Pres­se­mit­tei­lung vom 27. April 2026 – Erör­te­rungs­ter­min zur Juraleitung

Son­der­fall Katzwangtunnel -
Akti­ons­bünd­nis Tras­sen­geg­ner kri­ti­siert gra­vie­ren­de Planungsmängel

Anläss­lich des Erör­te­rungs­ter­mins zur geplan­ten 380-kV-Lei­tung Rai­ter­saich – Luders­heim – Sitt­ling – Alt­heim („Jura­lei­tung“) am Diens­tag, 28. April 2026, sowie der Fort­set­zung am Mitt­woch, 29. April 2026, jeweils ab 10:00 Uhr im Gemein­schafts­haus Lang­was­ser, bekräf­tigt das Akti­ons­bünd­nis Tras­sen­geg­ner sei­ne unver­än­der­te Ableh­nung gegen das Vorhaben.

Im Fokus steht der Teil­ab­schnitt Rai­ter­saich-West – Luders­heim-West (Abschnitt A‑Katzwang) im Gebiet der Städ­te Nürn­berg und Schwabach.

Bedarf und Pla­nung wer­den grund­le­gend infra­ge gestellt


Das Bünd­nis der Bür­ger­initia­ti­ven gegen die Jura­lei­tung zwei­felt den Bedarf für die neue Strom­tras­se grund­sätz­lich an. Die zugrun­de lie­gen­den Pla­nun­gen sind ver­al­tet und wer­den aktu­el­len ener­gie­po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen nicht gerecht. „Wir haben es hier mit einem Pro­jekt zu tun, das weder ener­gie­wen­de­kon­form noch wirt­schaft­lich trag­fä­hig ist“, erklärt Spre­che­rin Dör­te Hamann vom Akti­ons­bünd­nis Tras­sen­geg­ner. “Der Neu­bau der Jura­lei­tung ist unnö­tig, über­di­men­sio­niert und nicht mit den Kli­ma­schutz­zie­len ver­ein­bar – die Ener­gie­wen­de kann nur dezen­tral funk­tio­nie­ren. Ange­sichts der klam­men finan­zi­el­len Lage und der stark ver­än­der­ten poli­ti­schen Situa­ti­on for­dern wir ein Mora­to­ri­um für den wei­te­ren Über­tra­gungs­netz­aus­bau, der ledig­lich der Erwei­te­rung des Strom­han­dels dient, nicht aber die Ver­sor­gungs­si­cher­heit erhöht”.

Katzwang-Tun­nel: Sym­bol einer kos­ten­in­ten­si­ven Hochrisikostrategie


Beson­ders kri­tisch bewer­ten die Tras­sen­geg­ner den geplan­ten Kabel­tun­nel im Bereich Katzwang. Die­ser stellt kei­nen gewöhn­li­chen Bau­ab­schnitt dar, son­dern ist ein höchst kom­ple­xes und risi­ko­be­haf­te­tes Sonderbauwerk.

Hier wird kei­ne risi­ko­ar­me Lösung ver­folgt, son­dern eine Hoch­ri­si­ko­stra­te­gie umge­setzt“, kri­ti­siert Hamann. Die Kom­bi­na­ti­on aus begeh­ba­rem Dop­pel­tun­nel, sen­si­blen Que­run­gen und erhöh­ten Anfor­de­run­gen an den Betrieb machen den Abschnitt zu einem sicher­heits- und kos­ten­po­li­tisch hoch­pro­ble­ma­ti­schen Kern­stück der Pla­nung. Die Regie­rung von Mit­tel­fran­ken behan­delt im Erör­te­rungs­ter­min nicht zufäl­lig die Punk­te „Pla­nungs­al­ter­na­ti­ven/-vari­an­ten“ und „Tunnelsicherheit/Havariegefahr“ geson­dert. Vor dem Hin­ter­grund der aktu­el­len sicher­heits­po­li­ti­schen Lage sieht das Bünd­nis dar­in eine gra­vie­ren­de Gefahrenquelle.

Nach Auf­fas­sung des Akti­ons­bünd­nis­ses wider­spricht der Tun­nel den Vor­ga­ben des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes (§ 43 EnWG). Der bean­trag­te Katzwang­tun­nel ist nicht nur eine tech­ni­sche Detail­fra­ge des Vor­ha­bens, son­dern der zen­tra­le Punkt, an dem das plan­fest­stel­lungs­recht­li­che „Wie“ der Jura­lei­tung wirt­schaft­lich und abwä­gungs­recht­lich schei­tern kann. Laut Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz sind bei der Plan­fest­stel­lung ins­be­son­de­re eine mög­lichst wirt­schaft­li­che Errich­tung und ein mög­lichst wirt­schaft­li­cher Betrieb des Vor­ha­bens beson­ders zu berücksichtigen.

