGÜ-Tras­sen. Da die Kon­zer­ne Inves­ti­tio­nen in erneu­er­ba­re Ener­gi­en ver­schla­fen haben, soll jetzt der Inter­na­tio­na­le Strom­han­del aus­ge­wei­tet wer­den. Wegen der gerin­ge­ren Ver­lus­te bei die­ser Lei­tungs­tech­nik müss­ten des­halb die­se Gleich­span­nungs­tras­sen gebaut wer­den.

Rich­tig ist, bei Gleich­strom­über­tra­gung gibt es gerin­ge­re Ver­lus­te als bei Dreh­strom. Ver­schwie­gen wer­den jedoch die Ver­lus­te, die bei der Kon­ver­tie­rung in Gleich­strom und der Rück­um­wand­lung in Wech­sel­strom ent­ste­hen. Bei der Kür­ze der HGÜT­ras­sen-Abschnit­te sind die Unter­schie­de mar­gi­nal, im Fall von Kor­ri­dor D ca. ein Pro­zent. Das ist kei­ne Recht­fer­ti­gung für die Inves­ti­ti­ons­kos­ten in Höhe von jetzt ca. 34 Mrd. Euro, die sich ver­mut­lich, wie bei Groß­pro­jek­ten üblich, ver­dop­peln wer­den.

Es ist auch abzu­se­hen, dass sich die­ser Strom­han­del nicht belie­big aus­bau­en lässt. Auch unse­re Nach­bar­län­der wer­den in die Ener­gie­wen­de ein­stei­gen und haben für den Über­gang genü­gend eige­ne kon­ven­tio­nel­le Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten. Solar­strom aus Anda­lu­si­en zu impor­tie­ren, wenn in Deutsch­land der Him­mel bewölkt ist, wird eine Illu­si­on blei­ben. Auch Spa­ni­en benö­tigt sei­ne Erneu­er­ba­ren selbst.

7. Lüge: Die HGÜ-Tras­sen sind für eine erfolg­rei­che Ener­gie­wen­de not­wen­dig.

Seit 1999 gibt es das EEG (Erneu­er­ba­re Ener­gi­en Gesetz). RWE, E.ON und EnBW haben gera­de mal ca. 2 Pro­zent Erneu­er­ba­re in ihrem Bestand, und das sind alte, schon lan­ge lau­fen­de Was­ser­kraft­wer­ke. Der Anteil bei Vat­ten­fall ist unbe­kannt. Die­se vier gro­ßen Strom­erzeu­ger pre­di­gen die Ener­gie­wen­de, tun aber alles in ihrer Macht ste­hen­de, um die­se auf­zu­hal­ten. Bereits nach dem ers­ten Atom­aus­stieg haben sie für eini­ge Mil­lio­nen Euro Agen­tu­ren beauf­tragt, um Stra­te­gi­en für eine Rück­kehr zur Kern­kraft zu erar­bei­ten. Damit hat­ten sie zunächst auch Erfolg, wenn da nicht Fuku­shi­ma dazwi­schen gekom­men wäre.

Jetzt ver­su­chen sie mit der glei­chen Stra­te­gie ihre Groß­pro­jek­te, Wind­parks auf See und ein Netz­werk von Gleich­strom­tras­sen, durch­zu­set­zen. Die diver­sen tak­ti­schen Maß­nah­men dazu sind leicht zu erken­nen, wenn man dar­auf ach­tet: Par­la­men­ta­ri­er Brie­fings – Dar­stel­lung als gesell­schaft­li­cher Gewinn – Medi­en­of­fen­si­ven – Ziel­grup­pen­an­spra­che – Appel­le zur Ener­gie­ver­ant­wor­tung – Bür­ger­dia­lo­ge – Tes­ti­mo­ni­als – Stay-Cool-Stra­te­gie usw.

Damit könn­ten sie ihr altes, star­res Sys­tem, mit zen­tra­ler Ener­gie­er­zeu­gung in der Hand von weni­gen und Trans­port des Stroms über wei­te Ent­fer­nun­gen, bei­be­hal­ten. Sie bekom­men für die­sen Tras­sen­bau staat­lich garan­tiert eine Eigen­ka­pi­tal­ren­di­te von unglaub­li­chen 9,05 Pro­zent und kön­nen auf vie­le Jah­re aus abge­schrie­be­nen Kraft­wer­ken den Strom aus kli­ma­schäd­li­cher und gif­ti­ger Braun­koh­le ein­spei­sen. Der Poli­tik

gelingt es nicht, den Preis der ent­spre­chen­den Zer­ti­fi­ka­te anzu­he­ben oder das soge­nann­te Markt­de­sign (Merit Order) anzu­pas­sen. Über den Strom­han­del käme dann auch wie­der Strom aus aus­län­di­schen Kern­kraft­wer­ken durch die­se Lei­tun­gen. Kraft­wer­ke, für die deut­sche Sicher­heits­stan­dards nicht gel­ten.

