Mega­strom­tras­sen Rück­blick 2014

Von: Ani­ta Die­min­ger
 
Eigent­lich wur­de ich von der Redak­ti­on einer regio­na­len Zei­tung gebe­ten einen Strom­tras­sen-Rück­blick aus unse­rer Sicht zu schrei­ben. Also hab ich mich mal wie­der hin­ge­setzt, hab mir viel Zeit genom­men und hab den Arti­kel pünkt­lich abge­lie­fert. Ich staun­te nicht schlecht, als davon in der aus­ge­mach­ten Aus­ga­be nicht eine Sil­be zu Lesen war. Statt­des­sen äußer­ten sich Poli­ti­ker und Inter­es­sens­ver­tre­ter in der jewei­li­gen Aus­ga­be mit Sät­zen wie: ” …Meitin­gen selbst wür­de es nur dann wirk­lich scha­den, wenn die Strom­tras­se gar nicht kommt. Denn dann gehen ener­gie­ab­hän­gi­ge Unter­neh­men an ande­re Stand­or­te und das wäre fatal. “War das etwa der Grund, war­um mein Arti­kel nicht ver­öf­fent­licht wur­de? ZENSUR? Soll­te ein The­ma nicht von allen Sei­ten beleuch­tet wer­den, oder wird hier ganz bewußt ein­sei­ti­ge Mei­nungs­bil­dung betrie­ben? Umso fro­her bin ich, dass es eine Platt­form wie hier gibt, auf der man berich­ten kann, wie einem der bay­ri­sche Schna­bel gewach­sen ist.
 
Daher möch­te ich Euch unse­ren Strom­tras­sen Rück­blick 2014 auch nicht vor­ent­hal­ten:
“Wer hät­te damals, am 25.04.13 von den anwe­sen­den Ent­schei­dungs­trä­gern gedacht, die im Bun­des­tag zum beschleu­nig­ten Tras­sen­aus­bau­ge­setz ihre Hand erho­ben hat­ten, daß dies solch eine Wel­le des Wider­stan­des aus­lö­sen wür­de. Auch mein Lebens­ge­fähr­te und ich hät­ten uns nie­mals träu­men las­sen, daß wir ein­mal an einer Demo teil­neh­men oder gar eine Bür­ger­initia­ti­ve grün­den wür­den. Bis­her waren wir brav unse­rer Arbeit nach­ge­gan­gen und hat­ten uns mehr oder weni­ger auf die Poli­tik in die­sem Land ver­las­sen.
 
Als dann aller­dings die Fir­ma Ampri­on, einer der Netz­be­trei­ber für den Bau der Strom­tras­sen, eine „Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung“ in Donau­wörth abhielt und dort fach­li­che Fra­gen nicht beant­wor­ten konn­te oder woll­te, hat uns das sehr nach­denk­lich gemacht. Auf einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung der Bür­ger­initia­ti­ve Ren­nerts­ho­fen, wur­de uns dann das kom­plet­te Aus­maß erst ein­mal bewußt. Bür­ger hat­ten vie­le Fak­ten zusam­men­ge­tra­gen und infor­mier­ten ande­re Bür­ger. Das wäre eigent­lich die Auf­ga­be der ver­ant­wort­li­chen Netz­be­trei­ber gewe­sen. Je mehr wir uns mit dem The­ma Strom­tras­sen beschäf­tig­ten, umso mehr wur­de uns klar „Hier stimmt etwas nicht!“ Lan­ge haben wir mit uns geha­dert und dar­auf gewar­tet, dass jemand Ande­rer in unse­rem Land­kreis eine BI gegrün­det-aber es geschah nichts.
 
Am 15.05.14 wur­de dann von uns die 1. Bür­ger­initia­ti­ve im Land­kreis Augs­burg ins Leben geru­fen. Seit­dem hat sich Vie­les getan. Unser Haupt­an­lie­gen war es, die Bür­ger in unse­rer Regi­on ehr­lich zu infor­mie­ren. Durch Spen­den und viel Eigen­in­itia­ti­ve orga­ni­sier­ten wir am 17.07.14 einen Infor­ma­ti­ons­abend in Nor­den­dorf . Ca. 250 Bür­ger waren gekom­men, vie­le Ver­tre­ter ande­rer Bür­ger­initia­ti­ven und auch eini­ge weni­ge Ver­tre­ter aus der Poli­tik. Der Refe­rent erklär­te recht­li­che Abläu­fe, tech­ni­sche Gege­ben­hei­ten, Tras­sen­ver­läu­fe, Grenz­wer­te, mög­li­che gesund­heit­li­che Aus­wir­kun­gen usw. Im Anschluß konn­ten die besorg­ten Bür­ger ihre Fra­gen stel­len und wur­den ernst genom­men. Es folg­ten BI-Grün­dun­gen in der Ötz, Müns­ter und Obern­dorf. Der ers­te Schritt war getan. Die BI´s an der geplan­ten Tras­se orga­ni­sier­ten sich-tra­fen sich regel­mä­ßig und plan­ten zusam­men Unter­schrif­ten­ak­tio­nen, Demo´s und Aktio­nen wie z.B. den Ban­n­er­flug im Juli´14 ent­lang der Tras­se oder auch die aktu­ells­te Licht an-Akti­on im November´14, für eine dezen­tra­le Ener­gie­wen­de. Unse­re BI begrüß­te im Juli´14 die zwei Tras­sen­wan­de­rer Erwin und Armin in Ell­gau, die 450 km zu Fuß zurück­ge­legt hat­ten.
 