Die vor­lie­gen­den Plan­un­ter­la­gen bele­gen dage­gen klar, dass es sich um einen „auf­wen­di­gen und kos­ten­in­ten­si­ven Erd­ka­bel­ab­schnitt“ han­delt. Auf weni­gen Kilo­me­tern wür­den unver­hält­nis­mä­ßig hohe Kos­ten – Schät­zun­gen zufol­ge im drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich, was immer das genau heißt – kon­zen­triert, wäh­rend gleich­zei­tig erheb­li­che tech­ni­sche Risi­ken bestehen.

Schwe­re Ein­grif­fe in Natur und Umwelt


Neben wirt­schaft­li­chen Aspek­ten sieht das Akti­ons­bünd­nis Tras­sen­geg­ner mas­si­ve und inak­zep­ta­ble Ein­grif­fe in Natur und Land­schaft. Die ent­lang der Jura­lei­tung geplan­ten Wald­ro­dun­gen – vor allem auch im Raum Alt­dorf-Luders­heim – sowie die Risi­ken für Gewäs­ser und Feucht­ge­bie­te sind nicht hinnehmbar.
Betrof­fen sind unter ande­rem Bann­wäl­der, Land­schafts- und Vogel­schutz­ge­bie­te sowie natür­li­che Was­ser­läu­fe. Die geplan­te Tras­se führt zu einer Zer­schnei­dung sen­si­bler Lebens­räu­me und gefähr­det Flo­ra und Fau­na nach­hal­tig. Auch mög­li­che loka­le Erwär­mungs­ef­fek­te im Bereich des Katzwang­tun­nels wer­ten die Bür­ger­initia­ti­ven als unzu­rei­chend untersucht.

Erwar­tun­gen an die Stadt Nürnberg


Mit Blick auf die kom­mu­na­le Ebe­ne rich­ten wir kla­re Erwar­tun­gen an die Stadt Nürn­berg und ins­be­son­de­re an Ober­bür­ger­meis­ter Mar­cus König. Die­ser hat­te mehr­fach betont, dass die Stadt kei­ne Ein­schrän­kun­gen für die wei­te­re Stadt­ent­wick­lung akzep­tie­ren und die Inter­es­sen der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger mit Nach­druck ver­tre­ten werde.
Das Akti­ons­bünd­nis for­dert, die­sen Ankün­di­gun­gen nun kon­kre­te Taten fol­gen zu las­sen, not­falls auch mit juris­ti­schen Mit­teln. „Jetzt wird sich zei­gen, ob die Stadt­spit­ze zu ihrem Wort steht“, so Dör­te Hamann. “Dabei for­dern wir die Ver­ant­wort­li­chen dazu auf, nicht nach dem Sankt-Flo­ri­ans-Prin­zip zu han­deln und die Jura­lei­tung ein­fach mal ande­ren vor die Haus­tür zu schie­ben, wie es etwa mit der von OB König prä­fe­rier­ten Süd­um­ge­hung außer­halb des Nürn­ber­ger Stadt­ge­bie­tes der Fall wäre. Wir erwar­ten, dass sich auch die Kom­mu­nal­po­li­tik mit der Tat­sa­che befasst, dass die Jura­lei­tung ganz ent­schei­dend zu untrag­ba­ren und unso­zia­len Strom­prei­sen bei­trägt – und dass dar­aus die not­wen­di­gen und über­fäl­li­gen Kon­se­quen­zen gezo­gen wer­den. Die zeit­ge­mä­ße Ant­wort sind jetzt Inves­ti­tio­nen in eine dezen­tra­le Ener­gie­wen­de mit einer ver­stärk­ten Wert­schöp­fung vor Ort ”

For­de­rung nach grund­le­gen­der Neubewertung


Das Akti­ons­bünd­nis Tras­sen­geg­ner for­dert die Regie­rung von Mit­tel­fran­ken auf,  die Jura­lei­tung und den Katzwang­tun­nel nicht zu geneh­mi­gen. Die­se Pla­nung ist weder wirt­schaft­lich ver­tret­bar noch ver­ant­wort­bar gegen­über Mensch, Natur und zukünf­ti­gen Gene­ra­tio­nen. Der Wider­stand wird fortgeführt.

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