Es ist ganz klar erkenn­bar: Der Bau die­ser HGÜ-Lei­tun­gen, egal ob als Mons­ter­tras­sen, auf­ge­stän­dert auf bestehen­den Wech­sel­strom­lei­tun­gen oder erd­ver­ka­belt, bedeu­tet das Ende der Ener­gie­wen­de auf vie­le Jahr­zehn­te und wird auch wei­ter­hin einen nicht uner­heb­li­chen Bei­trag zur Kli­ma­er­wär­mung leis­ten. Inves­ti­tio­nen in Erneu­er­ba­re wer­den wegen dem bil­li­gen Strom aus Braun­koh­le (im Fall Süd­link aus Stein­koh­le) nicht mehr ren­ta­bel sein. Eben­so wer­den die For­schun­gen zur Strom­spei­che­rung zurück gefah­ren, da die­se dann zunächst nicht benö­tigt wird.

Eine erfolg­rei­che Ener­gie­wen­de geht anders. Sie funk­tio­niert dezen­tral und bringt damit auch die Wert­schöp­fung in die jewei­li­ge Regi­on. Betei­li­gen kön­nen sich alle, neben Bür­ger­ge­nos­sen­schaf­ten natür­lich auch die vier Kon­zer­ne. Aber für die­se ist das alles nur Klein­kram. Sie wer­den sich umstel­len müs­sen, sonst ist ihre Zeit vor­bei.

Sicher wird für die Anbin­dung von Wind­rä­dern und Solar­an­la­gen auch Lei­tungs­bau erfor­der­lich sein. Dies erfolgt jedoch im klei­nen Rah­men, mit bewähr­ter Tech­nik und über­wie­gend erd­ver­ka­belt. Für län­ge­re Zei­ten mit Dun­kel­heit, star­ker Bewöl­kung und Wind­stil­le braucht es für eine Über­gangs­zeit auch noch kon­ven­tio­nel­le Kraft­wer­ke, die dann ein­sprin­gen kön­nen. Das dür­fen aber nur Gas­kraft­wer­ke bzw. Kraft-Wär­me­Kop­pe­lungs­an­la­gen sein, da in Zukunft erneu­er­ba­res Methan (Erd­gas) zur Ver­fü­gung ste­hen wird. Die Tech­ni­ken dafür (Power zu Gas, Power to Liquid oder LOHC) sind markt­reif und müs­sen jetzt durch ent­spre­chen­de För­de­rung für den Ein­satz im gro­ßen Stil rechen­bar wer­den. Rus­si­sches Erd­gas wir dann in abseh­ba­rer Zeit nicht mehr benö­tigt.

Die Ener­gie­wen­de ist auf einem guten Weg, auch wenn die Poli­tik zur­zeit in Form der 10HRegelung für Wind­rä­der oder der Decke­lung von Solar­strom Stol­per­stei­ne auf­stellt. Die HGÜ-Tras­sen wer­den dafür in Deutsch­land nicht benö­tigt.

Ihre BI-Lein­burg gegen die Gleich­strom­tras­se Kor­ri­dor D

Quel­len­nach­weis:

5 Gedanken zu „Info­brief der Bür­ger­initia­ti­ve Lein­burg gegen die Strom­tras­se Kor­ri­dor D“

    1. Fin­de ich auch, der Dank gebührt Olaf Lüt­tich. Er belegt damit, dass HGÜ-Tras­sen auch erd­ver­ka­belt der Ener­gie­wen­de scha­den.
      Mit tras­sen­frei­en Grü­ßen
      Dör­te Hamann, BI Lein­burg

    2. Hal­lo Herr Wehe,

      jetzt wird’s lang­sam arg. Ich habe Sie schon ein­mal gefragt, ob Sie wis­sen, auf wel­cher Sei­te Sie hier unter­wegs sind. Zur Gedan­ken­stüt­ze habe ich Ihnen unse­re Pres­se­er­klä­rung vom 02.07. zum Ergeb­nis des Ener­gie­gip­fels emp­foh­len.

      Herr Lüt­tich wird sich nicht sehr über Ihr “Lob” freu­en kön­nen, haben Sie doch das Ergeb­nis — es braucht kei­ne HGÜ-Lei­tun­gen — nicht erfasst.

      Ab in die Ton­ne mit der Erd­ver­ka­be­lung Herr Wehe!

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