Wir waren bei den Nürn­ber­ger Gesprä­chen mit Herrn Gabri­el dabei, bau­ten einen Ersatz­in­fo­stand in Meitin­gen auf, nach­dem uns 2 Tage vor Beginn der MEGA mit­ge­teilt wor­den war, daß wir uner­wünscht waren. Im Okto­ber stan­den wir bei einer Gemein­schafts­ak­ti­on zusam­men mit ande­ren BI´s auf der Mes­se der Ren-Expo in Augs­burg . Auch die Poli­tik, die am Anfang ger­ne ihre Augen vor uns ver­schlos­sen hat­te, muß­te sich nun mit uns aus­ein­an­der­set­zen. Eine beson­de­re Ver­an­stal­tung war für uns der Lan­des­par­tei­tag der Frei­en Wäh­ler in Roth, zudem wir mit einem Info­stand ein­ge­la­den wor­den waren. Zusam­men mit der befreun­de­ten BI Heils­bronn, gestal­te­ten wir die­se Ver­an­stal­tung mit. Wir wur­den umringt von Kame­ras, gaben ein Inter­view nach dem Ande­ren-gar nicht so ein­fach, wenn man das sonst nicht gewohnt ist. Doch für unser Ziel, einer bes­se­ren Ener­gie­wen­de, als es die Regie­rung zur Zeit plant, gaben wir alle unser Bes­tes.
 
Es folg­ten regio­na­le Ter­mi­ne und der Besuch vie­ler Vor­trä­ge und Info­ver­an­stal­tun­gen, um unser Wis­sen zu Erwei­tern und wei­ter­ge­ben zu kön­nen. Inzwi­schen wis­sen wir oft mehr als so man­cher Poli­ti­ker, was wir mit Ent­set­zen fest­stel­len muß­ten. Die Pres­se fragt uns nach alter­na­ti­ven Lösun­gen, wir geben Ant­wor­ten dar­auf, aber eigent­lich soll­te die Berech­nung und Prä­sen­ta­ti­on nicht die Auf­ga­be von ganz nor­ma­len Bür­gern sein, son­dern von der Regie­rung in Zusam­men­ar­beit mit Exper­ten erar­bei­tet wer­den. Da hat man wohl die letz­ten Jah­re im Dorn­rös­chen­schlaf ver­bracht und kei­ner woll­te die Ener­gie­wen­de wach­küs­sen. Außer den Strom­tras­sen durch unser Land hat man so das Gefühl, liegt kein PlanB in der Schub­la­de der Regie­rung. Die Not­wen­dig­keit der Tras­se zur Ver­sor­gungs­si­cher­heit wur­de bis heu­te nicht unab­hän­gig nach­ge­wie­sen. Exper­ten wer­den als „Spin­ner“ abge­tan. Zwei Neu­bau­ten von Koh­le­kraft­wer­ken ste­hen im NEP. Die 26000 Ein­sprü­che sind immer noch nicht beant­wor­tet.
Über Alter­na­ti­ven wird von poli­ti­scher Sei­te nicht gespro­chen — das ist der aktu­el­le Stand und sicher kei­ne gute Wer­bung für eine Bür­ger­po­li­tik. Um versch. Fra­ge­stel­lun­gen zu klä­ren, wur­de von Minis­te­rin Aigner im November´14 der Ener­gie­dia­log Bay­ern ins Leben geru­fen. In nur 3 Mona­ten soll nun das geklärt wer­den, was man in den Jah­ren zuvor nicht geschafft hat. Was wirk­lich dabei her­aus­kommt, steht in den Ster­nen. Die Einen sagen, daß es nur eine Ali­bi­ver­an­stal­tung wäre, die Ande­ren hof­fen auf eine fai­re Dis­kus­si­on. Eines hat der gro­ße Bür­ger­pro­test aller­dings gezeigt, es war nicht umsonst-wir haben uns Gehör ver­schafft. Und das wer­den wir auch wei­ter­hin tun!
 
Die Kon­tak­te zu ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen, die sich auch für eine ech­te Ener­gie­wen­de ein­set­zen, neh­men zu. Die Mit­glie­der­zah­len der BI´s wach­sen. Am 21.11.14 wur­de Frau Aigner ein sym­bo­li­scher Scheck mit 298.439 an Unter­schrif­ten gegen die geplan­te Süd-Ost-Tras­se über­reicht. Das sind alles poten­ti­el­le Wäh­ler­stim­men, die man nicht igno­rie­ren kann. Im 2. Ent­wurf des NEP, der zeit­gleich mit Beginn des Ener­gie­dia­logs ver­öf­fent­licht wur­de, hat­te die Bun­des­netz­agen­tur einen neu­en Tras­sen­ver­lauf vor­ge­schla­gen. End­punkt soll nun nicht mehr Meitin­gen, son­dern Gund­rem­min­gen sein. Den Tras­sen­geg­nern tut dies kei­nen Abbruch-ihre Soli­da­ri­tät ist groß. Jetzt wer­den sich noch mehr Bür­ger gegen die­se unnö­ti­gen Tras­sen aus­spre­chen. Wir wer­den auch die­sen Betrof­fe­nen unse­re Unter­stüt­zung und eine ehr­li­che Infor­ma­ti­on anbie­ten, auch wenn das wie­der viel zusätz­li­che Arbeit bedeu­tet. Man muß dazu sagen, daß wir alle ehren­amt­lich arbei­ten, neben unse­rem Beruf und unse­rer Fami­lie. Es kos­tet viel Kraft, aber das ist es uns wert-für eine Ener­gie­wen­de, ohne unnö­ti­ge Strom­tras­sen zu kämp­fen, um unse­re Welt für unse­re Kin­der und Enkel­kin­der ein biß­chen bes­ser zu machen!”
In die­sem Sin­ne
FROHE WEIHNACHTEN und ein GUTES NEUES JAHR 2015!

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